Die Gaststätten in Lünen, wie hier das Brauhaus Drei Linden, wollen die Corona-Pandemie überstehen und tun vieles dafür, trotz der Krise zu überleben. © Goldstein
Corona-Verordnung

Neue Regeln in den Restaurants in Lünen: „Es ist völliger Humbug“

Seit dem 1. Oktober gelten in der Gastronomie neue Corona-Regeln. Die Restaurants in Lünen sind mit dem ersten Wochenende zufrieden. Es gibt aber auch viel Kritik an den neuen Regeln.

Das erste Wochenende mit der neuen NRW-Coronaschutzverordnung ist vorüber. Die Gastronomie ist von den Lockerungen besonders betroffen. So fallen unter anderem die Mindestabstände in Innenbereichen weg. Dennoch gibt es für die Gastronomen in Lünen einen Grund für Kritik.

Seit dem 1. Oktober müssen in gastronomischen Innenbereichen keine Mindestabstände zwischen den Tischen eingehalten werden oder die Tische mit Scheiben voneinander abgetrennt sein. Das freut Gastronomen wie Manuel Kraas. „Wir sind zufrieden mit dem Wochenende. Wir haben jetzt mehr Kapazitäten“, berichtet der Gesellschafter des Westermanns. Sieben Tische, die vorher zur Einhaltung der Mindestabstände leer blieben, wurden am Wochenende bereits wieder besetzt.

Dennoch stünden die Tische immer noch etwa 1,5 Meter auseinander. Bei den Gästen habe es laut Kraas wegen der neuen Regelung deshalb keine Bedenken gegeben. „Das war auch nicht anders zu erwarten“, sagt der Gastronom. 98 Prozent seiner Gäste seien geimpft, nur vereinzelt kämen Getestete in das Restaurant an der Wethmarheide.

Auf bauliche Abtrennungen, um mehr Tische nutzen zu können, habe das Westermanns bewusst verzichtet, erklärt Kraas. „Bei uns geht es auch um das Gesamterlebnis und nicht nur die reine ‚Nahrungsaufnahme‘.“ Da habe man den Gästen auch einen entsprechenden Platz bieten wollen.

Die bis zuletzt geltenden Mindestabstände hatten für Manuel Kraas aber vor allem einen Nachteil: „Wir konnten keine Tische schieben.“ Das sei nun wieder möglich, um flexibel auf unterschiedliche Gruppengrößen reagieren zu können.

Maskenpflicht in der Kritik

Aktuell gilt im Westermanns – wie in den meisten Lüner Betrieben – die 3G-Regel (Geimpft, Genesen, Getestet). Manuel Kraas könnte sich vorstellen, einen Schritt weiter zu gehen: „Wir wären bereit die 2G-Regel einzuführen, wenn dafür die Maskenpflicht fällt.“ Dann dürften nur noch Geimpfte und Genesene das Haus betreten.

Die Maskenpflicht sieht Kraas im gastronomischen Bereich in ihrer jetzigen Form ohnehin kritisch: „Am Tisch darf man 80 Zentimeter neben seinem Nachbarn sitzen und wenn man zusammen aufsteht, muss die Maske getragen werden.“

Ähnlich sieht es auch Bob Michaels vom Landgasthof Greif: „Es ist völliger Humbug. Ich kann die Regelungen nicht mehr nachvollziehen.“ Zwar freut auch er sich, dass er wieder mehr Tische besetzen kann, aber: „Ich möchte gern Herrn Laumann fragen, welchen Sinn die Masken jetzt noch haben. Aerosole verbreiten sich ja auch im Sitzen.“

Bob Michaels, Chef der Szene-Kneipe „Das Greif“, hofft, dass mögliche 2G-Regelungen nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen.
Bob Michaels, Chef der Szene-Kneipe „Das Greif“, hofft, dass mögliche 2G-Regelungen nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. © Fröhling © Fröhling

Trotz der Unverständnis werde im Greif aber weiterhin auf die Einhaltung der Regeln geachtet: „Die einen halten sich daran, die anderen muss man daran erinnern. Ich wollte nie den Sheriff spielen und will das auch immer noch nicht.“ Dennoch muss Michaels gelegentlich Gäste wieder nach Hause schicken, die die geforderten 3G-Nachweise nicht erbringen können oder wollen.

Keine Planungssicherheit

Bob Michaels kritisiert zudem, dass die neue Corona-Verordnung nur vier Wochen gültig ist. „Wir können überhaupt nicht langfristig planen. Bei Veranstaltungen brauchen wir aber Planungssicherheit.“ Für Veranstaltungen im November wisse Michaels noch gar nicht, welche Regelungen überhaupt gelten werden.

Bei Tanzveranstaltungen wird aktuell ein PCR-Test oder ein höchstens sechs Stunden zurückliegender Antigen-Schnelltest gefordert. Ob das auch im November noch so sein wird, kann Michaels seinen Gästen nicht zusagen.

Wegen der unsicheren Zukunft entschied sich Frank Teschler vom Brauhaus Drei Linden, die Trennwände zwischen den Tischen vorerst nicht abzubauen – auch, wenn er sein Restaurant auch ohne sie wieder voll auslasten könnte. „Wir lassen alles so wie es vorher auch war. Für die drei Wochen stelle ich nicht alles weg“, so der Gastronom.

Frank Teschler glaubt an erneute Einschränkungen der Gastronomie im Winter. © Beimdiecke © Beimdiecke

Zwar seien die Gäste seines Restaurants weiterhin sehr rücksichtsvoll, würden am Eingang auf Platzzuweisung warten und sich hygienekonform nicht mit Handschlag begrüßen. „Das ist ja schon eine kleine Gewohnheit geworden.“ Allerdings ist die Pandemie in seinen Augen noch lange nicht vorbei: „Das Virus kommt im November wieder wie das Amen in der Kirche.“

Gastronomie in Gefahr?

Weil Frank Teschler dann mit erneuten Einschränkungen in der Gastronomie rechnet, bleiben die Trennwände vorerst stehen. Für diesen Monat hofft Teschler aber erst noch auf einen „goldenen Oktober“, der angenehme Temperaturen bringen soll. Der Biergarten des Brauhauses bleibt deshalb noch bis Ende des Monats geöffnet. Im Freien wird in der neuen Coronaschutzverordnung eine Maske unter 1,5 Metern Abstand lediglich empfohlen, sodass im Biergarten weder die Einhaltung von Abständen noch das Tragen einer Maske vorgeschrieben ist.

Sollte es im Winter sogar zu einer erneuten Schließung der Kneipen und Restaurants kommen müssen, prophezeit Westermanns-Chef Manuel Kraas das endgültige Aus in der Branche: „Wird die Gastronomie noch einmal geschlossen, wird es keine Gastronomie mehr geben.“ Die jetzt schon schwierige Personalsituation in der Gastronomie würde durch eine weitere Schließung dafür sorgen, dass die Betriebe kaum noch Mitarbeitende finden würden, glaubt Kraas. „Nachwuchs zu finden, ist aktuell schon schwierig.“ Kundschaft gib es dagegen zurzeit genug: Bei allen von der Redaktion angefragten Gastronomie-Betrieben war es am ersten Oktober-Wochenende ohne Reservierung schwer, einen Tisch zu bekommen.

Über den Autor
Volontär
1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich

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