Nach Großbrand: Mieter halfen bei Räumung - Einsatz-Video zeigt erschöpfte Einsatzkräfte

mlzDachstuhlbrand Luisenhüttenstraße

Bis zu 90 Feuerwehrleute kämpften gegen das Feuer in der Luisenhüttenstraße. 81 Menschen sind nun ohne Zuhause. Es gibt aber Hoffnung, dass die ersten am Samstag zurück können.

Lünen

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war 20.17 Uhr, als die Feuerwehr Richtung Luisenhüttenstraße am Donnerstagabend aufbrach. Vor Ort war schnell klar: Es wird ein größerer Einsatz. Die Bedingungen: extrem bei der Hitze. Als die Feuerwehr eintraf, stand der Dachstuhl der Häuser Luisenhüttenstraße 20 und 22 in Flammen. Zu Spitzenzeiten sind 90 Feuerwehrleute im Einsatz, 5 Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr.

WBG bringt Bewohner kurzfristig im Ringhotel unter

Am späten Abend kommt die Nachricht: Die 81 Menschen, die in Haus Nummer 20 wohnen, können nicht zurück, das Haus wird abgesperrt. Es geht um 25 Wohnungen. Die Eigentümerin, die Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG), bringt 41 Bewohner kurzfristig im Ringhotel unter, die andere Hälfte kommt bei Verwandten unter. Die Bewohner der Nachbarhäuser können in der Nacht zurück in ihre Wohnungen. Der Einsatz ist für die Feuerwehr um 1 Uhr beendet. Drei Menschen werden leicht verletzt, fünf werden vor Ort ambulant betreut.

Nach Großbrand: Mieter halfen bei Räumung - Einsatz-Video zeigt erschöpfte Einsatzkräfte

Das Haus Nummer 20 ist verriegelt. © Britta Linnhoff

Ortstermin mit Sachverständigen am Freitagmittag

Am Freitagmittag dann Ortstermin: Die WBG als Eigentümerin der Häuser und Brandsachverständige kommen zusammen. Ergebnis: Es gibt Hoffnung für einen Teil der Bewohner, am Samstag (27. Juli) wieder in ihre Wohnungen zu kommen. So teilt es Peter Witt von der WBG auf Anfrage mit. „Samstagmorgen um 7 Uhr kommt der Elektriker“, sagt er.

Wenn es gut laufe, dann könnten die Mieter der rechten Haushalte wieder rein. Bei der linken Gebäudehälfte müsse man schauen, wie groß der Wasserschaden sei. Die betroffenen Hausbewohner verbringen mindestens eine weitere Nacht im Hotel oder bei Verwandten.

Die Brandursache ist auch nach zwei Stunden Ortstermin am Freitagmittag völlig unklar. Vorläufig seien weder Brandstiftung noch ein technischer Defekt oder die Hitze ausgeschlossen, sagt Witt. Ein Spürhund suchte nach Resten von Brandbeschleunigern.

Am Morgen danach treffen sich Bewohner und Nachbarn auf der Straße

Am Freitagmorgen ist in der Luisenhüttenstraße wieder alles so ruhig wie gewöhnlich: Läge nicht der Brandgeruch in der Luft, würde das nächtliche Drama auf den ersten Blick nicht sofort auffallen: An den Fassaden ist nicht viel zu sehen, das Feuer hat oben in den Dachstühlen gewütet. Vor dem Haus treffen die ersten Bewohner von Nummer 20 ein. Rein können sie nicht.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Der Kampf der Lüner Feuerwehr gegen die Flammen an der Luisenhüttenstraße

Es war ein großer, aber sicher nicht der größte Einsatz für die Feuerwehr in den letzten Jahren. Aber es war dennoch einer der schwierigsten: Bei Temperaturen etwas unter 40 Grad rückte die Feuerwehr am Donnerstagabend zum Dachstuhlbrand an der Luisenhüttenstraße aus.
26.07.2019
/
Lichtloh brennt der Dachstuhl© Widawski
Die Feuerwehr bei der Arbeit. © Sreenshot /VN24.NRW
Erschöpfte Feuerwehrleute: Anwohner spendeten etwas zu trinken. © Sreenshot /VN24.NRW
Es war ein großer Einsatz: Bis zu 90 Feuerwehrleute waren gleichzeitig im Einsatz© Sreenshot /VN24.NRW
Es war ein großer Einsatz für die Feuerwehr. Bis zu 90 Einsatzkräfte waren vor Ort.© Sreenshot /VN24.NRW
Großeinsatz für die Feuerwehr. © Sreenshot /VN24.NRW
Großeinsatz für die Feuerwehr. © Sreenshot /VN24.NRW
Die Feuerwehr bei der Arbeit. © Sreenshot /VN24.NRW
Großeinsatz für die Feuerwehr. © Sreenshot /VN24.NRW
Großeinsatz für die Feuerwehr. © Sreenshot /VN24.NRW
Großeinsatz für die Feuerwehr. © Sreenshot /VN24.NRW
Die Dachstühle sind komplett abgebrannt. © Günther Goldstein

Auch Waldemar Kreimer und Jacek Parzych sind da. Sie haben mitgeholfen, die Menschen aus ihren Wohnungen zu holen. „Es sind meist ältere Bewohner hier“, sagen die Mittsechziger, „wir sind mit die Jüngsten“. Die beiden Männer klopften an Türen, halfen den Bewohnern hinaus. Gesehen habe er von dem Feuer zunächst gar nichts, sagt Jarcyk. Die meisten Bewohner hätten wie er wegen der Hitze die Rollläden runter gehabt. „Aber irgendwann hat jemand ,Feuer‘ geschrien“, erinnert er sich.


Manche brauchen die Hilfe dringend

Die Hilfe der Männer tut not, denn manche Bewohner brauchen sie dringend: „Eine Dame sitzt im Rollstuhl, eine andere benötigt ständig ein Beatmungsgerät“, erzählen sie. Aber sie müssen gar nicht allein helfen: Auch viele nicht betroffene Nachbarn hätten geholfen und die gegenüberliegende Seniorenwohnanlage habe „sofort alle Türen aufgeschlossen, auch, damit die vom Feuer betroffenen Menschen einfach mal zur Toilette gehen können.“ Als die Feuerwehr eintrifft, sind alle Bewohner bereits draußen; auch die Nachbarn aus Nummer 18 und 22. Feuerwehr, Bewohner und Anlieger loben sich nach dem Einsatz gegenseitig: Viele Nachbarn versorgen die Feuerwehrleute mit Getränken und einer ganzen Kühltruhe Eis, die Anlieger der Straße zollen der schwierigen Arbeit der Feuerleute Respekt. „Die sind sogar extra nochmal rein, um nötige Medikamente für die Bewohner zu holen“, erinnert sich Johann Widawski. Die Stadt wiederum lobt das „umsichtige Verhalten“ der Bewohner.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt