Ohne erhobenen Zeigefinger

LÜNEN „Bitte nehmen sie Platz“ – mehr sagt Polizeioberkommissar Harald Röttcher nicht. Statt langer Belehrungen gibt es ein Video.

von Von Dennis Werner

, 22.09.2007, 06:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Polizeioberkommissar Harald Röttcher will mit den zum Teil schockierenden Videos zum Nachdenken anregen.  Werner</p>

<p>Polizeioberkommissar Harald Röttcher will mit den zum Teil schockierenden Videos zum Nachdenken anregen. Werner</p>

Nur diesen Satz und die einladende Handbewegung, mit der Röttcher die Temposünderin in den grün-weißen Bulli bittet. Dort soll sie sich ein Video anschauen, das auf drastische Weise zeigt, welche Konsequenzen verkehrswidriges Fahren hat.

Wenige folgen seiner Einladung. Während der gestrigen Verkehrskontrolle an der Dortmunder Straße/Ecke Moltkestraße trauten sich nur drei Frauen in das Polizeifahrzeug. Röttcher lässt sie in Ruhe das Video anschauen. Kein „da sehen sie mal wozu das führen kann“. Nur Röttcher und das Video.

„Die Filme sollen für sich sprechen,“ betont der Polizist, „zuviel Reden macht den Spot kaputt.“ Er nimmt seine Aufgabe ernst. Das spürt auch die zu schnelle Fahrerin.

Passende Filme

Röttcher achtet darauf, für jeden den richtigen Film zu finden. Der Frau zeigt er ein Video ohne Blut und zerberstende Scheiben: Nur ein Polizist kommt zu Wort, der um seine Tochter trauert. Sie wurde von einem Raser totgefahren.„Der spricht die Seele an“, sagt er. „Eine der Frauen heute hatte sogar Tränen in den Augen“, versichert er.

Röttcher ärgert sich über den Begriff „Schockvideos“, wie die von ihm gezeigten Filme häufig bezeichnet werden. Die Menschen kennen das aus der Zeitung und schrecken direkt davor zurück. Natürlich sollen die Bilder schockieren, aber auch zum Nachdenken anregen. „Wir können die Verkehrsteilnehmer nicht zwingen, sich die Videos anzusehen.“ Da sei es besser, sie schreckten nicht schon vorher zurück.

Genervte Fahrer

Einige der erfassten Fahrer sind an diesem Freitagmittag genervt oder haben keine Zeit. Röttchers Kollegen halten sie alle an und weisen auf die Videos hin. Von den 26, die in den ersten eineinhalb Stunden kontrolliert wurden, kommen jedoch nur drei zu Röttcher in den Bulli.

Röttcher stellt den Film ab. Er sagt immer noch nichts. Nur Tschüß. Die Frau steigt bewegt aus und fährt weg – langsam.

Lesen Sie jetzt