Neu-Inszenierung beanspruchte Vorstellungskraft

"Berlin Alexanderplatz"

LÜNEN Manfred H. Greve hat Döblins Roman für die Bühne eingerichtet und versucht, dem Zeitgeist der taumelnden Weimarer Republik Analogien zur Gegenwart zu entlocken. Seine entschlossene Inszenierung forderte dabei mit den wenigen Requisiten massiv die Phantasie des Publikums im Hilpert-Theater.

von Von Rudolph Lauer

, 12.10.2009, 15:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Szene aus Greves Inszenierung von "Berlin Alexanderplatz".

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Düstere Geschichte um das Leben in der Großstadt

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Sein Schicksal ist es, nach der Zuchthaus-Entlassung und auf der Flucht vor der eigenen Vergangenheit immer wieder auf Menschen zu treffen, die ihn kräftig ausnehmen. Das Hineinziehen in Verbrechen, der Verlust eines Armes, sowie ein falscher Freund, der ihm die Geliebte tötet, sind die entscheidenden Stationen seines stets in Abhängigkeiten verlaufenden Weges, der zunächst in der Irrenanstalt endet.Bühnenbild ausschließlich aus Mauerwänden

Manfred H. Greve hat den Roman für die Bühne eingerichtet. Horst Strasser hat dazu ein Bühnenbild geschaffen, das ausschließlich aus Mauerwänden besteht. Im ersten Teil steht die Mauer zunächst als Grenze zwischen Biberkopfs Gefangenschaft und Freiheit. Doch für die folgenden vielen Ortswechsel, die schnell auftretenden Personen und die Vielstimmigkeit der eingespielten Gesänge und Kommentare, hätte allerdings eine gewisse Flexibilität im Bühnenbild gut getan, denn Greves entschlossene Inszenierung beansprucht massiv die Vorstellungskraft des Publikums. Die legt sich erst, wenn im zweiten, stärkeren Teil des Stückes die erwartete Steigerung durch hervorragendes und auch vom Publikum honoriertes Schauspiel erreicht wird. Ursachen im System der Gesellschaft

Nele Hollinderbäumer als liebende Mieze, Rainer Etzenberg als gefühlloser Killer Reinhold sowie der gegen Ende grandios aufspielende Peter Rauch als Biberkopf, verdeutlichen in ihren Rollen anschaulich, dass Abhängigkeiten und Kriminalität ihre Ursachen im System einer Gesellschaft haben, die ihre Bürger der eigenen Verantwortung überlässt. Hier wiederum ist Strassers bedrohliche Mauerwand stimmig.

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