Pflegebedürftig: Keine Angst vor dem Besuch des Medizinischen Dienstes sagt die Expertin

mlzInterview

Pflegebedürftigkeit löst oft Ängste aus, besonders dann, wenn ein Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) ins Haus steht. Das muss nicht sein, meint eine Fachkraft des MDK.

Lünen

, 01.03.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sandra Leifer ist Mitarbeiterin des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Sie kommt ins Haus, wenn ein Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt wird. Und sie weiß auch, dass manche Pflegebedürftigen und Angehörige dem Termin sehr nervös entgegen schauen. Um Misstrauen und Vorurteile abzubauen, beantwortet die ausgebildete Pflegefachkraft Fragen rund ums Thema MDK-Besuch. Im Vorfeld eines Vortrags, den sie zu diesem Thema am 18. März in Lünen hält.

Was sollten Angehörige tun, wenn Eltern oder Partner pflegebedürftig werden?

Sich beraten lassen, beispielsweise vom MDK Westfalen-Lippe. Erste und recht umfangreiche Informationen bekommt man auf unserer Internetseite www.mdk.de unter dem Stichwort Versicherte. In einigen Arztpraxen liegen auch Flyer aus. Auch bei den Kranken- und Pflegekassen gibt es hilfreiche Informationen. Wichtig ist es, als erstes einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit bei der zuständigen Pflegekasse/Krankenkasse zu stellen.

Damit sind manche Angehörige vielleicht überfordert. Wer kann bei so einer Antragstellung helfen?
Häufig geschieht das ja im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes, wenn man merkt, dass der Patient anschließend Pflege benötigt. Dann hilft der Soziale Dienst des Krankenhauses, gibt Informationen und stellt auch den Antrag - in Absprache mit dem Betroffenen und den Angehörigen. Stellt man Pflegebedürftigkeit im Verlauf einer Erkrankung fest, kann man auch mit seinem Hausarzt über das weitere Vorgehen sprechen.

Sandra Leifer ist Mitarbeiterin des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Sie ist am 18. März in Lünen zu Gast.

Sandra Leifer ist Mitarbeiterin des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Sie ist am 18. März in Lünen zu Gast. © Fotos BBS Lüdenscheid

Immer noch gibt es Vorurteile und Ängste, wenn der Besuch des MDK ansteht. Wie erklären Sie sich das?

Ich würde es eher Unsicherheit nennen. Man muss auch keine Angst vor uns haben. Viele Angehörige schätzen uns gerade wegen unserer Unabhängigkeit und Neutralität als Ansprechpartner. Eine gewisse Unsicherheit gibt es vielleicht, wenn man nicht weiß, wie eine Pflegebegutachtung genau abläuft. Entscheidend für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einem Pflegegrad ist der Grad der Selbständigkeit des Versicherten im Alltag. Welche Aktivitäten und Fähigkeiten dabei betrachtet werden, ist gesetzlich definiert und transparent. Auf unserer Webseite kann man sich z. B. einen Prospekt herunterladen, in dem sehr ausführlich die einzelnen Lebensbereiche beschrieben werden, die wir bei der Pflegebegutachtung erfassen. Und viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen schätzen uns eben auch als unabhängige Ansprechpartner, die aus professioneller Sicht heraus wichtige Ratschläge und Hilfe geben können. So klären wir mit den Antragstellern ab, ob familiäre Unterstützung vorhanden ist und ob sie ausreicht, ob ein ambulanter Pflegedienst eingeschaltet werden sollte oder ob der Pflegebedürftige sich sogar selbst für stationäre Pflege entscheidet.

Was genau passiert bei einem Besuch des MDK, wenn ein Pflegegrad beantragt wird?

Zunächst ist das ein Gespräch darüber, warum der Antrag gestellt wurde, wo der Pflegebedarf ist. Dazu kommen sogenannte Funktionsprüfungen, bei denen wir feststellen, ob die Mobilität eingeschränkt ist. Wir wollen wissen, wo Hilfebedarf besteht und erklären, wo man Hilfe bekommt. Begutachtet wird in den Bereichen Mobilität, Selbstversorgung, also auch ob man sich alleine waschen kann, aber auch Haushaltsführung und administrative Hilfen, also Begleitung zu Ärzten, Behörden oder Banken. Bei den Funktionsprüfungen gibt es keine schweren Aufgaben von uns, wir wollen eine Überlastung des Pflegebedürftigen vermeiden. Das gilt für alle Antragsteller, auch bei Antragstellern mit einer Demenz.

Welche Ausbildung haben die Mitarbeiter des MDK, die zu den Antragstellern kommen?

In der Pflegebegutachtung arbeiten bei uns ausschließlich examinierte Pflegefachkräfte aus allen Bereichen der Pflege und Medizin. Für den Versicherten ist das gut zu wissen, denn wenn es um Kinder geht, kommen beispielsweise immer Kinderkrankenschwestern und -pfleger zum Gespräch ins Haus. Wir haben alle langjährige Berufserfahrung und meistens auch noch einige Weiterbildungsmaßnahmen absolviert, beispielsweise zu Themen wie Geriatrie. Neue Kollegen werden sechs Monate lang eingearbeitet und engmaschig von einem Mentor begleitet. Mehrmals im Jahr werden vom MDK zudem weitere Weiterbildungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter angeboten. Wir sind darauf geschult, zu erkennen, wo Pflegebedarf besteht und unsere fachliche Unabhängigkeit ist gesetzlich festgeschrieben.

Wie sollte man sich auf einen Besuch des MDK vorbereiten?

Die Antragsteller bekommen mit unserem Schreiben einen Fragebogen, den sie ausfüllen sollten. Vorher ein Pflegetagebuch zu führen, ist auch eine gute Idee und hilfreich für den Besuch. Oder wir schauen uns die Dokumentation des Pflegedienstes an. Gegebenenfalls kann man auch Arzt- und Krankenhausberichte vorlegen. Wenn man in Praxen oder Krankenhäusern nachfragt, sind sie meist gerne bereit, Berichte für den MDK-Besuch auszudrucken. Gerade bei Demenzpatienten ist es wichtig, dass Angehörige oder Mitarbeiter des Pflegedienstes, wenn dort einer im Einsatz ist, beim Gespräch dabei sind und Auskunft gegen können. Generell ist es schön, wenn Angehörige oder Mitarbeiter des Pflegedienstes beim Gespräch dabei sind und den Pflegebedürftigen unterstützen.

Wie sollten Angehörige reagieren, wenn sich der Zustand des zu Pflegenden verschlechtert, er mehr Pflege benötigt?

Auch hier sollte man sich beraten und informieren lassen. Im Internet oder telefonisch bei uns, aber auch durch den Pflegedienst oder die Krankenkasse. Wenn man das Gefühl hat, dass der Pflegeaufwand deutlich gestiegen ist, sollte man einen Höherstufungsantrag stellen.

Vortrag

MDK-Besuch und Pflege-Tüv

  • In einem Vortrag informiert Sandra Leifer alle Interessierten am Mittwoch, 18. März, über Themen wie „die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit durch den MDK“ und den neuen Pflege-TÜV.
  • Die Teilnahme am Vortrag ist kostenlos. Er beginnt um 15 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses, 1. Stock, Willy-Brandt-Platz 1. Der Sitzungssaal ist barrierefrei erreichbar. Anmeldungen sind nicht erforderlich.
  • Im Anschluss beantwortet Sandra Leiter auch Fragen der Zuhörer.
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