Münsterstraße: Fußgängerzone wird (auch) zur Fahrradstraße

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Viele Fußgänger haben sich beschwert, dass Radfahrer auf der südlichen Münsterstraße rücksichtslos unterwegs seien. Die Politik hat nun reagiert - allerdings anders als vielleicht erwartet.

Lünen

, 16.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab dem Tobiaspark wird die Münsterstraße in Richtung Lippebrücke zur Fußgängerzone. Da hier allerdings auch der Leezenpatt in die Innenstadt führt, ist es nach Meinung mancher Fußgänger ein gefährliches Pflaster - denn die wenigsten Radfahrer halten sich hier an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit.

Die Sorge vor einem Unfall war bei Bernd V. Köster sogar derart groß, dass er Politik und Verwaltung aufforderte, die südliche Münsterstraße gänzlich für den Radverkehr zu sperren. Die Verwaltung griff das Thema im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung auf - allerdings in anderer Form, als das Köster oder seine „Leidensgenossen“ erwartet haben dürfte.

„Der Schwächere wird nun auch rechtlich benachteiligt“

Die Münsterstraße soll nämlich im Bereich der Fußgängerzone zur Fahrradstraße werden. Das bedeutet, dass es Radfahrern hier künftig auch erlaubt ist, schneller als Schrittgeschwindigkeit zu fahren - was mit einem E-Bike beispielsweise ziemlich schnell sein kann. Womit sich die Fußgänger noch unsicherer fühlen dürften als vorher.

Oder, wie Rüdiger Billeb (SPD) es in der Ausschusssitzung formulierte: „Hat die Verwaltung bedacht, dass damit der gegenüber dem Radfahrer schwächere Fußgänger nun auch rechtlich benachteiligt wird?“ Hat sie, wie der Technische Beigeordnete Arnold Reeker versicherte. „Unsere Aufgabe wird es sein, das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme noch bekannter zu machen.“

Schleichverkehr soll verschwinden

Denn die Fahrradstraße an dieser Stelle ist Teil eines größeren Plans, der auch den angrenzenden Teil der Cappenberger Straße und die Graf-Adolf-Straße einschließt: „Auch diese Straßen sollen Fahrradstraßen werden“, lautet die Idee der Verwaltung. Vor allem die Graf-Adolf-Straße könnte davon profitieren: „Wir erhoffen uns dadurch eine Verringerung des Schleichverkehrs“, so Reeker.

Derzeit würden viele Autofahrer die Straße nutzen, um möglichst nah an die Innenstadt heranzufahren. „Wenn daraus eine Fahrradstraße wird, bleiben Autos hier zwar zugelassen. Aber sie müssten sich den Radfahrern unterordnen.“

So wäre es beispielsweise erlaubt, dass Radfahrer hier nebeneinander unterwegs sind. „Wenn ein Auto überholen kann, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden, wäre das in Ordnung. Ansonsten müsste es hinter den Radfahrern herfahren, bis es wieder Platz hat.“

Optische Grenzen für Fußgänger und Radfahrer

Das würde die „Schleichroute“ für viele Autofahrer unattraktiv gegenüber dem - allerdings ebenfalls durch starken Verkehr belasteten - Weg über B54 und B236 machen. Hier soll der Rat demnächst über eine Verbesserung der Ampelschaltung an sechs Kreuzungen entscheiden, um den Verkehr besser fließen zu lassen.

Für die Fußgänger auf der südlichen Münsterstraße - wo natürlich weiterhin keine Autos fahren dürfen - ist all das wohl nur ein schwacher Trost. Allerdings betonte Reeker, dass man diesen Teil der Straße optisch umgestalten wolle - so dass Fußgänger und Radfahrer klar getrennt wären. „Hier könnten wir uns zum Beispiel auch Leuchtsteine vorstellen.“

Münsterstraße: Fußgängerzone wird (auch) zur Fahrradstraße

Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern sind auf der Lippebrücke an der Tagesordnung. Bis zu Sanierung wird sich hier allerdings nichts ändern. © Fröhling

Generell soll am Leezenpatt durch die Innenstadt nachgebessert werden - unter anderem sind einige Piktogramme kaum noch zu erkennen. Dafür gehen allerdings fast die kompletten 50.000 Euro drauf, die der Rat für die Auffrischung von Radwegmarkierungen in der Stadt bereitgestellt hatte. Folge: Andere Radwege im Stadtnetz müssen noch bis zum kommenden Jahr warten.

Die Lippebrücke ist übrigens nicht Teil der Planungen. Sie muss demnächst ebenfalls saniert werden, weshalb es die Verwaltung für unsinnig hält, die Fahrspuren für Radfahrer nun zu ändern.

Kommentar von Daniel Claeßen

Falsches Benehmen wird belohnt

Münsterstraße: Fußgängerzone wird (auch) zur Fahrradstraße

Daniel Claeßen © Felgenträger

Die Förderung von Radfahrern ist ja eine gute Sache - und im Fall der Konrad-Adenauer-Straße, wo Parkplätze einem Radweg weichen sollen, haben Politik und Verwaltung richtig entschieden. Ob sie sich mit einer Fahrradstraße jenseits der Lippebrücke allerdings so einen großen Gefallen getan haben? Schon jetzt gibt es Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern, weil sich beide nicht an Regeln halten - die Fußgänger laufen über den Leezenpatt, die Radfahren sind deutlich schneller als erlaubt unterwegs. Für eine Seite musste man sich hier entscheiden - überraschenderweise hat sich die Verwaltung auf die Seite des Stärkeren geschlagen. Das ist, bei allem Verständnis für Radfahrer, nur schwer nachzuvollziehen. Fußgängerzone ist Fußgängerzone, und daran haben sich auch Radler zu halten. Ihnen jetzt die Vorfahrt einzuräumen, legitimiert im Nachhinein jedes Fehlverhalten der Zweiräder in diesem Bereich - und sendet ein fatales Signal: Benehmt euch ruhig daneben, am Ende zahlt es sich aus. Bleibt zu hoffen, dass sich die „gegenseitige Rücksichtnahme“ durchsetzt. Optimistisch bin ich da nicht.
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