Zum Kaufhaus Müller auf der Langen Straße sind die Türen geöffnet - nicht nur zur Drogerieabteilung, sondern auch zum Spielzeug im Obergeschoss. © Günther Goldstein
Coronavirus

Müller verkauft Spielzeug trotz Lockdown: Verdruss über die Rechtslage

Lockdown in Lünen: Das Spielzeuggeschäft Blomenkemper musste schließen wie fast alle anderen Geschäfte auch. Das Kaufhaus Müller darf dagegen auf einer ganzen Etage Spielzeug verkaufen.

Der zweite harte Lockdown, der seit Mittwoch (16.12.) gilt, trifft die Einzelhändler hart an ihrer empfindlichsten Stelle – dem Weihnachtsangebot. Vor allem Spielwaren als Geschenke machen eine wichtige Einnahmequelle aus. Und die bricht nun Teil weg. – bei den meisten zumindest. Denn es gibt auch Ausnahmen: Geschäfte, in denen man nach wie vor Geschenke kaufen kann. Eines davon ist Müller auf der Langen Straße.

Streng genommen ist Müller eine Drogerie und somit ein Geschäft, das den Schwerpunkt auf Waren des täglichen Bedarfs legt. Das entspricht den Regelungen in § 11 der Corona-Schutzverordnung. Dort heißt es unter Absatz 1, Satz 3: „Zulässig bleiben der Betrieb von Apotheken, Reformhäusern, Sanitätshäusern, Babyfachmärkten und Drogerien.“

Das ist die Rechtslage im Bezug auf Müller

„Das trifft auf Müller sicherlich unstreitig zu“, bestätigt auch Benedikt Spangardt, Pressesprecher der Stadt Lünen. Und verweist zusätzlich auf § 11 Absatz 3: „Für Verkaufsstellen mit gemischtem Sortiment, das auch Waren umfasst, die dem regelmäßigen Sortiment einer der in Absatz 1 Satz 1 genannten Verkaufsstellen entsprechen, gilt: Bilden diese Waren den Schwerpunkt des Sortiments, ist der Betrieb der Verkaufsstelle insgesamt zulässig, anderenfalls ist nur der Verkauf dieser Waren zulässig.“

Mit anderen Worten: So lange der Schwerpunkt der Waren bei Müller auf der Drogerie liegt, ist es zulässig, dass auch andere Waren angeboten werden können – also Spielwaren, Schreibartikel, Videospiele und Filme. Sollte dies nicht der Fall sein und eine Beschwerde vorliegen, so Spangardt, „prüft das Ordnungsamt, ob das Hauptsortiment wirklich schwerpunktmäßig auf Waren des täglichen Bedarfs liegt“.

Auch Müller selbst beruft sich auf diese gesetzliche Regelung. „Wir handeln nach dem vorgeschriebenen Schwerpunktprinzip“, sagt Nadja Gerring, Pressesprecherin von Müller. Es gebe kein Verbot, wenn der erlaubte Sortimentsteil überwiegt, wenn also der Schwerpunkt auf diesen Produkten liege. Diese Betriebe sollen alle Sortimente vertreiben können, die sie gewöhnlich auch verkaufen. „Häuser, die dieses Schwerpunktprinzip nicht erfüllen, schließen Teilsortimente, entsprechend der behördlichen Anordnungen“, sagt Gerring.

Bei Spielwaren Blomenkemper bleibt der Verdruss

Somit ist die Rechtslage eindeutig – doch das ändert nichts am Verdruss des Einzelhandels. „Es sind Entscheidungen, die sind schwer hinzunehmen“, sagt Ralf Blomenkemper, Besitzer des Spielwarenhandels Blomenkemper. „Aber was soll man sagen – man kann sich nur über Sachen aufregen, die man auch ändern kann.“

Seinen Handel erhält er aufrecht durch Beratung am Telefon oder auch über Whatsapp, über Kontakt bei Facebook und eine Online-Plattform, über die die Kunden die Spielzeuge auswählen können, um sie dann abzuholen. Das Angebot wird bisher gut von den Kunden genutzt. „So können wir uns über Wasser halten“, sagt Blomenkemper. Die Lage ist trotz allem angespannt. „Die Förderung aus dem ersten Lockdown haben wir erhalten. Aber wie will die Regierung diesmal den Verlust aus dem Weihnachtsgeschäft auffangen?“

Blomenkemper macht sich Hoffnung auf Lockerungen, sodass die Geschäfte früher wieder öffnen dürften. Der Einzelhändler blickt dabei auf den 27.12. – den Start der Corona-Impfungen in Deutschland. Und so lange heißt es: Abwarten und die Krise überstehen. „Es gibt nur noch wenige Spielwarengeschäfte. Und die kämpfen alle“, sagt Blomenkemper. „Uns legt man lahm, die anderen großen Geschäfte und der Onlinehandel profitieren davon.“

Und auch Karin Faust, Mitarbeiterin bei Spielwaren Blomenkemper, ist verständnislos. „Was ist denn zu Weihnachten relevanter als Spielzeug? Wer meint, dass Spielzeug nicht relevant ist, sollte mal drei Stunden mit Kindern in einem leeren Raum sein.“

Über die Autorin
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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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