In einem Lüner Supermarkt hat sich ein Mann an der Kasse vor einem Kind entblößt. © Eduardo Soares / Unsplash.com
Ekel-Vorfall

Onanieren vor Supermarktkasse: Das erwartet den Lüner Exhibitionisten

Ein Mann, der an der Supermarktkasse onaniert. Dieser Vorfall beschäftigt noch immer die Polizei. Er wirkt besonders abstoßend, ist aber auch kein absoluter Einzelfall in Lünen.

Viele Menschen in Lünen hat das entsetzt: Ein 52-Jähriger Mann soll am Freitag (15. 1.) an der Kasse eines Supermarktes in der Mersch onaniert haben – in aller Öffentlichkeit und wohl auch vor den Augen eines Kindes. So hat es die Mutter des sechsjährigen Mädchens der Polizei geschildert. Die Ermittlungen laufen noch, wie eine Sprecherin der Dortmunder Polizei knapp eine Woche nach dem Vorfall, auf Anfrage mitteilt. Bei den Befragungen geht es um Details. Denn an dem grundsätzlichen Vorwurf gibt es laut Polizei keine Zweifel. Der Mann hatte sein Geschlechtsteil entblößt und manipuliert. Die Rede ist von Exhibitionismus – mindestens.

Exhibitionismus bedeutet eine sexuelle Präferenz, bei der ein Mann – tatsächlich kann laut Strafgesetzbuch nur ein Mann der Täter sein – es als besonders lustvoll empfindet, sich vor anderen nackt oder bei sexuellen Aktivitäten zu präsentieren. Zumeist handelt es sich bei diesen anderen Personen um Fremde, die völlig unfreiwillig diese unerwünschten und sie verstörenden Einblicke bekommen. Paragraf 183 im Strafgesetzbuch schützt Menschen vor einer solchen ungewollten Konfrontation.

Anklage wegen sexuellen Missbrauchs?

Wer als Exhibitionist überführt wird, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe rechnen. Strenger greift der Gesetzgeber durch, wenn eine exhibitionistische Handlung vor Kindern verübt wurde. Das kann sogar den Straftatbestand des sexuellen Missbrauches von Kindern erfüllen (Paragraf 176). Dann gibt es keine Geldstrafen mehr, sondern es droht eine Mindestfreiheitsstrafe von 3 Monaten bis 5 Jahre.

Das erklärt, warum im Lüner Fall die noch laufende Zeugenbefragung große Bedeutung hat. Für die 29-jährige Mutter, die mit ihrer eigenen Mutter und zwei Kindern im Supermarkt an der Kasse stand, war die Sache klar: Der Mann habe sich beim Onanieren dem Kind gezeigt, hatte sie von Anfang an gesagt.

Polizei blickt zurück auf die letzten Jahre

Der Vorfall an der Kasse ist besonders ekelhaft. Sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit kommen aber in Lünen durchaus vor. Die Polizei hat zurückgeblickt auf die letzten vier Jahre. Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses sind in dieser Statistik zusammengefasst. Zu den männlichen Einzeltätern, den Exhibitionisten, kommen auch alle anderen, die laut Strafgesetzbuch „öffentlich sexuelle Handlungen vor(nehmen) und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis (erregen)“. Auch das wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Durchschnittlich gab es fast jeden Monat einen solchen Vorfall in Lünen, wie die Statistik zeigt. 2017 waren es 11 Fälle, 2018 dann 12, und 2019 sogar 13. Im vergangenen Jahr 2020 ging die Zahl auf 9 zurück.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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