Berit Hassl (links) gibt Nachhilfe für Grundschulkinder in Lünen. Die Nachfrage ist im Zuge der Pandemie gestiegen. © Hassl
Corona-Krise

Mehr Unterstützung beim Lernen: Lüner Nachhilfelehrerin sieht Bedarf

Home-Schooling für die Kids, Home-Office für die Eltern, mehr gemeinsame Zeit Zuhause: Steigt oder sinkt die Nachfrage nach Nachhilfe in Zeiten der Pandemie? Wir haben nachgefragt.

Brauchen Kinder in der aktuellen Ausnahmesituation mehr Unterstützung beim Lernen? Die Lüner Nachhilfelehrerin Berit Hassl sagt ganz klar „Ja“. In den letzten Monaten hat sie mehr Anfragen als freie Termine. Hassl berichtet, dass es zum Beginn der Pandemie zunächst eine Flaute gab. „Die Leute waren sehr verunsichert, haben die Kontakte stark eingeschränkt“, sagt sie. Die Eltern kümmerten sich in Zeiten des Homeschoolings selber um die Hausaufgaben ihrer Kinder. „Nun stellen sie aber fest, dass sich Defizite eingeschlichen haben. In den letzten Monaten ist einiges auf der Strecke geblieben.“

Hassl geht davon aus, dass sich diese Defizite im kommenden Jahr noch deutlicher zeigen werden – gerade im Grundschulalter zähle jede Schulstunde, da das Grundwissen erst einmal aufgebaut werden muss. Berit Hassl befasst sich ausschließlich mit Grundschulkindern. Grundsätzlich sei die Nachfrage nach Nachhilfe für die Kleinen gestiegen: „Vor zehn Jahren war von Nachhilfe für Grundschulkinder noch kaum die Rede. Heutzutage sind viele Eltern berufstätig oder mit den Aufgaben überfordert.“

„Kinder sind ein Spiegel der Eltern“

Nicht verändert hat sich in den letzten Monaten die Nachfrage nach den Fächern: Mathe und Deutsch sind gleichermaßen gefragt. Hassl betont außerdem: „Alle Kinder sind gleichermaßen von der Situation betroffen. Ich habe nicht mehr Anfragen von bildungsferneren Familien, wie man das vielleicht meinen könnte.“

Trotz aller Corona-Vorsichtsmaßnahmen bleiben die Kinder Kinder – Hassl hat unter ihren Schülern keine ängstlichen Kinder mit Desinfektions-Zwang oder dergleichen. An die Maske und den Sicherheitsabstand muss sie die Kinder ab und an erinnern – die Wenigsten haben das verinnerlicht. „Wie ernst die Kinder die Lage nehmen, hängt von den Eltern ab. Die Kinder sind die Spiegel der Eltern – wenn die Corona leugnen, dann tun es die Kinder auch. In den Alter bilden sie sich noch keine eigene Meinung“, sagt sie.

Online-Nachhilfe in Zeiten der Pandemie

Manche Nachhilfe-Institute wie die Schülerhilfe bieten Online-Unterricht und Lern-Apps an. Die Schülerhilfe veröffentlichte im Mai eine Studie, die ergab: Die Nachfrage nach Online-Nachhilfe durch einen Nachhilfelehrer ist im Vergleich zu 2017 um 18 Prozent gestiegen. Die Bereitschaft, professionelle Online-Nachhilfe zu nutzen, ist deutlich gestiegen.

40 Prozent der Eltern würden kostenpflichtige Online-Nachhilfeangebote nutzen. Befragt wurden 1528 Eltern von Kindern im Alter von 6 bis 19 Jahren. Jedes fünfte befragte Elternteil gab an, dass sein Kind aktuell Nachhilfe bekommt. Für Berit Hassl ist die Online-Nachhilfe kein Thema: Bisher gab es bei ihr keine Nachfrage danach.

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Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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