Peter Orloff: Die Ranger haben mir im Dschungel die Daumen gedrückt

mlzInterview

Er ist für viele der „Dschungelkönig der Herzen“. Peter Orloff gastiert am 28. Februar in Lünen mit den Schwarzmeerkosaken. Vorher verriet er einiges über seine Zeit im Dschungel.

Lünen

, 20.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mann ist viel beschäftigt. Nicht nur als Leiter der Schwarzmeer-Kosaken. Seit Peter Orloff (74) als Dschungelprinz und Publikumsliebling zurück aus dem australischen Dschungel kam, hat er während seiner Tournee mit dem Chor auch jede Menge Interview-Anfragen. Die er freundlich und zuvorkommend beantwortet. So wie ihn die Zuschauer auch bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ mehr als zwei Wochen lang erlebten.

Bevor Orloff am 28. Februar in der Stadtkirche St. Georg mit den Schwarzmeer-Kosaken die russische Seele nach Lünen bringt (Beginn 19.30 Uhr), telefonierte Redakteurin Beate Rottgardt mit ihm.

Eigentlich waren Sie ja „nur“ der Ersatzkandidat für Politiker Günther Krause. Hatten Sie damit gerechnet, dass daraus so ein Erfolg für Sie werden würde?

Das mit dem Ersatzkandiaten wird so berichtet. Ich kann es weder bestätigen noch dementieren. Auf jeden Fall kann ich sagen, er hat etwas verpasst. Ich bin angetreten um zu gewinnen und zumindest Dschungelprinz geworden, dazu noch in den Medien als „Dschungelkönig der Herzen“ bezeichnet worden. Alles bestens, ich bin total zufrieden. Und es gab nicht ein Bild aus dem Dschungel von mir, das ich nicht ok finde.

War Ihre Frau sofort damit einverstanden, als das Angebot kam, in den Dschungel zu gehen?

Letztlich musste ich die Entscheidung treffen. Im Vorfeld hab ich allerdings viel Gegenwind von verschiedenen Seiten gespürt. Am Ende waren dann fast alle überzeugt und es gab eine überwältigende Zustimmung.

Welche Prüfung hätten Sie abgelehnt?

Ich hab von vornherein gesagt, wenn ich reingehe, dann mache ich alles. Ablehnen war für mich keine Option. Ich brauchte auch keinen Bonus, nur weil ich älter war als andere Kandidaten, ich war in jeder Hinsicht gleichberechtigt.

Ihre positive Ausstrahlung hat Sie schnell zu einem Publikumsliebling werden lassen. Woher nehmen Sie diese Energie, die offenbar ja auch andere mitreißt?

Die hab ich einfach, von Natur aus. Manchmal ist das für meine Umwelt auch ein bisschen anstrengend, wenn sie mitziehen soll.

Haben Sie seit der Rückkehr aus Australien - außer bei den RTL-Auftritten - noch Kontakt zu anderen Dschungelcampern?

Wir haben uns kürzlich erst mit einigen getroffen, sind über What´s App und Instagram in Kontakt, manche kommen auch in meine Konzerte. Es ist ein sehr herzlicher Kontakt. Die Differenzen, die ja offenbar zwischen einigen vorhanden waren, hab ich so nicht erlebt. Ich bin mit jedem ausnahmslos gut klar gekommen. Es war für mich wie ein Abenteuer-Urlaub. Ich bin aus Abenteuerlust und um meine Grenzen neu zu definieren nach Australien geflogen. Ich habe mir immer alles zugetraut und wollte furchtlos allem gegenüber stehen.

Sie haben einen Teil Ihrer Gage an das Projekt „Fly & Help“ Ihres Freundes Reiner Meutsch gespendet. Für welches Projekt genau?

Es wird eine Schule für Indianerkinder in Argentinien gebaut, die sich in einer bedrohlichen Situation befinden, wo sie Hilfe brauchen. Vorher hab ich schon ein anderes Projekt umgesetzt. Wir haben eine Schule für 240 Mädchen in Malawi gebaut und dafür über ein Jahr 68.000 Euro bei Konzerten gesammelt. Als dann das Dschungel-Angebot kam und ich die 40.000 Euro für die argentinische Schule in drei Wochen zusammen bekommen konnte, hab ich Ja gesagt. Das Projekt war der eigentliche Grund, warum ich mitgemacht habe. Ich musste mich innerhalb von einem Tag entscheiden, habe alle Argumente dafür und dagegen aufgeschrieben. Im Nachhinein wären es mit den Erfahrungen aus dem Dschungel wesentlich mehr dafür gewesen, in die Sendung zu gehen.

Es gab ja schon zur zehnten Staffel die Möglichkeit, dass ein früherer Kandidat noch mal in den Dschungel geht. Würden Sie das auch tun?

Ich würde sofort wieder in den Dschungel gehen. Ich hab mich wehmütig von allen schönen Plätzen verabschiedet. Der Ranger, der mich gefahren hat, hat mir erzählt, dass mich diese harten Jungs als einen der ihren wahrgenommen und sich gewünscht hätten, dass ich gewinne.

Peter Orloff: Die Ranger haben mir im Dschungel die Daumen gedrückt

Peter Orloff und die Schwarzmeer-Kosaken gastieren am 28. Februar in Lünen. © Foto Veranstalter

Glauben Sie, dass das Dschungelcamp Ihrer Karriere mehr geschadet oder mehr genutzt hat?

Beim letzten Konzert vor dem Dschungel bekamen wir Standing Ovations, da hab ich schon überlegt, wie es wohl danach sein wird. Aber beim ersten Konzert nach dem Camp war es genauso, die Leute sehen meinen Auftritt dort positiv. Das hat mir auch ein netter katholischer Pfarrer gesagt, er hat die ganzen Sendungen verfolgt.

Wie viele Auftritte haben Sie jedes Jahr mit den Schwarzmeer-Kosaken?

Vor dem Dschungelcamp waren es etwa 200 Konzerte im Jahr, danach sind es nicht weniger. Wir sind in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien sowie Frankreich unterwegs.

Was erwartet die Zuschauer bei dem Konzert in Lünen?

Unser absolutes Gala-Programm mit so bekannten Liedern wie „Kalinka“, „Abendglocken“, „Wolgalied“, „Nessun Dorma“ und dem „Gefangenenchor“. Ich bin seit 60 Jahren im Chor der Schwarzmeer-Kosaken dabei, mit Unterbrechungen. Seit 1993 bin ich der Chef des Ensembles. Bei uns singen Ukrainer und Russen friedlich zusammen, Musik verbindet.

  • Peter Orloff entstammt einer russischen Familie. Sein Vater war ein Geistlicher aus einem Kosakengeschlecht und hatte in den 1930er-Jahren den Schwarzmeer-Kosaken-Chor mitbegründet und jahrzehntelang geleitet. Mit 14 Jahren sang er als jüngstes Mitglied bereits bei diesem Chor.
  • Sein bis heute erfolgreichster selbst gesungener Titel „Ein Mädchen für immer“ erreichte 1971 Platz 16 in den deutschen Charts und erhielt eine goldene Schallplatte. Mit seinen Hits war er allein in der ZDF-Hitparade in insgesamt 30 Sendungen zu sehen.
  • Den Durchbruch als Autor schaffte Orloff, als er 1969 für Peter Maffay den Titel „Du“ schrieb, der zum größten Single-Erfolg Maffays werden sollte. Auch die Nummer-eins-Hits „Der Junge mit der Mundharmonika“ und „Der kleine Prinz“ von Bernd Clüver stammen aus Orloffs Feder. Auch für Künstler wie Freddy Quinn, Rex Gildo, Renate Kern, Bata Illic, Heino, Bernhard Brink, Marion Maerz, Séverine, Elfi Graf, Nina und Mike, Lolita, Mel Jersey, Roy Black und Julio Iglesias schrieb Orloff Titel. Und er produzierte für die Deutschrockband Franz K. ein Album.
  • In den 1990er-Jahren widmete sich Orloff mehr der volkstümlichen Musik. Seit Jahren produziert er den Original Schwarzmeer-Kosaken-Chor und tritt mit ihm in Kirchen auf.
  • Peter Orloff lebt heute mit seiner Ehefrau Linda, mit der er seit 1992 verheiratet ist, in Overath bei Köln.
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