Neue Radwege und Fahrradstraßen für Lünen: Verwaltung verteidigt ihren Kurs

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Fahrradstraße und Radwege: Die Stadt Lünen legt sich für Radfahrer mächtig ins Zeug. Der Technische Beigeordnete Arnold Reeker verteidigt diesen Kurs - in einem Punkt lenkt er aber ein.

Lünen

, 27.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im vergangenen Ausschuss für Sicherheit und Ordnung kamen die Radfahrer gut weg: Zum einen verkündete die Verwaltung, dass aus der südlichen Münsterstraße, der Cappenberger Straße und der Graf-Adolf-Straße Fahrradstraßen werden sollen.

Zum anderen entschied das Gremium mehrheitlich, die Parkplätze an der Konrad-Adenauer-Straße zugunsten eines neuen Radweges aufzugeben. Beide Punkte sorgten anschließend für viel Diskussionsstoff. Im Gespräch mit der Redaktion hat Lünens Technischer Beigeordneter Arnold Reeker nun die Strategie erläutert.

Cappenberger Straße / Südliche Münsterstraße

Von der Cappenberger Straße in Richtung Innenstadt ist die Straße bis zur Einmündung Engelstraße in einen asphaltierten und einen gepflasterten Abschnitt geteilt. Auch wenn die Fußgängerzone bereits ab der Einmündung Münsterstraße beginnt, ist dieser obere Abschnitt unstrittig: Durch die bauliche Trennung kommen sich Fußgänger und Radfahrer nichts ins Gehege, auch der Busverkehr stellt kein Problem dar.

Würde nun der komplette Abschnitt zur Fahrradstraße, dann wäre der Teil auch keine Fußgängerzone mehr. „In Fahrradstraßen gilt Tempo 30. Das wäre natürlich zu schnell“, weiß auch Arnold Reeker. Fakt ist aber auch: Kein Radfahrer hält sich aktuell an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit. „Wir wissen, dass wir da etwas tun müssen.“

Neue Radwege und Fahrradstraßen für Lünen: Verwaltung verteidigt ihren Kurs

Auf der südlichen Münsterstraße begegnen sich Fußgänger und Radfahrer. Hier sucht die Stadt noch nach der passenden Lösung. © Fröhling

Nun wäre eine Fahrradstraße aufgrund der angesprochenen baulichen Trennung im oberen Bereich unproblematisch. Ab dem Tobiaspark jedoch teilen sich Fußgänger und Radfahrer die gepflasterte Fußgängerzone - die dann keine mehr wäre. „Hier denken wir ebenfalls über eine optische Trennung nach, allerdings nicht in der Form wie im oberen Bereich“, so Reeker.

Da die Straße 2017 erst neu gestaltet wurde, will man die Oberfläche erhalten. „Wir könnten uns vorstellen, durch in die Fugen geschlagenen Markierungen den Leezenpatt deutlich von den Fußgängerbereichen zu trennen.“

Wenn dann auch die Baustelle neben dem Tobiaspark fertig ist, geht der Technische Beigeordnete davon aus, dass sich Fußgänger und Radfahrer nicht mehr so häufig in die Quere kommen. „Und vorher werden wir uns da auch gar nicht heranwagen.“

Problematisch ist für die Verwaltung die Tempo-30-Sache hingegen schon. „Deshalb müssen wir an der Stelle noch mal in uns gehen und schauen, welche Lösung hier gut ist“, so Reeker.

Graf-Adolf-Straße

Die Straße wird gerne von Autofahrern als „Schleichweg“ genutzt, um die gern mal überfüllten Ringstraßen zu umgehen. Würde daraus, wie von der Verwaltung geplant, eine Fahrradstraße, hätten Radler hier Vorrang. „Autos sind in Fahrradstraßen verboten, es sei denn, ein Schild erlaubt eine Ausnahme“, so Reeker.

Neue Radwege und Fahrradstraßen für Lünen: Verwaltung verteidigt ihren Kurs

Die Graf-Adolf-Straße mit der Salford-Brücke soll zur Fahrradstraße werden. © Neubauer (A)

Während in der Münsterstraße Autos verboten bleiben, sollen an der Cappenberger Straße und an der Graf-Adolf-Straße Schilder die Durchfahrt erlauben. „Damit treffen wir die, die ohnehin dort nicht langfahren sollen“, ist der Technische Beigeordnete überzeugt, dass die Maßnahme hier den gewünschten Effekt haben wird.

Konrad-Adenauer-Straße

Hier befinden sich einige der letzten kostenlosen Parkplätze in Innenstadtnähe. „Natürlich ist das für einige hart, wenn die wegfallen“, so Reeker. Allerdings sei der schmale Radweg an dieser Stelle unzureichend. „Und wenn wir hier eine Hauptverkehrsstraße neu gestalten, dann statten wir sie auch mit ausreichenden Maßnahmen aus.“

Der Radweg auf dem Asphalt soll die Nutzung der Straße für Radler attraktiver machen. „Die Nachfrage ist definitiv da“, sagt Reeker. „Man muss den Leuten nur die Möglichkeit geben, das Angebot auch vernünftig zu nutzen.“

Er habe Verständnis für die Leute, die sich ärgern, dass kostenlose Parkplätze wegfallen. „Aber dieses Problem haben alle anderen, die in Lünen arbeiten und mit dem Auto kommen, schließlich auch.“ Und wenn die Entscheidung dazu beitragen kann, dass mehr Lüner aufs Fahrrad umsteigen, wäre das in Reekers Augen bereits ein Erfolg.

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„Es ist absurd zu glauben, dass eine Umstellung auf Klimafreundlichkeit für alle nur ein großer Spaß wird“, so Reeker. „Natürlich wird es an einigen Stellen weh tun. Aber wir nehmen die Sache ernst.“

Ziel: 25 Prozent Radfahrer

Derzeit machen Radfahrer etwa 15 Prozent des gesamten Stadtverkehrs in Lünen aus - wobei die Einpendler, also Arbeitnehmer, die nicht in Lünen wohnen, hier aber täglich zur Arbeit gehen, nicht einberechnet sind. Das Ziel der Verwaltung: „Wir wollen diese Zahl auf 25 Prozent steigern.“

Dieses Ziel hält Arnold Reeker für absolut realistisch, „wenn wir es denn auch konsequent verfolgen“. Es gäbe täglich Beschwerden, dass Lünen für den Autoverkehr eine Zumutung sei. „Vielleicht muss sich jeder Autofahrer aber auch mal fragen, ob er selbst nicht Teil des Problems ist.“

Lünen will deshalb Anreize schaffen, um auf das Rad umzusteigen. Neben neuen Radwegen bedeutet dass auch eine Aufwertung des Leezenpatts, der sich von Norden nach Süden durch das Stadtgebiet zieht. „Hier soll es neue Markierungen und Piktogramme geben“, hatte die Verwaltung schon im Ausschuss angekündigt. Dafür geht allerdings das komplette 50.000-Euro-Budget des Jahres 2019 drauf - folglich werden alle anderen Maßnahmen ins Jahr 2020 geschoben.

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