Laut Corona-Schutzverordnung dürfen in Wettbüros auch im Lockdown Wettscheine und Spielscheine abgegeben werden. © picture alliance / dpa
Corona-Lockdown

Polizeieinsätze in Lünen: Dürfen Wettbüros öffnen im Lockdown?

Gleich zwei Mal wurde die Polizei am Mittwochabend (16.12.) in ein Wettbüro an der Waltroper Straße gerufen. Zu Wettbüros gibt es in der NRW-Corona-Schutzverordnung eindeutige Regelungen.

Zwei Anrufer hatten am Mittwochabend (16.12.) die Polizei alarmiert, weil sie Kunden in einem Wettbüro an der Waltroper Straße in Brambauer gesehen hatten. Dabei war doch der erste Tag des harten Lockdowns, an dem viele Geschäfte schließen mussten. Das Wettbüro aber war geöffnet. Darin sahen die Anrufer einen Verstoß – fälschlicher Weise, wie sich herausstellen sollte.

Zum ersten Mal fuhr die Polizei um 18.20 Uhr zu dem Wettbüro in Brambauer. Um Amtshilfe zu leisten, denn auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren vor Ort. Sie informierten darüber, dass ein Zugang zum Wettbüro auch im Lockdown erlaubt ist – allerdings nur jeweils einem Kunden pro 10 Quadratmeter Fläche.

Sein Ladenlokal habe eine Fläche von knapp 60 Quadratmetern, sagte der Betreiber des Wettbüros am Freitag im Gespräch mit der Redaktion. Es seien also laut Corona-Schutzverordnung fünf Kunden gleichzeitig in den Räumlichkeiten gestattet. Käme ein sechster Kunde, müsse dieser draußen warten: eine Regelung, die er selbstverständlich einhalte – wie alle anderen auch, seitdem er 2005 sein Wettbüro eröffnet hatte. Dass das auch für den fraglichen Mittwoch, dem Tag eins des bundesweiten Lockdowns gelte, bewiesen die Videoaufnahmen aus seinem Geschäft. Gleichzeitig seien nur zwei Kunden in dem Ladenlokal gewesen. Dass alles nach der Corona-Schutzverordnung abgelaufen sei, hätte ihm die Ordnungsbehörde Lünen auch bestätigt.

Der zweite Anruf eines besorgten Bürgers bei der Polizei kam gut eine Stunde später am Mittwoch. Laut Polizei-Pressestelle fuhren die Beamten um 19.35 Uhr noch einmal zur Waltroper Straße. Zeugen hatten gemeldet, dass in dem Wettbüro kein Mund-Nasen-Schutz getragen worden sei.

Corona-Schutzverordnung des Landes erlaubt Wettbüros

Stadt-Pressesprecher Benedikt Spangardt verweist auf den Paragraphen 10 der Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, in dem es um Freizeit- und Vergnügungsstätten geht. In Absatz 1a, heißt es: „In Wettannahmestellen, Wettbüros und so weiter ist nur die Entgegennahme der Spielscheine, Wetten und so weiter gestattet.“ Das bedeutet also: Zahlreiche Einzelhändler müssen ihre Geschäfte schließen, Wettannahmestellen und Wettbüros dürfen öffnen, um Wettscheine entgegen zu nehmen.

Festgelegt ist in dem Paragraphen auch, dass „ein darüber hinausgehender Aufenthalt in den betreffenden Einrichtungen (etwa zum Mitverfolgen der Spiele und Veranstaltungen, auf die sich die Wetten beziehen)“ unzulässig sei.

Anzahl der Personen ist geregelt

Geregelt ist ebenfalls die Anzahl von Personen in den Geschäftsräumen. Die Anzahl „von gleichzeitig in den Geschäftsräumen anwesenden Kundinnen und Kunden darf eine Person pro zehn Quadratmeter nicht überschreiten.“ Diese Regelung hatten die Mitarbeiter der Lüner Ordnungsbehörde wohl bei der Kontrolle in Brambauer im Auge, so Spangardt: „In diesem Falle haben sich die Kollegen auf die oben angeführte Passage aus der Verordnung bezogen.“

Zu dem Fall der Polizei-Einsätze bei dem Wettbüro in Brambauer sagt Stadt-Pressesprecher Spangardt weiter: „Als Stadtverwaltung wenden wir die von der Landesregierung erlassenen Regeln an.“

Bezogen auf die Anrufe von Anwohnern bei der Polizei, die sich über das geöffnete Wettbüro wunderten, meint Spangardt: „Insbesondere im Falle bestimmter Ausnahmen vom Lockdown können wir durchaus nachvollziehen, wenn Bürgerinnen und Bürger unsicher sind, ob bestimmte Betriebe öffnen dürfen oder nicht.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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