Mann, Frau, Divers: Nicht alle kommen mit dem neuen Geschlechter-Dreiklang klar. Das Problem, das beide Seiten in der Debatte begleitet: Emotionen. Davor ist auch unser Autor nicht sicher.

Lünen

, 08.03.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich bin ein Mann, eindeutig. Und ich mag Frauen, eine ganz besonders, die habe ich dann auch geheiratet. Wir haben zusammen Kinder bekommen. So weit, so normal, denke ich.

Wenn das oben beschriebene also normal ist, ist dann alles andere unnormal? Natürlich nicht. Normalität kann schließlich viele Facetten haben, mal ganz abgesehen davon, dass es auch immer auf die Position des jeweiligen Betrachters ankommt. Eine allgemein gültige Definition von Normalität ist für mich deshalb ein Zustand, über den sich niemand aufregt.

Keine Ahnung, wie sich das anfühlt

Dummerweise regen sich viele Leute auf, wenn zwei Männer ein Kind adoptieren wollen. Oder wenn eine Frau aufs Männerklo geht, weil sie sich als Mann fühlt. Warum ist das so? Ich denke, weil der Mehrheit das Gefühl fehlt. So wie mir: Weil ich so bin, wie ich bin, kann ich nicht nachempfinden, wie es sich anfühlt, einen Mann zu lieben. Ich kann nicht nachempfinden, wie es sich anfühlt, nicht zu wissen, ob ich Mann oder Frau bin.

Was ich aber nachempfinden kann: Das Gefühl zu haben, nicht verstanden oder gar missachtet zu werden. Folglich ist es für mich nachvollziehbar, wenn die Betroffenen für Recht und Anerkennung kämpfen. Blöd nur, dass eben auch bei ihnen Emotionen im Spiel sind. Die schlagen vor allem dann hoch, wenn jemand sein Unverständnis über homosexuelle Beziehungen oder das dritte Geschlecht äußert.

Verständnis auf beiden Seiten ist wünschenswert

Und da liegt das einzige Problem, was ich mit der ganzen Sache habe: Genauso, wie ich oder jemand in meiner Situation dringend Verständnis aufbringen sollte für jene, die endlich anerkannt werden wollen, erwarte ich im Gegenzug, dass auch Verständnis vorhanden ist für jene, die mit der neuen Situation nicht sofort klarkommen (auch hier gibt es freilich Ausnahmen, für die niemand Verständnis aufbringen muss). Dann fällt es auch leichter, über Witze zu lachen - oder, falls sie wirklich schlecht sind, sie einfach zu ignorieren.

Das einfachste wäre vermutlich, die gesamte Diskussion sofort zu beenden und einfach weiterzuleben. Denn auf welches Klo ein Mensch geht oder welchen Partner er küsst, kann nun wirklich nicht dazu führen, dass sich jemand anderes eingeschränkt oder beleidigt fühlt. Folglich wäre Ruhe, keiner regt sich auf - und das wäre dann doch ganz normal.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen. Unser Autor freut sich über Kommentare - entweder gleich unter diesem Artikel oder per E-Mail.
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