In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Nina Horstmann.

Lünen

, 08.05.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon als Schulkind konnte sich Nina Horstmann (39) vorstellen, mal in der Firma zu arbeiten, die ihr Urgroßvater Bernhard Wienholt 1945 an der Bäckerstraße gegründet hat. Inzwischen ist die Elektrotechnik-Meisterin und studierte Marketing-Fachfrau Geschäftsführerin des erfolgreichen Unternehmens „Wienholt & Horstmann“. „Meine ältere Schwester hatte kein Interesse daran, für mich war schon als Kind die Firma Anlaufstelle nach der Schule“, so die Mutter zweier Töchter.

Ihr Vater, Diplom-Ingenieur Reiner Horstmann, freut sich, dass seine Tochter die Familientradition fortsetzt. Nachdem sein Vater Franz nach schon zwei Ausbildungen auch noch eine Elektrikerlehre absolviert hatte und später seinen Meister machte, stieg er in die Firma ein und übernahm sie 1964 - aus „Elektro Wienholt“ wurde „Wienholt & Horstmann“. „Mein Großvater hat gesagt, dass mein Vater seine Tochter Ingeborg nur heiraten darf, wenn er die Lehre macht und in die Firma einsteigt.“

Mit erst 24 Jahren schon Lehre und Studium absolviert

Sohn Reiner war elf Jahre alt, als der Vater Chef wurde - und wollte eigentlich Tierarzt oder Pilot werden. Er besuchte erst die Realschule in Brambauer und machte dann am Aufbau-Gymnasium in Dortmund sein Abitur. „Ich hab mit meinen Eltern einen Deal geschlossen, ich sollte erst eine Lehre machen und dann würden wir weitersehen“, erinnert sich der heute 66-Jährige.

Er absolvierte eine Ausbildung als Starkstromelektriker bei der damaligen VAW Aluminium. „Da hab ich gemerkt, dass mir dieser Bereich doch Spaß macht und noch ein Studium an der FH in Hagen draufgesattelt.“ Dank der Kurzschuljahre und einer verkürzten Lehre war er 1977, mit gerade 24 Jahren, mit Ausbildung und Studium bereits fertig.

Nina Horstmann: In der vierten Generation die erste Chefin

Reiner Horstmann in den 80er Jahren bei einer Leistungsschau Lüner Handwerksbetriebe im Rathaus. © Horstmann

Auch wenn seine jüngere Tochter Nina sich schon als Kind in der Firma wohlfühlte, bis sie tatsächlich in die Fußstapfen von Vater, Groß- und Urgroßvater treten würde, gab es noch ein paar Umwege. Nach dem Abitur absolvierte sie erst mal eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb an der Uni Dortmund, dann studierte sie Jura in Münster. „Das war aber nicht das Richtige für mich, deshalb hab ich dann Privatmarketing studiert und auch abgeschlossen.“

Die Beste unter über 500 Meistern

Dann entschied sie sich doch, in die Familienfirma einzusteigen und deshalb für ein duales Studium - also die Kombination aus Lehre und Studium. 2005 stieg sie in die Firma mit ein. Ein paar Jahre später bekam sie ihre beiden Kinder. Ihr berufliches Ziel: Sie wollte Meisterin werden.

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Das schaffte die Lünerin mit Bravour. „Wir haben uns sehr gefreut, weil sie die Meisterprüfung als Beste bei den Elektrotechnikern geschafft hat und dann auch noch bei über 500 Meistern ihres Prüfungsjahrgangs die Beste war“, so der stolze Vater Reiner Horstmann. Und so hängen im Besprechungszimmer der Firma nicht nur viele Diplome des Senior-Chefs, sondern auch die Meister- und die Bestmeister-Urkunde von Nina Horstmann.

Beginn mit Wohnungen

Rund 50 Mitarbeiter

  • Die Firma Wienholt & Horstmann hat in den ersten Jahren vor allem Aufträge beim Wohnungsbau ausgeführt.
  • Mittlerweile kümmern sich rund 50 Mitarbeiter auch um andere Aufträge und Gebäude, wie das Hilpert-Theater, das Rathaus, das umgebaute Hertie-Haus oder die neue Lehrwerkstatt von Aurubis. Auch Smart-Technik nimmt einen immer größeren Raum ein.
  • Reiner Horstmann war fünf Jahre Obermeister der Innung für Elektrotechnik Dortmund und Lünen und ist derzeit Stadt-Handwerksmeister.

Anfangs fuhr sie als Monteurin mit. Seit 2016 ist sie Geschäftsführerin, kümmert sich um die Erstellung der Angebote, koordiniert Mitarbeiter und Aufträge. „Ich bin aber auch noch viel auf den Baustellen unterwegs.“ Vater und Tochter arbeiten eng zusammen. Wenn Reiner Horstmann mit seinen drei Enkeln in den Urlaub fährt, fällt inzwischen die Übergabe sehr kurz aus. Beim letzten Urlaub von Reiner Horstmann musste seine Tochter ihn dienstlich nicht anrufen oder anmailen.

Frühe Berufspläne ihrer Töchter

Nachdem klar war, dass Nina Horstmann in die Firma einsteigt, entschied sich Reiner Horstmann dem Firmensitz eine neue Optik zu verleihen. Seit 1969 ist der immer weiter wachsende Firmensitz an der Moltkestraße 12, und dort fühlen sich mittlerweile auch Nina Horstmanns Töchter (8 und 9 Jahre alt) wohl. Ende 2017 starb Reiner Horstmanns Vater Franz. „Egal, was passierte, wir konnten Opa immer fragen. Sein Tod hat eine Riesenlücke gerissen“, sagt Nina Horstmann. Dort, wo er früher wohnte, hat inzwischen Nina Horstmanns Lebensgefährte sein Büro. Regelmäßig sind auch ihre Töchter in der Firma und sie kann sich auch vorstellen, dass eine von beiden mal die Familientradition fortsetzt, „Im Moment wollen sie noch Fotograf wie ihr Vater, Tierarzt aber auch Elektromeisterin wie ich werden.“

Beruf und Familie unter einen Hut bringen

Anerkennung im Beruf muss man sich hart erarbeiten, weiß Reiner Horstmann und auch, dass das immer noch für Frauen im Metier Elektrotechnik besonders schwer ist. Mittlerweile ist Nina Horstmann durch ihr Wissen und Können bei Mitarbeitern und Kunden anerkannt. Und - „ich gehe morgens mit Spaß in die Firma.“ Ihre eigenen Töchter erleben es anders als sie selbst in deren Alter: „Papa hat immer gearbeitet, Mama hat sich um uns gekümmert.“ Die 39-Jährige bringt beides erfolgreich unter einen Hut. Und ist sich ihrer Verantwortung für die Firma und die Angestellten bewusst: „Wir haben Mitarbeiter, die schon seit über 40 Jahren bei uns sind.“

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