Mit allen Sinnen selber prüfen, ob Lebensmittel noch haltbar sind

mlzVerbrauchertipp

Pro Kopf wirft jeder Deutsche jährlich im Schnitt 75 Kilo Lebensmittel weg. Oft, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Dabei muss längst nicht alles in den Müll.

Lünen, Selm, Werne

, 02.11.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Angebrochene Grillsaucen, nicht aufgebrauchter Joghurt, geöffnete Fruchtsäfte oder Eier, die schon lange im Kühlschrank liegen: In jedem Haushalt finden sich manchmal Lebensmittel in geöffneten Verpackungen oder mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Viele Verbraucher sind dann unsicher, ob die Produkte noch genießbar sind, und werfen sie lieber weg. Das muss aber nicht immer sein, so Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung.

Mehr zum Thema Lebensmittelverschwendung und wie man sie vermeiden kann, erklärt sie in Fragen und Antworten.

? Wie stellt man fest, ob Lebensmittel noch genießbar sind?

„Was verdorben ist, kann die Gesundheit gefährden und gehört nicht auf den Teller. Aber allzu oft landet Essen im Müll, das noch problemlos verzehrt werden könnte“, sagt Jutta Gülzow. Sie rät, mit den eigenen Sinnen – sehen, riechen, schmecken – zu überprüfen, ob Lebensmittel noch verwendbar sind. Das EU- und landesgeförderte Projekt MehrWertKonsum der Verbraucherzentrale NRW hat aus Anlass der Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel“ einige Tipps gegen Lebensmittelverschwendung zusammengestellt.

? Wie sollte man mit angebrochenen Grillsaucen, Ketchup und Mayonnaise umgehen?

Industriell hergestelltes Tomatenketchup sowie fertige Mayonnaise und Saucen enthalten häufig konservierende Stoffe wie Essig, Zucker und Salz, die die Produkte haltbar machen. Werden angebrochene Flaschen und Tuben gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt, können sie drei bis sechs Monaten verwendbar sein. Sind Konsistenz, Geschmack und Geruch des Produkts normal, ist es in der Regel noch genießbar.

? Was sollte man bei Fruchtsäften beachten?

„Nach dem Öffnen innerhalb von zwei bis drei Tagen verbrauchen“ – dieser Hinweis findet sich häufig auf Saftverpackungen. Doch wird der Saft nach dem Einschenken ins Glas sofort wieder verschlossen und kühl gestellt, kann er bis zu 14 Tage trinkbar sein. Auf Verderb weist oft ein vergorener Geruch hin. In Glasflaschen lässt sich Schimmelbildung oder trüber Bodensatz in klarem Apfel- und Traubensaft mit bloßem Auge erkennen. Tetrapacks sollten im Zweifel aufgeschnitten werden, um zu prüfen, ob sich auf der Flüssigkeit Schimmel angesiedelt hat.

? Wie sieht es bei Eiern aus, die schon länger liegen?

Eier, die kurz das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben (sie sind dann vier Wochen alt), kann man noch zum Backen und Kochen verwenden oder gart sie als Rühr- und Spiegeleier gut durch. Hart gekocht halten sich Eier ebenfalls ein bis zwei Wochen über das MHD. Wichtig: Für Frischei-Speisen wie Tiramisu, Zabaione oder Mayonnaise sollten nur Eier verwendet werden, die nicht älter als zehn Tage sind. Weiß man nicht, wie alt die Eier im Kühlschrank sind, hilft der Wasserglas-Test: Frische Eier bleiben unten im Wasser liegen; Eier, die vier Wochen oder älter sind, schwimmen im Glas, ohne Kontakt zum Boden.

Eier, die schon älter sind, sollten nicht für Roh-Ei-Speisen wie Zabaione verwendet werden.

Eier, die schon älter sind, sollten nicht für Roh-Ei-Speisen wie Zabaione verwendet werden. © picture alliance / Andrea Warnec

? Wie sieht es bei Milch mit der Haltbarkeit aus?

Beult sich die Milchtüte aus und fließt der Inhalt geronnen ins Glas, ist die frische Milch sauer geworden. Bei H-Milch ist jedoch schwerer zu erkennen, ob sie verdorben ist. Weil die Milchsäurebakterien im Herstellungsprozess abgetötet wurden, wird sie nicht dick und sauer, nimmt allerdings einen bitteren Geschmack und eine schleimige Konsistenz an. Einmal geöffnet, sollte H-Milch ebenso wie frische Milch innerhalb von drei bis vier Tagen aufgebraucht werden.

? Was sollte man bei Essig beachten?

Branntweinessig hält sich aufgrund des hohen Säuregehalts auch geöffnet mehrere Monate lang. Die Flaschen sollten gut verschlossen und dunkel gelagert werden. Vorsicht ist geboten, wenn die Würzflüssigkeit modrig riecht, faulig schmeckt oder an der Oberfläche eine pelzige Schicht aufweist. Dann den Essig wegschütten und auch nicht mehr zum Putzen verwenden. Fruchtessige und Balsamico sind wegen des höheren Zuckergehalts weniger lang haltbar.

Im Kampf gegen unnötiges Wegwerfen von Lebensmitteln sind Handel und Verbraucherschützer skeptisch bei grundlegenden Änderungen am Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD).

Im Kampf gegen unnötiges Wegwerfen von Lebensmitteln sind Handel und Verbraucherschützer skeptisch bei grundlegenden Änderungen am Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). © picture alliance/dpa

? Wo Essig ist, ist auch Öl. Was rät die Verbraucherberatung beim Öl?

Beim Öl wiederum hängt die Dauer der Verwendbarkeit davon ab, ob es raffiniert oder kaltgepresst ist. Faustregel: Raffinierte Speiseöle wie Sonnenblumen- und Rapsöl halten länger als kaltgepresste wie Oliven- und Kernöl. Beide Ölsorten sollten dunkel aufbewahrt und nicht mehr verwendet werden, wenn sie trüb sind und muffig riechen. Wenn kaltgepresste Öle bei Kühlschranktemperaturen ausflocken, ist dies jedoch kein Problem: Die Flocken verschwinden bei Zimmertemperatur wieder.

? Warum ist Hygiene in der Küche und bei Lebensmitteln so wichtig?Wie lang angebrochene Lebensmittel essbar sind, hängt wesentlich von der Hygiene und richtigen Aufbewahrung ab. So ist es beispielsweise nicht ratsam, Milch und Saft direkt aus der Flasche oder Packung zu trinken und benutztes Besteck in Marmelade und Frischkäse zu tunken. Denn auf diese Weise werden Keime übertragen, die den Verderb beschleunigen. Lebensmittel, die man kühlen sollte, werden schneller schlecht, wenn sie längere Zeit in der Wärme auf dem Esstisch stehen. Besser serviert man nur eine passende Portion und der Rest bleibt im Kühlschrank. Und der sollte mindestens alle zwei Monate mit Wasser und Spülmittel ausgewaschen werden.
Generelle Hinweise rund um Kauf und Verbrauch von Lebensmitteln gibt die Verbraucherzentrale NRW im Internet unter www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel.

  • Terminvereinbarung mit der Verbraucherberatung unter Tel. (02306) 301 3801 oder über das Kontaktformular im Internet www.verbraucherzentrale.nrw/luenen.
  • Parallel besteht weiter die Möglichkeit einer Erstberatung telefonisch oder schriftlich, um Probleme direkt und schnell zu lösen.
  • Sprechzeiten per Telefon sind Mo, Mi, Don und Fr von 9 bis 13 Uhr, Mo und Don 13.30 bis 17 Uhr und Mi 14 bis 18 Uhr.
  • Persönliche Termine mit Maske und Abstand können telefonisch vereinbart werden.
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