Messerattacke am Lippedamm: Täter lachte und stach zu - und muss jetzt in die Psychiatrie

mlzLandgericht Dortmund

Es ist amtlich: Nach der Messerattacke auf einen Spaziergänger am Lüner Lippedamm hat das Dortmunder Landgericht den Täter für unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Lünen

, 13.03.2020, 11:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nacht auf den 2. September 2019 wird ein 24-jähriger Auszubildender aus Lünen vermutlich nie vergessen. Er hatte sich entschieden, den Heimweg über den Lippedamm zu nehmen, als er urplötzlich von einem Wildfremden attackiert wurde. Der Mann schlug ihm auf die Schulter, zückte dann ein Messer und stach immer wieder zu.

Der 24-Jährige hatte in dieser Nacht viel Glück. Denn er schaffte es, den Angreifer abzuschütteln und dann mit letzter Kraft Hilfe zu alarmieren. Kurz bevor ihm die Sinne schwanden, trafen Polizei und Rettungskräfte ein. „Ich hatte schon gemerkt, dass ich nicht mehr lange durchhalten würde“, sagte der Zeuge den Richtern am ersten Verhandlungstag. „Das Blut ist mir in Strömen aus dem Hals gelaufen.“

Messerstecher lachte bei der Tat

Besonders gespenstisch war das Verhalten des Beschuldigten bei der Tat. Auch im Prozess räumte der 26-Jährige ein, die ganze Zeit über lauthals gelacht zu haben. „Ich hatte regelrecht Lachkrämpfe“, so der Lüner zu den Richtern. Und: „Ich habe mich echt nicht mehr eingekriegt.“

Schon sehr bald nach der Messerattacke stand für allen Beteiligten fest: Dieser Angriff war nicht der eines feigen Killers, sondern Ausdruck einer schweren psychischen Erkrankung des 26-Jährigen. Psychiater Bernd Roggenwallner hat bei dem jungen Mann eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Eigentlich nahm der Beschuldigte dagegen sogar Medikamente. „Doch mein Vater hatte mir schon Monate zuvor geraten, die Tabletten abzusetzen, weil sie angeblich nicht gut für meinen Körper wären“, so der Lüner vor Gericht.

Beschuldigter hatte Liebeskummer

In jener Septembernacht sei dann auch noch Liebeskummer hinzugekommen. Eine junge Frau, auf deren Wiedersehen er sich so sehr gefreut habe, habe ihm kurzfristig gesagt, dass sie nicht kommen könne, so der 26-Jährige. Er sei deshalb rausgegangen, um auf andere Gedanken zu kommen. „Und dabei habe ich in einer Bar die Frau mit einem anderen Typen gesehen“, sagte er den Richtern. Eigentlich habe er deshalb beschlossen, sich in dieser Nacht selbst das Leben zu nehmen. „Ich habe geweint, wie noch nie zuvor in meinem Leben.“

Die Richter waren am Ende der Verhandlung davon überzeugt, dass die Allgemeinheit nur durch die Zwangs-Einweisung des 26-Jährigen wirksam geschützt werden kann. Ohne Behandlung und ohne Kontrolle, ob der junge Mann nicht vielleicht doch wieder seine Medikamente absetze, sei von einer großen Wiederholungsgefahr auszugehen.

Bei dem Opfer hat sich der Lüner inzwischen entschuldigt. „Es tut mir alles sehr leid“, sagte er in der Verhandlung. Der 24-Jährige nickte nur und antwortete nicht.

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