Mercedesfläche: Stadt sieht in den Aussagen des Gestaltungsbeirats einen Vertrauensbruch

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Die Ex-Mercedes-Fläche bleibt nach ihrem Verkauf ein Streitobjekt. Zuletzt hatte der Gestaltungsbeirat erklärt, nichts über die Pläne gewusst zu haben. Das lässt die Stadt so nicht stehen.

Lünen

, 13.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verwundert hat man im Stadthaus die Aussage von Boris Biskamp aufgenommen. Der Bochumer Architekt ist Vorsitzender des Lüner Beirats für Stadtgestaltung und Baukultur (LBSB). Das Gremium soll Politik und Verwaltung bei großen Bauprojekten beraten, womit die Mercedes-Fläche definitiv in diesen Aufgabenbereich fällt.

Nur: „Der Beirat hat noch nicht über den Entwurf beraten“, erklärte Biskamp gegenüber unserer Redaktion am 31. Januar. „Bislang kennen wir den Entwurf nur aus der Presse.“ Schon das war verwunderlich, weil Stadtsprecher Benedikt Spangardt im Oktober 2019 erklärt hatte, dass sich der LBSB sehr wohl mit diesem Thema beschäftigt hat.

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Bei dieser Darstellung bleibt Spangardt auch weiterhin. „Meine Aussage vom Oktober ist nach wie vor korrekt“, hieß es auf erneute Anfrage unserer Redaktion. Der Lüner Beirat für Stadtgestaltung und Baukultur habe sich am 24. September 2019 in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema Mercedesfläche befasst.

Die Verwaltungsspitze der Stadt Lünen zeigte sich irritiert vom Vorgehen des Beiratsvorsitzenden: „Zum einen ist die Öffentlichkeitsarbeit für den Beirat nicht seine Aufgabe, sondern Aufgabe der Stadt. Zum anderen ist Herr Biskamp laut Satzung des LBSB zur Verschwiegenheit über die internen Beratungen und Wahrnehmungen verpflichtet.“

Vertrauensbruch bedeutet Ausschluss aus dem Gremium

Und das habe seinen Grund, so Spangardt weiter: „Bauherren, die ihre Projekte in frühen Stadien dem Beirat vorlegen, sollen darauf vertrauen können, dass das Urteil des Beirats über ihre Vorhaben zunächst mit ihnen diskutiert wird.“ Damit dieses Vertrauen gesichert ist, sei laut LBSB-Satzung „die Verletzung der Verschwiegenheit mit dem Ausschluss vom Gestaltungsbeirat bedroht“.

Der LBSB wurde im Frühjahr 2019 gegründet. Das Gremium soll obligatorisch alle Bauvorhaben beurteilen, die aufgrund ihrer Größenordnung und Bedeutung für das Stadtbild und dessen Entwicklung prägend sind. Solche Projekte können laut Satzung „durch die Verwaltung, Mitglieder dieses Beirates oder die Politik an das vorsitzende Mitglied oder dessen Stellvertretung herangetragen werden“. Auch Bauherren können beantragen, dass sich der LBSB mit ihrem Projekt befasst - wenn es denn die notwendige Größe und Bedeutung hat.

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Allerdings hat der Beirat keine entscheidende Funktion. So hatte Boris Biskamp in der Vergangenheit im Stadtentwicklungsausschuss die Wichtigkeit von Architekturwettbewerben aus Sicht des Gremiums betont. Der Rat der Stadt beschloss im Fall der Mercedes-Fläche jedoch, das bereits vorliegende Angebot des Bauvereins anzunehmen, anstatt einen solchen Wettbewerb auszuschreiben. „Ab diesem Moment konnte die Stadt nicht mehr auf einem Wettbewerbsverfahren bestehen“, sagt Benedikt Spangardt.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass der Gestaltungsbeirat für die Mercedesfläche einen Architekturwettbewerb gefordert hätte, diese Forderung aber von Verwaltung und Politik ignoriert worden sei. Das ist nicht korrekt, eine solche Forderung hat es nicht gegeben.

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