Patient wollte sterben, eine Operation in Lünen gab ihm neuen Lebensmut

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Die Schmerzen im Gesicht waren so stark, dass der Patient nicht mehr leben wollte. Er konnte kaum noch kauen oder sprechen. Seit einer hochkomplexen Operation fühlt er sich wie neu geboren.

Lünen

, 15.11.2020, 13:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Leidensweg von Wilfried S. (80) begann vor sieben Jahren. Der Patient, der seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen will, hatte starke Schmerzen im Gesicht, eine sogenannte Trigeminus-Neuralgie. Anfangs halfen Tabletten. Doch die Schmerzattacken häuften sich, trotz höherer Dosis. In seiner Verzweiflung ließ sich Wilfried S. drei Zähne ziehen. In der Hoffnung, den Schmerz loszuwerden. Doch es wurde schlimmer. So schlimm, dass er nicht mehr die Augen oder die Zunge bewegen konnte. Wilfried S. konnte und wollte nicht mehr. Auf einer Skala von 0 bis zehn seien die Schmerzen bei 10 gewesen „Das kann man niemandem beschreiben, der das noch nicht gehabt hat“, schildert er.

Schmerzen beim kleinsten Lufthauch

Priv. Doz. Dr. Dr. Konstantinos Gousias (42) ist Chefarzt der Neurochirurgie in Lünen. Eine Trigeminus-Neuralgie werde als ausgeprägtester Schmerz beschrieben, erläutert er. Bei Betroffenen gebe es eine hohe Rate an Depressionen und Suizid-Versuchen. Schon ein Lufthauch könne Schmerzen auslösen, ein Grund, warum viele gar nicht mehr vor die Tür gingen.

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Mit dem Rettungswagen kam Wilfried S. ins St.-Marien-Hospital des Katholischen Klinikums Lünen/Werne und direkt auf die Intensivstation. Der Neurochirurg Dr. Gousias machte ihm Hoffnung mit einer aufwendigen Operation, die er erstmals am Klinikum Lünen/Werne anwandte. Denn es war ein Gefäß, das auf den Trigeminus-Nerv drückte. Die Operation, im Fachjargon „mikrochirurgische neurovaskuläre Dekompression nach Jannetta“ bedeutet feinste Millimeterarbeit. „Wir legen den Nerv direkt am Abgang des Hirnstamms frei“, erläutert Gousias. Wird der Hirnstamm beschädigt, wird der Patient höchstwahrscheinlich nicht mehr aufwachen, wenige Millimeter daneben könnte er querschnittsgelähmt sein.

Eingriff dauerte dreieinhalb Stunden

Dreieinhalb Stunden hat der Neurochirurg mit seinem Team den komplizierten Eingriff durchgeführt. Eine etwa acht Zentimeter lange Narbe hinter dem Ohr erinnert heute daran. In höchst filigraner Arbeit hat Gousias den Nerv freigelegt und mit einem Schwamm die Druckstelle gepolstert. Per Neuro-Monitoring wurde während der OP die Nervenableitung überwacht. Hätte sie sich reduziert, wäre der Eingriff sofort abgebrochen worden.

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Schon am nächsten Tag war Wilfried S. schmerzfrei. Er, der bis auf einen Leistenbruch in seinem ganzen Leben sonst nicht krank war, fühlt sich „wie neu geboren“. Die Erfolgsquote der OP liegt bei 95 Prozent, erläutert Gousias. Studien belegen, dass die Wirkung zwar langsam nachlasse, aber auch nach 20 Jahren noch bei 70 Prozent liege. Seine Medikamente kann Wilfried S. jedenfalls jetzt langsam reduzieren. Er ist überglücklich über sein schmerzfreies Leben.

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