Mutter ermordeter Kinder ist wohl schuldunfähig

Psychiatrisches Gutachten

Über einen Monat nach dem Doppelmord an zwei Kindern in einer Wohnung am Hirtenweg in Lünen-Gahmen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die 28-jährige Mutter zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Sie hatte nach der Tat eingeräumt, ihre beiden ein und vier Jahre alten Kinder erstochen zu haben.

LÜNEN

, 12.12.2016, 14:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Menschen aus der Nachbarschaft drücken an dem Haus der Familie ihr Mitgefühl aus und stellen Kerzen sowie Kuscheltiere auf.

Menschen aus der Nachbarschaft drücken an dem Haus der Familie ihr Mitgefühl aus und stellen Kerzen sowie Kuscheltiere auf.

Dass die Frau wahrscheinlich schuldunfähig war, habe ein psychiatrisches Kurzgutachten ergeben, dessen Ergebnisse jetzt vorlägen, erklärte Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel am Montag auf Anfrage. Die Frau hatte zugegeben, am Abend des 2. November ihre beiden Kinder in ihren Betten mit einem Küchenmesser erstochen zu haben.

Das dritte Kind der Familie, einen Säugling, griff die 28-Jährige nicht an – es blieb unverletzt. Die Frau verletzte sich danach mit einem Küchenmesser selbst schwer, für die Untersuchungshaft wurde sie deshalb erst in ein Justizvollzugs-Krankenhaus eingeliefert.

Körperlich ist der Frau jetzt wieder gesund, erklärte Schulte-Göbel. Weil jedoch gut möglich ist, dass die Frau weiter psychisch krank ist, ist sie jetzt nicht in normaler Untersuchungshaft, sondern in der sogenannten „Unterbringung“ in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses. Dort wird die Frau, im Gegensatz zur normalen Untersuchungshaft, schon psychiatrisch behandelt. Welche Beeinträchtigungen zur Schuldunfähigkeit geführt haben, wollte Schulte-Göbel nicht sagen.

Die Staatsanwaltschaft wartet momentan noch auf weitere Untersuchungen und das ausführliche psychiatrische Gutachten. Bestätigt sich darin der Verdacht auf Schuldunfähigkeit, wird Schulte-Göbel nach jetzigem Stand Antrag auf ein Sicherungsverfahren stellen. Das findet dann anstelle eines Strafverfahrens statt und kann statt Freiheitsstrafe in der JVA in der dauerhaften Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik resultieren. Auch dieses Verfahren wird dann vor einem Schwurgericht verhandelt. 

 

Anwohner haben Kerzen und Kuscheltiere vor der Haustür in Lünen abgelegt. Zwei Kinder sind hier gestern Nacht gestorben.

Ein von Ruhr Nachrichten (@rnlive) gepostetes Video am 3. Nov 2016 um 2:44 Uhr

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