Monika Addy hat sich in die Adener Mühle verliebt: Gebäude erzählt von altem Handwerk

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Das Gebäude atmet Geschichte. Monika Addy mag das. Sie wohnt in der Adener Mühle. Hier ist noch einiges des alten Handwerks zu sehen. Ein ungewöhnlicher Ort in Niederaden.

Niederaden

, 12.04.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Jahre ist Monika Addy (63) an der Adener Mühle vorbeigefahren. Immer hat sie sich gewünscht, mal reinschauen zu können. Wie fühlt man sich an einem Ort, der mal Rittersitz und Adelshaus war, zu einem Kloster gehörte und auch als Öl-, Säge- und Kornmühle in die Geschichte einging?

Es sollte wohl so sein, dass sie 1992 die Verkaufsanzeige las und nicht lange zögerte. Den Kauf hat sie bis heute nicht bereut. „Es tut gut, hier zu leben“, sagt sie.

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Ungewöhnliche Orte: Adener Mühle

Die Adener Mühle in Niederaden blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Monika Addy hat das Gebäude 1992 gekauft. Sie genießt die besondere Atmosphäre.
30.01.2020
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Monika Addy an einem alten Telefon im Hausflur. Sie ist fasziniert von der besonderen Atmosphäre des historischen Gebäudes.© Quiring-Lategahn
Ein Blick in den Flur des Hauses: Monika Addy hat dem historischen Ambiente einen asiatischen Touch gegeben.© Quiring-Lategahn
Im oberen Stock befindet sich noch das alte Mühlenfenster.© Quiring-Lategahn
Rittersitz, Kloster, Korn-, Öl-und Wassermühle: Die Geschichte ist ereignisreich. Ein Ritter erinnert daran.© Quiring-Lategahn
In der alten Holzbalkendecke sieht man noch die runde Abdeckung eines Mühlenrohres.© Quiring-Lategahn
Ein Bild aus alter Zeit: Damals war die Adener Mühle noch in Betrieb. Unter dem Haus floss der Mühlenbach.© Addy
Die neue Seseke an der Adener Mühle© Foto Goldstein

Zu dem in U-Form gebauten Gebäude an der Niederadener Straße im Grenzbereich zwischen Niederaden und Oberaden gehören 4000 Quadratmeter Grundstück. Hier sagen sich Hase und Igel gute Nacht, kommen Wildschweine und Rehe vorbei, auch der Eisvogel lässt sich blicken. Unweit fließt die Seseke. Früher rauschte der Mühlenbach unter dem Haus durch und trieb das Mühlrad an. „Land und Dorf, das ist meins“, sagt Monika Addy. Im Garten baut sie eigenes Gemüse an.

Zehn Jahre lang renoviert

Zehn Jahre lang hat sie die Adener Mühle renoviert, die einst zum Gut Aden gehörte, das 1188 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Vieles war inzwischen runtergekommen. In den alten, eingeschlämmten Balken saß der Holzwurm. Monika Addy hat sie bearbeitet und mit Leinöl gestrichen. Fast das Dreifache des Kaufpreises hat sie in die Renovierung gesteckt.

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Heute leben drei Generationen ihrer Familie dort. In dem 260 Quadratmeter großen Haupthaus der Mühle sind Schulungsräume des DIFT, des Deutschen Instituts für Tierpsychologie und Tiernaturheilkunde. Auch die Teilnehmer der Angebote des staatlich anerkannten Bildungsträgers für Tierberufe genießen die besondere Atmosphäre.

Denn manches erinnert an die Vergangenheit, als das Korn mit einer Seilwinde zum Lagern auf den Dachboden gebracht wurde, dann durch die Kornschütte auf den Mahlstein fiel und in der heutigen Küche als Mehl in Säcke verpackt wurde. „Der Mahlstein ist leider zerstört“, bedauert Monika Addy. Die alte Eingangstür ist noch erhalten. Aus Avocadoholz sind die schweren Stühle in der Küche, die Bänke aus alten, abgeschliffenen Balkenbrettern - eigens angefertigt.

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Gewollter Stilbruch im alten Haus

Neben Seminarraum, Esszimmer und Küche befinden sich im Obergeschoss Wohn-und Schlafräume sowie Badezimmer. Bewusst hat sich Monika Addy mitunter für Stilbruch entschieden - ein Edelstahlgeländer führt nach oben, inmitten des von Balken geprägten Treppenhauses mit dem alten Mühlenfenster. Monika Addy hat asiatisches Flair in den Flur gebracht. Es strahlt für sie besondere Ruhe aus. Ein Ritter im Semiarraum hingegen erinnert stilecht an die wechselvolle Geschichte der Adener Mühle. Im 13. Jahrhundert wurde der adelige Besitz in „Niederaden“ und Oberaden“ geteilt. 1581 kam Haus Aden an das Haus Oberfelde. Das hatte mit Erbrecht zu tun. Im nächstes Kapitel geht es um Verfall und Abbruch: 1630 geht Oberfelde mit Haus Aden an das Haus Schwansbell, 1667 kommt der Abriss.

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Letzter Müller ertrank in der Seseke

200 Jahre später tritt ein Lüner Kaufmann als Retter auf. Der Teilhaber an der Westfalia kauft von Schwansbell einen Teil des Gutes Aden und der Adener Mühle. Drei Jahre dann ein Rückschlag: Hochwasser der Seseke reißt 1833 das alte Mühlengebäude weg. Später werden zwei neue Mühlengebäude gebaut, nördlich der Seseke die Kornmühle und südlich die Öl-und Sägemühle. Aus dieser Zeit stammen wesentliche Teile der heutigen Mühlengebäude. 1984 wurde die Adener Mühle stillgelegt. Der letzte Müller ertrank durch einen tragischen Unfall in der Seseke.

2019 führte der Schnadegangg an der Adener Mühle vorbei und ließ die Vergangenheit wieder lebendig werden. Für Monika Addy gehört sie zu ihrem persönlichen Wohntraum: in alten Mauern inmitten von Natur.

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