Knöllchen von Privatfirmen: Abzocke - oder letzte Chance gegen ignorante Autofahrer?

mlzPrivate Abschleppfirmen

Private Firmen überwachen Lüner Parkplätze und kassieren bei Falschparkern mächtig ab. Das sorgt für Unmut. Die Unternehmen rechtfertigen sich - und werfen Falschparkern Ignoranz vor.

Lünen

, 05.07.2019, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Helmut Scholtyssek (65) und seine Frau Iris (63) sind immer noch sauer: Vor einiger Zeit waren sie bei Edeka Patzer einkaufen. „Wir waren nur kurz drin. Als wir wieder rauskamen, hatten wir ein Knöllchen an der Windschutzscheibe.“ Damit hatte das Paar nicht gerechnet - und sprach einen Mann an, der auf dem Gelände offenbar Knöllchen verteilte. „Aber der ließ nicht mir sich reden.“ Auch das Vorzeigen des Kassenbons habe ihn nicht umstimmen können: „Da hat der sich gar nichts von angezogen.“

Zähneknirschend bezahlte Scholtyssek die 29,90 Euro - so viel werden laut der Firma „Fair parken“ fällig, wenn man auf dem Edeka-Parkplatz keine Parkscheibe ins Auto legt oder die Parkzeit überzieht.

Und nicht nur da: Nach Angaben von Sprecherin Sabine Klaas betreut das Unternehmen in Lünen derzeit vier Parkplätze. Für viele Kunden sei es mittlerweile selbstverständlich geworden, die Parkscheibe während des Einkaufs sichtbar ins Auto einzulegen: „Es gibt viele positive Reaktionen von Kunden, die nun wieder Parkplätze finden und ihnen somit ein bequemes und schnelles Einkaufen ermöglicht wird“, so die Sprecherin weiter.

„Es geht nicht darum, die Leute abzuzocken“

Mittlerweile ist mit „Contipark“ ein weiteres Unternehmen in Lünen tätig. Neben dem Parkhaus am Markt „bewirtschaftet“ es neun weitere Stellplätze - mit teilweise heftigen Gebühren: Bei einer Überschreitung der Zeit werden sofort 30 Euro fällig - die Stadt selbst nimmt diese Summe nur, wenn ein Fahrer drei Stunden überzieht. Die Gebühren lege man auf „Basis von Zielgruppen- und Marktanalysen“ fest, hatte Contipark zuletzt erklärt.

Für die Händler ist eine solche Lösung oft die einzige Möglichkeit, gegen Falschparker vorzugehen: „Es geht nicht darum, Leute abzuzocken“, hatte Ute Neuhaus, Filialleiterin von Edeka Patzer, anlässlich der Einführung des Systems 2017 erklärt. „Aber wir haben das Riesenproblem, dass alles zugeparkt wird, insbesondere bei Veranstaltungen wie der Kirmes.“

Das kennt auch Ulrike Feldmann: Sie hat zwar fünf Parkplätze neben ihrem Geschäft „Stil und Blüte“ angemietet. Nutzen können ihre Kunden diese Flächen jedoch kaum, wie sie sagt. Stattdessen blockieren häufig Falschparker die Plätze, und da die Polizei nicht zuständig ist, müsste Ulrike Feldmann die Autos auf eigene Kosten abschleppen lassen - ein mitunter teures Risiko.

Netto-Kosten von 250 Euro „gerichtlich bestätigt“

Mit der Parkräume KG ist ein weiterer Player in Lünen erschienen - hier war der Aufschrei besonders groß, denn die Firma verteilt keine Knöllchen, sondern schleppt Falschparker im Auftrag von Wohnunternehmen wie Grand City Property konsequent ab. Die Autos werden im Stadtgebiet versteckt, und wer es wiederhaben möchte, muss zunächst eine Gebühr zwischen 350 und 400 Euro zahlen - sonst rückt die Firma den Standort nicht heraus.

Vor allem die hohen Gebühren sorgten bei Autofahrern für Unmut. Gegenüber unserer Redaktion rechtfertig Martin Glaswinkler von der Abteilung Recht bei der Parkräume KG diese Summen: „Im Gegensatz zur öffentlichen Hand, die großenteils durch Steuergelder finanziert wird, ist die Parkräume KG ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das betriebswirtschaftlich kalkulieren muss.“ Mittlerweile seien Kosten je „Umsetzung“ von 250 Euro netto auch von Gerichten als ortsüblich und angemessen bestätigt worden.

„Eigentums- und Besitzrecht ignoriert“

Außerdem weist Glaswinkler darauf hin, dass aus Firmensicht nicht die Falschparker die Geschädigten sind, sondern die Grundstückseigentümer beziehungsweise die Mieter. „Im Laufe der Jahre haben wir sehr oft erfahren müssen, wie dreist viele Falschparker das Eigentums- und Besitzrecht anderer Menschen ignorieren.“ Eine Erfahrung, die auch Ulrike Feldmann immer wieder machen musste: „Dass die Leute mit ihrer Falschparkerei unser Geschäft schädigen, ist ihnen egal.“

In Lünen betreut die Parkräume KG, die eine Art „Rundum-sorglos-Paket“ ohne zusätzliche Kosten für den Auftraggeber anbietet, „eine hohe zweistellige Zahl an Objekten“. Möglich, dass diese Zahl demnächst noch steigen wird.

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