Lünerin wird beschimpft, dabei parkt sie ordnungsgemäß auf Kreuzstraße

mlzParkplatz-Ärger

Beschimpft und bedroht wird die Lünerin Sabrina Stiller (35), weil sie seit Kurzem auf der Kreuzstraße parkt. Das Problem: Auf dem Gehweg ist es nicht erlaubt. Es gab ein Knöllchen.

Lünen

, 24.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit über 15 Jahren wohnt Sabrina Stiller an der Kreuzstraße. Genau so lange hat sie auf dem rund fünf Meter breiten Gehweg vor ihrem Haus geparkt. Damit ist nun Schluss: vor wenigen Wochen bekam sie ein Knöllchen vom Ordnungsamt, weil sich jemand beschwerte - nun parkt sie gesetzeskonform auf der Straße. Seither muss sie sich wüste Beschimpfungen und Drohungen von anderen Verkehrsteilnehmern anhören. Ab 5 Uhr in der Früh fahren hupende Fahrzeuge an ihrem Haus vorbei. Ihr Auto wurde zuerst mit „Rotze“, zuletzt mit Essensresten beschmiert.

„Selbst wenn ich mit meiner kleinen Tochter auf dem Arm zum Auto gehe, bekomme ich den Mittelfinger gezeigt und werde beschimpft“, berichtet die Lünerin. „Du Schlampe, du kriegst noch was in die Fresse!“, hätte ein wütender Verkehrsteilnehmer einmal gesagt. „Neulich fuhr ein Auto vorbei, da saß ein Mann auf dem Beifahrersitz, der mit einem Baseballschläger drohte“, erzählt Stiller.

Lieber auf der Straße parken, als den Nachbarn den Platz klauen

Woanders parken kann die Lünerin nicht: Die umliegenden Straßen sind eng. Die Nachbarn haben Stellplätze vor den eigenen Häusern. „Ich kann schlecht bei den Nachbarn vor der Tür parken und denen die Parkplätze wegnehmen. Dann gibt es nachher einen Nachbarschaftsstreit und das ist es mir nicht wert. Da streite ich lieber mit den Autofahrern“, sagt Stiller.

Auf dem Gehweg sei neben ihrem Auto noch Platz für zwei Kinderwagen nebeneinander - parken darf sie dort aber rechtlich gesehen trotzdem nicht, wie Stadtpressesprecher Benedikt Spangardt auf unsere Anfrage erklärt: „Das Halten und Parken auf Gehwegen ist grundsätzlich verboten, außer dort, wo es durch Verkehrszeichen oder durch Parkflächenmarkierungen ausdrücklich erlaubt ist.“

Auch auf breiten Gehwegen dürfen keine Autos parken. Deshalb steht Sabrina Stillers Wagen nun auf der Straße.

Auch auf breiten Gehwegen dürfen keine Autos parken. Deshalb steht Sabrina Stillers Wagen nun auf der Straße. Der Wagen ihres Ehemannes steht zur Darstellung der Gehwegbreite auf dem Foto auf dem Gehweg. © Stiller

„Gibt es keine Parkflächenmarkierung, darf man alternativ den Fahrbahnbereich als Parkfläche nutzen, sofern dort keine anderen Verkehrsteilnehmer am Weiterfahren gehindert werden“, fügt er hinzu. Nachzulesen sei das in der Straßenverkehrsordnung unter §12.

Autofahrer unterschätzen die Kurve

Das Problem an der Kreuzstraße sei laut Stiller vor allem die Kurve, die nahe der Einmündung zum Asternweg verläuft. Denn durch diese Kurve führen viele Verkehrsteilnehmer zu schnell, was schon häufiger zu Unfällen geführt habe. „Unsere Hecke haben sie umgefahren, beim Nachbarn einen Baum erwischt und als ein Auto in den Vorgarten eines Nachbarn bretterte, baute der eine Steinmauer, um seine Kinder im eigenen Garten zu beschützen“, berichtet Stiller.

Sie wünscht sich eine 30er-Zone im Bereich der Kurve, damit solche Unfälle nicht wieder passieren. Auch ein Schild, das auf die Kurve hinweist, wäre laut Stiller sinnvoll.

Neben dem Auto auf dem Gehweg konnten zwei Kinderwagen aneinander vorbei.

Neben dem Auto auf dem Gehweg können zwei Kinderwagen aneinander vorbei. © Stiller

Auf unsere Anfrage antwortet der Stadtpressesprecher: „Auf Hauptverkehrsstraßen ist die Ausweisung von Tempo-30-Zonen unzulässig.“ Auf ein Verkehrsschild, welches auf die Kurve hinweist, sei bislang verzichtet worden, da kein Fahrzeug auf der Fahrbahn stand und keine Beschwerden in diesem Bereich vorlägen. Auch Unfälle seien nicht bekannt. Die Verkehrssituation sei erst unübersichtlicher geworden, seitdem auf der Fahrbahn geparkt werde. Stiller verneint das: „Ich kann leider nicht verstehen, wie die Stadt zu dieser Aussage kommt.“

Kein Parken auf der Straße mehr

Die 35-Jährige ist enttäuscht von der Stadt: „Ich finde es traurig, dass die Stadt uns nicht entgegen kommt und eine Lösung für ihre Bürger findet. Das Verkehrsproblem in der Kurve betrifft ja nicht nur mich.“ Inzwischen haben die Stillers beschlossen, bald den Vorgarten zu einer Parkfläche umzugestalten. Das wird auch nötig, denn die Stadt hat laut Spangardt nun absolutes Halteverbot in diesem Bereich angeordnet, „um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sicherzustellen“. Die Beschilderung werde in der kommenden Woche aufgestellt.

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