Pottsteine: Lünerin hat für sich und ihre Enkel ein kreatives Hobby entdeckt

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Seit einer Weile liegen sie überall: Bemalte Steine. Was steckt hinter diesem Trend und wer sind die Künstler? Wir haben eine Lünerin getroffen, die dieses Hobby für sich entdeckt hat.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 21.01.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit vier Monaten hat Ulrike Stolz-Schindler ein neues Hobby für sich entdeckt: Sie bemalt Steine. Gemeinsam mit dreien ihrer Enkel beschäftigt sich die 56-Jährige seitdem mit Farben und Lacken und sucht immer neue Motive. So sind bisher BVB-, Fliegenpilz-, Tannenbaum-, Engels-, Wolken- oder Marienkäfersteine entstanden. Oder solche mit Sprüchen, zum Beispiel „Glück muss man leben“.

Etwa 35 große Kiesel haben die vier bisher bemalt. Der besondere Kick dabei: Die kleinen Kunstwerke werden anschließend in die Freiheit „ausgewildert“. Und: Die vier Steinebemaler sind mit ihrem Hobby nicht allein, sondern Teil eines Trends der sich, so erzählt Stolz-Schindler, von den USA ins Ruhrgebiet und dann nach ganz Deutschland verbreitet hat.

Ulrike Stolz-Schindler (l.) bemalt Pottsteine, die sie anschließend „auswildert“.

Ulrike Stolz-Schindler (l.) bemalt Pottsteine, die sie anschließend „auswildert“. © Kristina Gerstenmaier

Und zwar über das soziale Netzwerk Facebook.

9096 Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe „Pottsteine“ inzwischen, allein in den vergangenen 30 Tagen kamen 1731 neue dazu und es wurden über 3000 Beiträge gepostet. Sublokalere Gruppen wie „Lippe Stones“, „HER Steine“ (Herne), „Hammstones“ (Hamm) oder „Ruhrsteine“ liegen im dreistelligen Mitglieder-Bereich.

Hunderte Gruppen gibt es inzwischen, in allen Bundesländern. Neben den Berichten über „ausgewilderte“ Steine leben diese Gruppen vor allem von den Posts derjenigen, die einen solchen Stein gefunden haben. Auf der Vorderseite sind ganz verschiedene Motive - teils richtige Kunstwerke, teils Kinderzeichnungen, jeder kann mitmachen und wird zum Künstler -zu sehen, auf der Rückseite gibt es den Hinweis auf die jeweilige Facebook-Gruppe und die Bitte, den Fund zu posten.

Auf der Suche nach Freizeitbeschäftigung

„Wenn einer unserer Steine gefunden wurde und dann auf Facebook erscheint, dann freuen sich meine Enkelkinder, wie wenn das Christkind kommt“, erzählt Ulrike Stolz-Schindler. Vor einigen Monaten hatte ihr eine Freundin von dem Trend erzählt und sie sich gedacht, ‚das wäre auch was für uns‘. Regelmäßig betreut sie vier ihrer neun Enkelkinder.

Immer ist sie auf der Suche nach neuen Beschäftigungen für die Fünf-, Sieben-, und Zwölfjährigen; die Zweijährige sei noch zu klein. „Ich möchte auch nicht immer nur Barbie-Puppen spielen“, sagt die Lünerin. „Die Pottsteine sind eine super Freizeitbeschäftigung, viel besser als Fernsehen.“

An Weihnachten zum Beispiel seien die Kinder sehr unruhig gewesen. Also holte die Oma eine Ladung Steine und Farben hervor und es wurde gemalt. „Die Kinder haben die Ideen“, freut sie sich. Immer Neues, zu Weihnachten Tannenbäume und Geschenke, um Silvester herum Kleeblätter und Glückssprüche und sonst viel aus der Natur, wie Wolkenbilder.

„Freudeschenkende Idee“

Wenn ein neuer Schwung Steine bemalt ist geht Stolz-Schindler mit Enkeln und Hund nach draußen und legt die Steine aus: Rund um den Cappenberger See haben sie schon welche verteilt, auf dem Lippedamm, im Wald oder vor Krankenhäusern und Arztpraxen. Stolz-Schindler möchte ihre Enkel glücklich machen, aber auch die Finder. Danach heißt es warten. Die Kinder platzen fast vor Ungeduld, ob einer der Steine gepostet wird. Vor allem die Fünfjährige sei immer sehr aufgeregt.

Viele der Steine sind jedoch verschwunden, lediglich vier erschienen bisher in der Gruppe. Einer vergangene Woche. Ausgelegt hatte die Truppe ihn vor dem St.-Marien-Hospital, gefunden wurde er vor der Klinik am Park. „Wird heute Abend wieder ausgewildert, um dem Nächsten den Tag zu versüßen“, schreibt Finderin „Sunny Lohmar“.

„Ich finde die Idee richtig schön. Seit längerem sehe ich die netten bunt bemalten Steine - im Wald, in Astgabeln, auf Wegmarkierungen - und hab mich einfach darüber gefreut. Eine schöne, freudeschenkende Idee.“ Ein anderer Stein kam sogar mit auf Kreuzfahrt, aus jedem Hafen gab es ein Foto.

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