Dominik schiebt das Teststäbchen unter der Maske hindurch in den Mund. 30 Sekunden müssen seine Klassenkameraden und er auf dem Stäbchen lutschen, ehe es von den Lehrkräften eingesammelt wird. © Julian Preuß
Coronavirus

Osterfeldschule Lünen: Lolli-Tests werden Routine für Erstklässler

Lolli-Tests gehören in der 1c der Osterfeldschule zum Alltag. Schule ohne Corona kennen die Erstklässler nicht. Die kindgerechten Tests sind einfach und sparen Zeit, findet der Klassenlehrer.

Neun Kinder der Klasse 1c stehen am Mittwochmorgen auf dem Hof des Schulgebäudes an der Virchowstraße 75. Klassenlehrer Bernd Völkering holt die Mädchen und Jungen ab. Noch lernt die Klasse – aufgeteilt in zwei Gruppen – wechselweise in der Schule. Gemeinsam geht es in den im ersten Stock gelegenen Klassenraum. Sachunterricht steht auf dem Stundenplan.

Der Lolli - also das Teststäbchen gleicht denen, die auch auch für die herkömmlichen Schnelltests in Mund und Nase verwendet werden.
Der Lolli – also das Teststäbchen – gleicht denen, die auch auch für die herkömmlichen Schnelltests in Mund und Nase verwendet werden. © Julian Preuß © Julian Preuß

Unterrichtsbeginn mit Corona-Test

Doch vorher steht der Lolli-Test an. Seit Mitte Mai sollen sich mit dieser kindgerechten Methode Schülerinnen und Schüler von Grund- und Förderschulen auf das Coronavirus testen.

Die Erstklässlerinnen und Erstklässler von Bernd Völkering haben mittlerweile Routine entwickelt. „Dreimal haben wir den Test schon gemacht“, erinnert sich der siebenjährige Tim. Schule ohne Corona-Bedingungen kennen sie nicht. Daher hätten sich die Kinder schnell an die Umstände gewöhnt, berichtet Völkering. Daher gehen der Klassenlehrer und Referendarin Janina Potthoff schnell umher und verteilen die Teststäbchen.

Nach dem Test stecken die Schülerinnen und Schüler der Osterfeldschule in Lünen das Stäbchen mit der Probe in einen Sammelbehälter.
Nach dem Test stecken die Schülerinnen und Schüler der Osterfeldschule in Lünen das Stäbchen mit der Probe in einen Sammelbehälter. © Julian Preuß © Julian Preuß

30 Sekunden lutschen – fertig

Wenige Augenblicke später startet er einen halbminütigen Countdown auf seiner Uhr. So lange müssen die Kinder auf dem Teststäbchen lutschen – genau wie bei einem Lolli. Damit müssen die Schülerinnen und Schüler nicht mehr auf den herkömmlichen Corona-Schnelltest zurückgreifen, bei dem üblicherweise ein Abstrich in Mund oder Nase genommen wird. „Dieses Vorgehen war für die Kinder teilweise sehr unangenehm“, erinnert sich Potthoff.

Besonders für die jüngsten Grundschulkinder sei der Umgang mit den Selbsttests auch eine Herausforderung. „Sie müssten sich das Stäbchen selbstständig in die Nase stecken und auch selbstständig mit Lösung und Testfeld weiterverarbeiten“, erklärt Potthoff.

Dabei sei es immer wieder zu kleineren Missgeschicken gekommen, bei denen beispielsweise die Flüssigkeit auf dem Tisch verteilt worden sei. „Das hat zusätzlich zu der 15-minütigen Wartezeit auf das Testergebnis nochmal zu einer längeren Wartezeit geführt. Der Tisch muss dann zunächst getrocknet und desinfiziert sowie der Test wiederholt werden“, erläutert Potthoff.

Kurierdienst bringt Teststäbchen ins Labor

Nun ist die ganze Prozedur nach wenigen Minuten erledigt. Die 30 Sekunden sind abgelaufen, Potthoff und Völkering sammeln die Teststäbchen ein und verstauen sie in einer kleinen durchsichtigen Dose. „Um etwa 10 Uhr morgens kommt dann ein Kurierdienst, der die Tests aller Schülerinnen und Schüler des Tages abholt und in ein Labor nach Münster bringt. Dort werden sie dann ausgewertet, sodass wir am Abend des gleichen Tages oder bis sechs Uhr morgens am Folgetag die Ergebnisse vorliegen haben“, erklärt Natalie Brüning, Testbeauftragte am Standort an der Virchowstraße.

Bislang seien alle Tests glücklicherweise negativ ausgefallen. Sollte ein Labor-Befund auf eine Corona-Infektion hinweisen, ist eine Nachtestung erforderlich.

„Die in der Schule durchgeführten Tests können den Kindern nicht zugeordnet werden – nur der jeweiligen Gruppen der Klasse. Gibt es einen positiven Test, müssen alle Kinder der Gruppe zuhause noch einen zweiten Test machen. Auch dieser wird vom Labor ausgewertet“, führt die Testbeauftragte aus.

Ab dem 31. Mai bekommt der Lolli-Test ein noch wichtigere Bedeutung für den Schulalltag. Dann sollen wieder alle Kinder zum Präsenzunterricht zurückkehren. „Das wird total ungewohnt werden, wenn wieder alle Stimmen zu hören sind. Es werden sicherlich ein paar Tage vergehen, bis sich wieder alles eingespielt hat“, meint Bernd Völkering. Doch der Klassenlehrer und Schützlinge freuen sich gleichermaßen darauf. „Es ist besser, dass die Klasse nicht aufgeteilt wird. Dann können wir wieder zusammen spielen“, ruft Tim. Bevor aber die Pause beginnt, steht mittwochs zunächst Sachunterricht auf dem Stundenplan.

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