Hartmut Ganzke (rechts) übergibt symbolisch den Staffelstab an Wolfram Kuschke (links) als neuem Vorsitzenden der AWO Ruhr-Lippe-Ems; Geschäftsführer Rainer Goepfert gratuliert. © AWO Ruhr-Lippe-Ems/Stefan Kuster
AWO-Unterbezirk

Neues Amt und viele Aufgaben in der Pandemie für Wolfram Kuschke

Im politischen (Un-)Ruhestand hat der langjährige SPD-Landtagsabgeordnete und Minister a.D. Wolfram Kuschke eine neue Aufgabe angenommen. Mit 70 Jahren und vielen Plänen für seine Amtszeit.

Eigentlich war dieses Amt kein Teil seiner Lebensplanung, aber dann entschied sich Wolfram Kuschke doch dazu, neuer ehrenamtlicher Vorsitzender des Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zu werden. Zweieinhalb Jahre wird der 70-jährige Lüner den Vorsitz übernehmen, bis zum Ende der Legislaturperiode.

Sein Vorgänger Hartmut Ganzke (55) hatte nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Kreistag Unna im Herbst seinen Rücktritt als AWO-Vorstand angekündigt. „Ich benötige wenig Einarbeitungszeit, denn ich war schon stellvertretender Vorsitzender und habe auch die Fusion von Unna, Hamm und Warendorf zum neuen Unterbezirk Ruhr-Lippe-Ems begleitet“, sagt er. Außerdem war der frühere NRW-Staatsminister auch einige Jahre sozial-politischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf.

Ziel ist ein jüngeres Vorstands-Team

Trotzdem, gibt er zu, habe er zwei, drei Wochen überlegt, ob er als Vorsitzender kandidieren solle. „Vom Grundsatz her, bin ich der Meinung, dass die Aufgaben von Jüngeren wahrgenommen werden sollten.“ Dieses Thema hat er sich auch vorgenommen, sieht die Zukunft des Unterbezirks in zweieinhalb Jahren mit dem Team in jüngeren Händen.

Seit mindestens 45 Jahren ist Kuschke Mitglied der AWO. Wie wichtig die Arbeit an der Basis ist, erlebte er – vor Corona – hautnah mit. Denn seine Frau Vera Kestermann-Kuschke ist in der AWO-Begegnungsstätte „Zur gemütlichen Schranke“ neben dem Lüner Hauptbahnhof engagiert. „Für viele Senioren waren die Veranstaltungen und Treffen dort der einzige Punkt in der Woche, an dem sie mit anderen Menschen in Kontakt kamen. Das ist jetzt weg gefallen.“

Ausbildung für Pflegekräfte stärken

Für seine Amtszeit hat er sich mit dem Vorstand mehrere Schwerpunkte vorgenommen. Zum einen habe man einen Antrag eingereicht im Rahmen der Struktur-Förderprogramme von Bund und Land in Sachen „Zukunfts-Campus Gesundheit und Sozialwirtschaft“. Kuschke: „Es sind auch Folgerungen, die wir aus der Pandemie gezogen haben. Wir werden in Zukunft einen noch größeren Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern in der Alten- und Krankenpflege aber auch der frühkindlichen Erziehung haben.“ Hier müsse man die Ausbildung stärken, auf Module und Synergie-Effekte setzen.

Die Corona-Krise zeige auch, dass ganz konkrete Hilfen benötigt werden. Beispielsweise von Familien, die Hilfestellung bei der Erziehung benötigen. Man müsse auch die Frage klären, wie Menschen über 80, die sich impfen lassen wollen, zu den Impfzentren kommen. „Wir erarbeiten da einen Vorschlag an die Kreise und Kommunen.“

Wolfram Kuschke engagiert sich auch seit Jahren in der Europa Union.
Wolfram Kuschke engagiert sich auch seit Jahren in der Europa Union. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die Verbindung zwischen Haupt- und Ehrenamt liegt Kuschke am Herzen. Immerhin hat der Unterbezirk, der mit Einrichtungen in 24 Städten vertreten ist, über 2000 hauptamtliche Mitarbeiter und über 4700 ehrenamtliche Mitglieder.

Um in Zukunft auch in Situationen wie der Pandemie Kontakte zu ermöglichen, wie sie beispielsweise in der AWO-Begegnungsstätte in Lünen angeboten werden, müsse man überlegen, inwieweit Digitalisierung möglich ist. „Wir planen Pilotprojekte in Lünen, Unna und Ahlen, um das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamt zu stärken.“

Sitzungen finden digital statt

Als Wohlfahrtsverband wolle man seine Stimme erheben. Aktuell fordere man konkrete Corona-Hilfen wie Schüler-Laptops fürs Homeschooling oder die Bereitstellung von FFP2-Masken durch die öffentliche Hand.

Die Sitzungen mit seinen Vorstandskollegen finden momentan natürlich digital statt. „Ausnahme ist ein Antrittsbesuch beim Betriebsrat – natürlich mit entsprechendem Abstand.“ Auch die regelmäßigen Gespräche mit dem AWO-Geschäftsführer finden digital statt. Nach Corona plant er einen Tag pro Woche in den Einrichtungen, um mit den Mitarbeitern zu sprechen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt