Pflege für die Eltern ist aufwendig - doch es gibt viele Hilfsangebote

mlzSerie „Wenn die Eltern älter werden“

Die Eltern werden älter und pflegebedürftig: Eine Lünerin und ihre Schwestern haben diese Erfahrung gemacht. Und dabei gelernt, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen.

Lünen

, 04.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Kinder kümmerten sich die Eltern um sie, nun ist es umgekehrt: Silke Werner (55, Name geändert) und ihre drei Schwestern haben erlebt, was es heißen kann, wenn die Eltern älter werden.

Der Vater war schwer krank, dann sollte auch die Mutter ins Krankenhaus, zögerte die Behandlung aber immer wieder hinaus, weil sie ihren Mann nicht alleine lassen wollte. „Das hat sie zumindest gesagt“, so die Lünerin.

Als der Vater dann jedoch mit einer Magensonde ernährt werden musste, schaffte die Mutter die Pflege nicht mehr. Der 84-Jährige kam zu einer von Silke Werners Schwestern, die nicht berufstätig war.

Eltern hatten keine Patientenverfügung

„Die Entscheidung fiel, weil wir mit einer Kurzzeitpflege in Dortmund keine guten Erfahrungen gemacht hatten. Da kam unser Vater unter, als meine Mutter dann doch im Krankenhaus war,“ sagt die 55-Jährige. Ihre Eltern hatten keine Patientenverfügung, deshalb bekam der Vater in seinem letzten Lebensjahr die Magensonde: „Ich glaube nicht, dass er das so wollte. Aber er hatte das eben nicht schriftlich festgelegt.“ Das war Silke Werner eine Lehre: „Ich werde für mich eine Patientenverfügung ausfüllen.“

Ihre Schwester holte sich Hilfe für die Pflege des Vaters, auf den Rat des Krankenhauses wurde eine Pflegestufe (heute Pflegegrad) beantragt und ein Pflegedienst engagiert. Auch weil der Vater nicht wollte, dass die Töchter ihn wuschen oder ihm auf der Toilette halfen: „Das war ihm unangenehm. Aber die Mitarbeiter des Pflegedienstes hat er akzeptiert.“ Nach einem schwierigen letzten Jahr starb der Vater.

Nochmal aufgeblüht

Bis dahin war ihre Schwester durch die Pflege fast immer ans Haus gebunden. Silke Werner und eine weitere Schwester (die vierte lebt in Übersee) hatten deshalb ein schlechtes Gewissen. Obwohl sie „wenn wir Zeit hatten, immer zu Papa und Mama gefahren sind“. Die Mutter blieb in der gemeinsamen Wohnung in einer Service-Wohnanlage, in die sie noch mit ihrem Mann eingezogen war, bevor die Pflege zu schwierig wurde.

„In der neuen Wohnung ist meine Mutter noch etwas aufgeblüht, hatte da Kontakte, spielte mit anderen Frauen Karten.“ Eine der Schwestern von Silke Werner, die in der Nachbarschaft des Service-Wohnens lebt, kochte für die Mutter. „Wenn es passte, haben sie zusammen gegessen. Sonst hat meine Schwester auch mal Essen für zwei Tage vorbei gebracht.“

Doch dann trat ein, was die Mutter im Stillen immer schon befürchtet hatte - sie wurde dement. Die Tochter merkte, dass das Essen nicht mehr angerührt wurde oder dass aus der Erbsensuppe nur die Wurst herausgepickt wurde. „Mama hatte immer Angst davor, weil auch ihre Schwester dement war. Als wir dann merkten, dass es nicht nur ein bisschen Vergesslichkeit ist, haben wir uns kaum getraut, mit ihr darüber zu sprechen, dass sie sich testen lassen soll.“

Mutter lief nachts draußen rum

Dann kam aber doch der Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, damit der Pflegegrad festgestellt wurde. Bekannte erzählten, sie hätten die Mutter nachts draußen herumlaufen gesehen. Dann stellte sich heraus, dass sie nachts vor einer ausgeschalteten Ampel gestanden und gewartet hatte, dass es Grün wird.

Als die Diagnose „Demenz“ feststand, überlegten die Schwestern, was zu tun ist. „Mein Schwager war strikt dagegen, dass Mama ins Heim zieht. Ich hab mich aber informiert, die Menschen werden in guten Pflegeheimen auch gefördert.“

Eine Freundin von Silke Werner arbeitet bei einem Lüner Wohlfahrtsverband und bot ihr an, sich doch mal in einem Heim umzusehen. „Das habe ich dann auch gemacht und eine Bewohnerin erlaubte uns auch, ihr Zimmer anzusehen.“

Auf Anfrage bieten auch andere Heime die Möglichkeit für Angehörige und künftige Bewohner, sich dort umzuschauen.

Mutter wollte nicht in die Kurzzeitpflege

Auch wenn Silke Werner danach etwas beruhigter war, hatte sie immer noch Bauchschmerzen: „Wir hatten das Gefühl, unsere Mutter ins Heim abzuschieben.“

Eigentlich trauten sich die Schwestern nicht, über ihren Kopf zu entscheiden. Sie informierten sich bei einem Pflegedienst und beim Hausarzt, was sie tun könnten.

Dann hatten alle drei Schwestern gleichzeitig Urlaub geplant und für die Mutter einen Kurzzeitpflegeplatz organisiert. „Aber da wollte sie nicht bleiben und so musste meine Schwester aus Übersee kommen und sich um unsere Mutter kümmern.“

Schließlich bekam die Mutter 2015 einen Platz in dem Lüner Pflegeheim, das sich Silke Werner angesehen hatte. Inzwischen wissen Silke Werner und ihre Schwestern, dass die Entscheidung richtig war. „Meine Mutter ist mittlerweile 91. Sie war immer ein positiver Mensch, lacht viel und erfindet beinahe täglich neue Wörter.“ Sie bekommt oft Besuch von ihren Töchtern, hat eine regelmäßige Tagesstruktur.

Für Silke Werner war es wichtig, gemeinsam mit ihren Schwestern zu entscheiden und sich um die Eltern zu kümmern. „Ich hatte Glück, dass wir es auf mehrere Schultern verteilen konnten und dass wir uns auch so gut verstehen.“

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig gibt, bekommt man bei folgenden Stellen Informationen zu Themen wie „rund um die Pflege“, Finanzierung oder Entlastungsmöglichkeiten:
  • Pflegestützpunkt Lünen – Beratung für gesetzlich Versicherte ALLER Krankenkassen, Arndtstraße 4 (im Haus der Knappschaft), Ansprechpartner: Falko Lange, Tel. (02306) 70 03 - 92, E-Mail: psp-luenen@kbs.de oder falko.lange@kbs.de
  • Compass Pflegeberatung – Beratung für Versicherte privater Krankenkassen, Tel. (0800) 101 88 00, zuständige Beraterin für Lünen: Stephanie Schuh, Tel. (0221) 93 332 229, E-Mail: stephanie.schuh@compass-pflegeberatung.de, www.compass-pflegeberatung.de
  • Wohnberatung im Kreis Unna, Bebelstraße 67 (Seniorenladen), Tel. (02306) 25 95 61, Ansprechpartnerin: Bettina DeSacco, E-Mail: desacco@caritas-luenen.de
  • Aufsuchende Hilfen Stadt Lünen, Rathaus (EG, Raum 6), Willy Brandt-Platz 1, Ansprechpartnerin: Katharina Lorenz, Tel. (02306) 104 - 1447, E-Mail: katharina.lorenz.16@luenen.de
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