Christiane Schulz-Scharbaum erwärmt mit einer Mitarbeiterin das Essen in Öfen, bevor es ausgeliefert wird. Sie konnte in diesem Jahr mehr Kunden beliefern. © Gesundheitsteam
Wirtschaft

Mit Erfolg durchs Corona-Jahr: Diesen Lüner Unternehmen ist das gelungen

In diesem Jahr gab es viele, die wirtschaftlich massiv unter der Pandemie zu leiden hatten. Doch es gibt auch solche, die deutlich gewonnen haben, wenn auch nicht unbedingt finanziell.

Kurzarbeit, massive Umsatzverluste im Einzelhandel und mehr noch bei der Gastronomie, fehlende Auftrittsmöglichkeiten für Künstler, die Eventbranche in der Existenzkrise. Kurz: Für viele war 2020 kein gutes Jahr. Doch einige haben auch profitiert. Christiane Schulz-Scharbaum zum Beispiel. Mit ihrem Menüservice, mit dem sie vornehmlich ältere Menschen regelmäßig zu Hause mit Essen beliefert, hat sie in diesem Corona-Jahr viele Kunden gewonnen.

Während sie lange Zeit etwa 100 Kunden belieferte, liegt ihr Kundenstamm inzwischen bei etwa 300 Kunden. Die beziehen teils täglich, teilweise nur ein bis zweimal pro Woche Essen über „Das Gesundheitsteam- Menüservice“. Viele der Neukunden seien Menschen, die nicht einkaufen gehen wollen, um sich zu schützen, oder solche, deren Kinder sie sonst bekocht haben, und die auch diese Kontakte reduziert haben. Und dann gäbe es auch einige, die in Quarantäne seien. „Im April gab es den ersten Boom“, sagt Schulz-Scharbaum, „und die sind auch den Sommer über geblieben. Und jetzt bekomme ich täglich mehrere Anrufe von Neukunden.“

Trotz Neukunden kein höherer Gewinn

Doch diese Ausweitung des Betriebs habe auch seine Schattenseiten, so Schulz Scharbaum. „Trotz der vielen Neukunden verdiene ich nicht mehr“, sagt sie. Die Desinfektionsmittel, die Schutzkleidung und auch dass sie drei Mitarbeiter zusätzlich zu ihrer Stammbelegschaft von zwölf Mitarbeitern einstellte, das alles fresse den Zugewinn auf. Schwierig sei auch die Logistik. Ihr Anspruch, allen das Essen heiß an die Haustüre zu liefern und das zur Mittagszeit, erfordere einen hohen logistischen Aufwand. „Wir sind froh, dass wir im Moment so dastehen“, sagt die Geschäftsführerin. „Während der ersten Welle musste ich private Gelder investieren, um keinem zu kündigen. Wir kommen über die Runden, aber es ist eine wirklich schwere Zeit. Hauptsache ist aber, dass wir am Ende mit einer schwarzen Null rauskommen.“ Das zurückliegende Jahr beschreibt sie als „turbulent und voller Existenzängste und Ungewissheit.“

Psychische Belastung für Mitarbeiter

Michael Petry kann für sein Unternehmen sogar einen leichten Gewinn verzeichnen. Sein Meister-Betrieb für Garten- und Landschaftsbau hat einen Kundenzuwachs von etwa 15 Prozent zu verzeichnen. „Die Leute wollten es in diesem Jahr, in dem sie an ihr Zuhause gefesselt waren, schön haben“, erklärt sich der Unternehmer, der elf Mitarbeiter beschäftigt, die Nachfrage. „Die Leute, die ihr Geld für eine Fernreise gespart haben, haben das investiert.“ Dennoch relativiert Petry und möchte keinesfalls als „Corona-Gewinner“ gesehen werden: „Wir haben keine massiven Gewinne gemacht, sind aber ohne größere Schäden durchgekommen. Und eigentlich sind wir in diesem Jahr doch alle Verlierer. Und mir würde es nicht schlechter gehen, wenn es kein Corona gäbe.“

Außerdem habe das gut gefüllte Auftragsbuch in diesem speziellen Jahr auch massive Schattenseiten gehabt, betont der Familienvater. Dabei nennt er unter anderem einen erheblich höheren Aufwand – hygienisch und in der Kundenbetreuung – um die Arbeiten überhaupt durchführen zu können oder die psychische Belastung durch die Ungewissheit, der seine Mitarbeiter ausgesetzt sind. „Wir hatten das Glück“, sagt er auch, „dass wir im Unternehmen keine Infektionen hatten. Wenn wir für eine gewisse Zeit hätten schließen müssen, würde es jetzt sicher anders aussehen.“

Darüber hinaus befürchtet er, dass der Aufschwung des Gartenbaus bald ein Ende finden könnte: Durch Kurzarbeit bei den Zulieferern werden Güter wie zum Beispiel Schotter, Steine oder Eisenzäune langsam knapp. „Lange darf diese Ausnahmesituation nicht mehr dauern“, sagt Petry. „Sonst wird sich der Markt sicher bald selbst regulieren.“

Lebensmittel wurden knapp

Der Hofladen-Lieferservice von Vitus Schulze-Wethmar hat 2020 ebenfalls deutlich an Kunden gewonnen. „Wir sind in den letzten Monaten auf jeden Fall gefragter gewesen“, sagt er. „Wir haben immer Stammkunden gehabt, aber jetzt haben wir deutlich dazu gewonnen. Da geht es uns wie allen, die irgendwie mit Lebensmitteln zu tun haben.“ Er glaubt, dass sich die Kunden irgendwie wieder darauf besinnen, regional zu kaufen. „Landwirtschaftliche Direktvermarkter werden wieder mehr gefragt. Die Kunden haben durch die Knappheit im Frühjahr gemerkt, dass die Produkte nicht im Supermarkt wachsen.“ Schulze-Wethmar beliefert auch die Werthof-Demeter-Gärtnerei, die Abo-Kisten nach Lünen liefern. Auch dort sagt Geschäftsführerin Rita Breker-Kremer: „Wir haben für die Abo-Kisten sehr deutlich an Kunden gewonnen. Und zwar so deutlich, dass wir irgendwann die Kundenzahl begrenzen mussten. Irgendwann haben wir einfach nicht mehr genug Ware gehabt.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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