Pizzataxi in Corona-Krise: Lünerin spendiert Mittagessen für Obdachlose

Spendenaktion

Ein italienischer Koch darf sein Geschäft wegen der Corona-Krise nicht mehr öffnen. Eine Lünerin unterstützt ihn mit einer Großbestellung Pizza und Co. Die Lieferung geht an Obdachlose.

Lünen, Bochum

, 02.04.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine ungewöhnlichen Lieferung gab es am Dienstag (31.3.) für die Bewohner der Notunterkunft für Obdachlose in Lünen. Martina Kranemann spendierte Pizza, Nudeln und Co. für die Bewohner. Zubereitet wurde das Mittagessen bei einem italienischen Koch, der wegen der Corona-Krise sein normales Geschäft nicht betreiben kann.

Eine ungewöhnlichen Lieferung gab es am Dienstag (31.3.) für die Bewohner der Notunterkunft für Obdachlose in Lünen. Martina Kranemann spendierte Pizza, Nudeln und Co. für die Bewohner. Zubereitet wurde das Mittagessen bei einem italienischen Koch, der wegen der Corona-Krise sein normales Geschäft nicht betreiben kann. © Verein "Dach über dem Kopf"

Gastronomen trifft die Corona-Krise hart. Besonders, wenn sie bisher keinen Lieferservice angeboten haben, denn nur darüber dürfen sie ihre Speisen weiterhin an Kunden verkaufen.

So betroffen sind auch Maurizio Montemezzani und Luigi Marangio. Als Partner betreiben sie zwei Marktstände in Bochum. Einen für italienische Spezialitiäten und einen als Marktrestaurant mit Pizza, Lasagne, Nudeln und vielen weiteren italienischen Speisen.

Während Montemezzani auch während der Corona-Krise seine Produkte im „Gusti e Sapori di Sicilia“ (deutsch: Geschmäcker und Aromen aus Sizilien) verkaufen darf, musste der zweite Stand, an dem Marangio Pizza, Nudeln und Co. anbietet, schließen. So saß der italienische Koch nicht nur auf den gekauften Waren fest, sondern hat auch kein Einkommen mehr.

Unterstützung für Koch und Obdachlose in Corona-Krise

Als Martina Kranemann aus Lünen davon erfährt, ist für die Italienischdozentin der Volkshochschule sofort klar, dass sie helfen will. „Ich habe dann überlegt, wie ich die Waren kaufen und gleichzeitig möglichst vielen Menschen damit helfen kann.“

Pizzalieferservice

Koch Luigi Marangio liefert während der Corona-Krise

  • Der Koch Luigi Marangion muss während der Corona-Krise sein Geschäft umkrempeln. Statt auf dem Markt in Bochum, bietet auch er jetzt einen Lieferservice.
  • Telefonische Bestellungen können aufgegeben werden unter (0157) 78514951.
  • Geliefert wird auch nach Lünen. Aufgrund der Distanz nach Bochum liegt der Mindestbestellwert derzeit bei 25 Euro.

Ihre Idee: Eine größere Bestellung bei Marangio, die dann als Spende der Lüner Obdachlosenhilfe „Dach über dem Kopf“ zukommt. Das Angebot nahm der Verein um den Vorsitzenden Ulrich Klink dankend an. „Das ist eine Win-win-Situation für beide Seiten in dieser Zeit.“

Wenn Martina Kranemann die Aktion als zweckgebundene Spende über „Dach über dem Kopf“ laufen gelassen hätte, wäre für sie eine Spendenquittung dabei zu holen gewesen. Die hätte sich dann steuerlich absetzen lassen.

Aktion mit Potenzial zum Nachmachen

Weil das aber nicht der ursprüngliche Gedanke Kranemanns gewesen ist, hat die Lünerin die Pizzen, Nudeln und Teigtaschen für die Obdachlosen persönlich bestellt und am Dienstag (31.3.) mit Luigi Marangio eine Übergabe auf halber Strecke zwischen Bochum und Lünen ausgemacht.

Gegen Mittag kam das ungewöhnliche Pizzataxi dann zur Obdachlosenunterkunft in Lünen. Ein Beispiel, das Schule machen darf, wie Klink betont. Gerne mit weiteren Bestellungen bei Marangio oder, je nach Wunsch der Spender, auch mit anderen Restaurants. „Dach über dem Kopf“ ist täglich bis 13 Uhr unter Tel. (02306) 41711 zu erreichen.

Unterstützung von Stadt Lünen läuft an

Auch in Bezug auf die Nutzung der Übernachtungsstelle als Tagesstätte für Obdachlose gibt es gute Nachrichten. Die von der Stadt vergangene Woche zugesagte Unterstützung ist angelaufen. Ein zusätzlicher Hausmeister unterstützt die Arbeit des Vereins jetzt an drei Tagen in der Woche. „Die weitere Betreuung bewältigen wir mit eigenen Kräften“, so Klink. Dafür werde es finanzielle Unterstützung der Stadt geben. „Wir ziehen hier alle an einem Strang.“

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