Mit 16 Jahren zog Bernd Kuhnen in den Krieg

Als Luftwaffenhelfer im Einsatz

Er wurde in Dortmund geboren, arbeitete als Chefarzt in Lünen und lebt heute in Cappenberg: Mit 91 Jahren erinnert sich Bernd Kuhnen an einen bestimmten Tag noch so genau, als wäre es gestern gewesen. Es war der Tag, an dem er in den Krieg zog.

Lünen/Cappenberg

, 15.02.2018, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Bernd Kuhnen in seinem Arbeitszimmer. Vor 75 Jahren wurde er zum Dienst als Luftwaffenhelfer verpflichtet.

Dr. Bernd Kuhnen in seinem Arbeitszimmer. Vor 75 Jahren wurde er zum Dienst als Luftwaffenhelfer verpflichtet. © Peter Fiedler

Es ist Anfang 1943. An der Front werden die Soldaten knapp. Und deshalb schickt Hitler-Deutschland Milchgesichter in den Krieg. 16-Jährige müssen an den Flugabwehrkanonen (Flak) dabei helfen, alliierte Bomber abzuschießen. Einer von ihnen ist Bernd Kuhnen.

Vor 75 Jahren, am 15. Februar 1943, trat er seinen Dienst als Luftwaffenhelfer an. „Wir haben es 14 Tage vorher erfahren, wir wurden einfach beordert“, erinnert sich Kuhnen. Die Eltern seien während einer Versammlung informiert worden. Mit dem Versprechen, die Jugendlichen würden nur heimatnah eingesetzt.

Vier Wochen vorher 16 geworden

Erst vier Wochen vorher, am 15. Januar 1943, hatte Kuhnen seinen 16. Geburtstag gefeiert. In seiner Geburtsstadt Dortmund, im Stadtteil Hörde, wo er die Oberschule besuchte. Ein junger Mann auf dem Weg zur Reifeprüfung. Nicht weit entfernt von Hörde, im Ortsteil Brünninghausen, befand sich nach Kuhnens Erinnerung eine große Flak-Stellung mit 10,5-cm-Geschützen. Dort diente Luftwaffenhelfer Kuhnen fortan dem Deutschen Reich.

„Wir hatten nichts anderes im Kopf als, der Propaganda folgend, den Feind zu bekämpfen. Wir wollten unsere Eltern vor den Bombern schützen. Heute lache ich darüber, mit welchem Optimismus wir unsere Heimat verteidigten“, erzählt der 91-jährige.

Alarm in der Lateinstunde

Die Luftwaffenhelfer, berichtet er, lebten in Baracken. Den Tagesablauf erinnert er so: 6.30 Uhr Wecken, 8 bis 12 Uhr militärische Ausbildung, 14 bis 18 Uhr Schulunterricht. Während der Flakschießlehre seien die Jugendlichen in die Bedienung der Geschütze eingewiesen worden. „Das war viel Mathematik und Physik“, so Kuhnen. Immer häufiger wurde das Ruhrgebiet Ziel von Bombenangriffen. Das bedeutete Alarm für Kuhnen und seine Kameraden, manchmal mitten im Unterricht. „In der Lateinstunde kam der Alarm gar nicht so ungelegen“, sagt Kuhnen. Doch die Schrecken des Krieges lernte er bald kennen. „In Wellinghofen waren nach einem Volltreffer zwei Luftwaffenhelfer aus einer anderen Klasse tot. Ich kannte sie beide.“

In Gefangenschaft

Angst, so Kuhnen, „hatten wir dauernd, aber nicht im Einsatz, da war es vorbei.“ Viele Jahre später, als seine Söhne 16 waren, habe er rückblickend nur gedacht: „O Gott, o Gott.“

An das Versprechen, die Luftwaffenhelfer nur heimatnah einzusetzen, hielt sich die Wehrmacht nicht lange. Sie kommandierte Kuhnen erst nach Soest, anschließend nach Oberschlesien ab. Und als die militärische Niederlage längst besiegelt war, wurde er auch noch regulärer Soldat. „Wenige Tage vor Kriegsende geriet ich in amerikanische Gefangenschaft.“

Da war er gerade mal 18 – und zugleich ein junger Mann mit schon über zwei Jahren Kriegserfahrung.

Der historische Hintergrund: Auf Basis der Notdienstverordnung des Deutschen Reiches von 1938, konkretisiert durch einen Erlass des Reichsministeriums für Erziehung von Januar 1943, wurden ab Februar 1943 Luftwaffenhelfer eingezogen. Sie erhielten ihre militärische Ausbildung in Kasernen, Baracken-Unterkünften oder direkt in den Flakstellungen. Parallel dazu erfolgte Schulunterricht. Etwa 200.000 Jungen der Jahrgänge 1926 bis 1928 taten Dienst als Luftwaffenhelfer. Wie viele Luftwaffenhelfer gefallen sind, ist nicht bekannt. (Quelle: Wikipedia)
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