Nach Knöllchen-Ärger: Zahl der Privatanzeigen steigt an, kein „Denunziantentum“ gewünscht

mlzViele Lüner wütend

250 bis 300 Privatanzeigen gegen Falschparker hat Michael Kotissek 2019 bisher geschrieben. Schätzt er zumindest. Das ist mindestens die Hälfte der Gesamtzahl. Und die steigt seit Jahren.

Lünen

, 06.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Unmut vieler Menschen in Horstmar hat sich Michael Kotissek zugezogen. Bemerkt er Falschparker, macht er mit seinem Handy ein Foto und schreibt eine Privatanzeige. Vor allem in den Sozialen Netzwerken äußern die Menschen ihren Unmut darüber, werden teilweise beleidigend und drohen.

Kotissek kann das nicht verstehen: „Schade, dass nur die Überschrift gelesen wird“, sagt er, er wolle lediglich für Ordnung sorgen. Sein Vorgehen habe er im Übrigen mit Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes abgesprochen.

„Der schießt auf die Falschen“

Auch Evelyn Berger, die nach Kotissek-Anzeige ein Knöllchen zahlen musste, ärgerte sich. Eine Freundin hatte sie vor der Barbara-Apotheke schnell aussteigen lassen. Die hielt auf dem Privatparkplatz - und erhielt trotzdem ein Knöllchen. Berger leidet an einer Krebserkrankung, ist schlecht zu Fuß: „Der schießt auf die Falschen und stellt Kranken vor der Apotheke ein Bein“, sagt sie. Kotissek widerspricht: Das Fahrzeug habe eben nicht längs zur Fahrbahn auf dem Privatparkplatz gestanden, sondern schräg auch über den Bürgersteig.

Das Geld ist Berger egal, ist längst überwiesen: „Spende an die Stadt“, habe sie in den Betreff geschrieben, erinnert sie sich.

Zahl der Privatanzeigen steigt

Kotissek ist in Lünen nicht der einzige, der Privatanzeigen schreibt, auch wenn er wohl mindestens für deren Hälfte verantwortlich ist. Laut Stadt gingen 2019 506 Anzeigen ein, Kotissek schätzt, dass er 250 bis 300 davon gestellt hat. „Es gibt eine geringe Zahl von Bürgerinnen und Bürgern, die regelmäßig Privatanzeigen stellen“, sagt dazu Stadt-Pressesprecher Benedikt Spangardt.

Insgesamt steigt die Zahl, 2018 waren es noch 454 Anzeigen, 2017 waren es noch 250. Das ist nicht unbedingt verwunderlich, schließlich hatte unter anderem der Bürgermeister dafür regelmäßig die Werbetrommel gerührt. Tenor: Die Stadt kann nicht überall sein und ist auf Hilfe der Bürger angewiesen.

Stadt: Hilfreich, wenn Bürger auf solches Verhalten hinweisen

Es geht der Stadt laut Spangardt aber nicht darum, „das Denunziantentum zu fördern“. Kontrollen und Bußgelder seien kein Selbstzweck und sie dienten auch nicht etwa dazu, das Stadtsäckel zu füllen „Es ist vielmehr so: Die Bürgerinnen und Bürger erwarten untereinander Rücksichtnahme und die Achtung von Regeln. Manchen Menschen muss in diesem Zusammenhang deutlich gemacht werden, dass ihr Verhalten das Zusammenleben stört – und das zu tun ist auch Aufgabe der Stadtverwaltung. Dabei ist es durchaus hilfreich, wenn Bürgerinnen und Bürger uns auf solches Verhalten hinweisen.“

Genau könne die Verwaltung die Einnahmen durch Privatanzeigen nicht ermitteln, geschätzt hat die Stadt dadurch 2019 rund 8400 Euro eingenommen.

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