Pflege ist kein Spiel, aber für diesen 25-Jährigen die Chance zum beruflichen Neustart

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Eigentlich hatte Nils Kramzyk auf einen technischen Beruf gesetzt. Nun ist er in der Pflege zuhause. Alles andere als ein Kinderspiel, aber der 25-Jährige hat den Jobwechsel nicht bereut.

Lünen, Werne, Selm

, 23.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Nils Kramzyk (25) steht mitten im Leben. Er hat schon Höhen und Tiefen im Beruf miterlebt. Seit zwei Jahren absolviert er eine Ausbildung in der ambulanten Pflege des Caritasverbandes Lünen, Selm, Werne. Dabei hatte er ganz andere Pläne.

„Ich habe eine Ausbildung zum Technischen Zeichner gemacht. Weil viele gesagt haben, das ist ein Beruf mit Zukunft. Aber kaum war ich fertig, hieß es, dass der Beruf langsam ausstirbt“, erzählt er.

„Eigentlich wollte ich einen Beruf mit Zukunftsaussicht“

Dass das wohl stimmt, merkte er am eigenen Leib: „Ich hab keine Stelle gefunden, erstmal gejobbt. Aber ich wollte ja einen Beruf mit Zukunftsaussichten.“ Ein Bekannter von ihm arbeitete bei der Caritas, erzählte ihm von seiner Tätigkeit und fragte, ob das nicht was für ihn wäre.

„Erst konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber dann hab ich doch eine Bewerbung geschrieben.“ Kurze Zeit später kam ein Anruf, jemand sei abgesprungen, ob er nicht Lust habe, in der Selmer Sozialstation Probe zu arbeiten.

Nils Kramzyk wagte es, obwohl er schon „die üblichen Vorurteile“ gegenüber der Pflege hatte.

Doch an den zwei Tagen Probearbeit im Juli 2017 merkte der Borker schnell, dass er wohl doch für einen Pflegeberuf geeignet ist. „Am 1. September hat dann meine Ausbildung begonnen.“ Inzwischen ist er froh, den Berufswechsel gewagt zu haben.

Als Spätaussiedlerin gekommen und eine Perspektive in der Pflege gefunden

Ähnlich ging es einer Kollegin, bei der aus einem Jahrespraktikum eine Dauerstelle geworden ist. Die Lünerin Margarete Wadulla arbeitet seit 27 Jahren für die Caritas, ist seit drei Jahren Wohnbereichsleitung im Altenzentrum St. Norbert.

Die 55-Jährige kam mit ihren Eltern als Spätaussiedlerin aus Ostpreußen nach Nordrhein-Westfalen. In ihrer alten Heimat war sie Schülerin einer Wirtschafts-Oberschule. „Mein Vater hatte damals die Idee, ich könnte doch Krankenschwester werden. Das wollte ich gar nicht.“ Sie konnte nicht ahnen, dass sie später doch im Bereich Pflege arbeiten würde.

In Emmerich bestand sie ihr Abitur und wollte sich dann erstmal orientieren. Irgendwann riet ihr ein Bekannter, sie solle doch mal bei Marianne Strauch nachfragen, die sich bei der Caritas um Aussiedler kümmert.

Dankbar für Entscheidung der Pflegedienstleitung

Dann ging alles ganz schnell: „Als ich nachfragte, griff sie gleich zum Hörer und rief im Altenzentrum St. Norbert an.“ Ein Jahres-Praktikum zur Orientierung bekam Margarete Wadulla. Dann war eine Stelle frei, für die man keine Ausbildung brauchte und die Lünerin machte sich Hoffnung.

„Aber die damalige Pflegedienstleitung Hedwig Steinkuhl hat mir gesagt, die Stelle bekomme ich nicht, ich soll lieber eine Ausbildung machen.“ Auch wenn sie zuerst enttäuscht war - heute ist sie Hedwig Steinkuhl für diese Entscheidung dankbar.

Blockunterricht in Dülmen

Zwei Jahre Schule in Derne, dann das Anerkennungsjahr und schließlich kehrte Margarete Wadulla ins Altenzentrum St. Norbert zurück, mit kurzem Umweg über das damalige Kurzzeitpflegeheim St. Elisabeth in Cappenberg.

Die Ausbildung hat sich im Laufe der Jahre verändert. Nils Kramzyk hat Blockunterricht im Caritas-Fachseminar in Dülmen: Mal sechs Wochen, mal neun Wochen. Außerdem finden auch die Klausuren und Prüfungen während dieser Zeit statt.“ Am Anfang mussten er und die anderen Auszubildenden eine Probezeit-Prüfung absolvieren, damit die Dozenten frühzeitig beurteilen konnten, ob die Nachwuchskräfte die Ausbildung tatsächlich schaffen.

„Bei der Zwischenprüfung mussten wir eine Demo-Raum-Prüfung mit einer Puppe machen. In Umschlägen steckten fünf Aufgaben, einen mussten wir ziehen.“ Es ging um Wundbehandlung, das Legen einer Magensonde oder Stomaversorgung.

„Wir hatten in unserer Ausbildung nur kurze Praktika, ich finde die neue Regelung besser“, meint Margarete Wadulla.

Viele Chancen, sich beruflich weiter zu entwickeln

Spannend, da sind sich die erfahrene Pflegefachkraft und ihr junger Kollege einig, ist es, bei der Ausbildung auch einiges über Anatomie, das Nervensystem, Krankheitslehre und Psychologie zu erfahren. Dass es viele Chancen gibt, sich auch nach der Ausbildung beruflich weiter zu entwickeln, hat Margarete Wadulla selbst erlebt: „Ich hab‘ einige Jahre gearbeitet, dann eine Ausbildung zur Hygienebeauftragten gemacht, wurde dann stellvertretende Wohnbereichsleitung und seit drei Jahren leite ich den Wohnbereich Roggenmarkt im Altenzentrum.“

„Habe gern Zeit mit meinen Großeltern verbracht“

Auch Nils Kramzyk kann sich vorstellen, sich nach der Ausbildung weiter fortzubilden - vielleicht zum Praxisanleiter oder später zur Pflegedienstleitung.

„Mit war es wichtig, gerade auch weil ich arbeitslos war, einen Beruf zu finden, der sicher ist und in dem ich mich wohlfühle.“

Er mag den Kontakt mit den Senioren, freut sich - wenn es die Zeit erlaubt - mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Ich hab‘ auch immer gern Zeit mit meinen Großeltern verbracht.“ Eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Kollegen schätzt Margarete Wadulla: „Wir lernen auch von den jüngeren Pflegekräften, genau so wie umgekehrt.“ Nils Kramzyk hat bald sechs Wochen Ausbildung im Altenheim vor sich - und freut sich darauf.

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