Nüdling-Werke: Verhandlungen sind gescheitert

Keine Ausstellung

Die geschenkten Werke von Grafiker Hermann Nüdling werden nicht nach Lünen kommen. Der Künstler hatte seine Schenkung zurückgezogen, weil die Räume fehlten. Die Verhandlungen der Stadt mit Nüdling sind jetzt gescheitert. Im Ausschuss haben sich Kulturdezernent Horst Müller-Baß und die Kuratoren Karl Marek und Jürgen Korn zu Wort gemeldet.

LÜNEN

, 04.09.2015, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nüdling-Werke: Verhandlungen sind gescheitert

Hermann Nüdling nach der berührenden Auftaktveranstaltung zu seiner Ausstellung. Foto Quiring-Lategahn

Eigentlich wollte Grafiker Hermann Nüdling (Foto) den Lüner Bürgern etwas Gutes tun: Er schenkte der Stadt 2600 Zeichnungen. Doch diese fand keine geeigneten Räume für seine Werke, weshalb der 83-Jährige Künstler seine Schenkung zurückzog. Jetzt sind die Verhandlungen über die Bilder gescheitert. Das erklärte Kulturdezernent Horst Müller-Baß unter Mitteilungen der Verwaltung im Ausschuss für Kultur- und Europaangelegenheiten. Die Stadt habe in den Verhandlungen mit den beiden Kuratoren Karl Marek und Jürgen Korn versucht, vertragliche Regelungen zu finden.

In der bislang letzten Sitzung (4. August) habe man die Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) beauftragen wollen, Schulräume zu finden, in denen die Arbeiten Nüdlings entsprechend untergebracht werden können. Dann sei der Brief Nüdlings gekommen, in dem er die Verhandlungen für gescheitert erklärt habe, so Müller-Baß. „Wir haben ihm schriftlich geantwortet, dass wir das sehr bedauern, aber akzeptieren. Ich habe versucht, persönlich mit ihm zu sprechen, das hat er aber abgelehnt“, so der Dezernent in der Ausschusssitzung.

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Nachfragen aus dem Ausschuss gab es zu dieser Mitteilung keine. Auf der Zuschauertribüne verfolgten die Kuratoren Marek und Korn die Sitzung mit. Danach zeigten sich beide enttäuscht. „Das, was da gesagt wurde, stimmt so nicht“, erklärten sie übereinstimmend. Man habe bei den Stadtwerken zwei Räume gezeigt bekommen auf der Etage, auf der sich auch die Kinofest-Büros befinden. „Die hätten genau gepasst, alle Voraussetzungen erfüllt“, so Korn. Doch dann kam die Absage für die Räume. „Ohne Begründung, auch als wir nachgefragt haben, warum, hat man uns keine Antwort gegeben“, erklärte Korn auf Anfrage.

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Werke von Hermann Nübling

Der Künstler Hermann Nüdling möchte der Stadt Lünen 2600 Werke hinterlassen. Bisher wurden jedoch keine geeigneten Räume gefunden. Jetzt will Nübling seine Schenkung zurückziehen.
25.08.2015
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Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Zeichnung von Hermann Nüdling 1954 in der Lippeaue bei Schloss Buddenburg. Dort war einst die Werkkunstschule Dortmund beheimatet, an der Nüdling von 1949 bis 1954 Grafik studierte.© Zeichnung: Hermann Nübling
Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling. Die Zeichnungen stammen aus dem Zyklus „Spaziergänge mit Pablo” von Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Gedanken zum Jahreswechsel aus Sicht des ehemaligen Stadtgrafikers Hermann Nüdling.© Zeichnung: Hermann Nübling
Vergangenheit, Gegenwart und..., 1998 hat der Zeichner Hermann Nüdling dieses Werk genannt, das er als besonders spannungsvoll bezeichnet. Die schwangere Frau blickt in die ungewisse Zukunft, die alte Frau hat schon resigniert und wendet sich dem Jenseits zu.© Zeichnung: Hermann Nübling
"Weihnachten war gestern" heißt diese Zeichnung, in der Maria den betrachter direkt anblickt. Hinter ihr sind die von Herodes ermordeten Kider zu sehen.© Zeichnung: Hermann Nübling
Die "Tanzenden Kinder" von Nübling an der Bußmann-Schule.© Foto: Hirsch
Ein Selbstbildnis Nüdlings auf Krücken.© Zeichnung: Hermann Nübling
Der Grafiker, Zeichner und Autor Hermann Nüdling.© Foto: Jürgen Korn
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Man habe mit den Verhandlungen eine Türöffnung erreichen wollen, um alle Grafiken im Besitz der Stadt (nicht nur von Nüdling) zusammen zu führen, so Korn. Und auch die 110 Arbeiten Nüdlings, die die Kulturstiftung der Sparkasse besitzt, wären als Dauerleihgabe mit den anderen Grafiken zusammengebracht worden. Marek: „Das kulturelle Gedächtnis unserer Stadt wäre durch so eine Schenkung bereichert worden.“ Nüdling selbst kritisierte in einem Brief „die beispiellose Ignoranz und Arroganz der verantwortlichen Kulturbürokraten“, die den beiden Kuratoren Zumutungen offeriert hätten. 

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