Prozess vor dem Amtsgericht: Zufallsbegegnung endet in heftigem Streit und Beleidigung

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Im Juli gerieten in Lünen zwei Männer heftig aneinander. Im Verlauf des Streits soll der Ältere den Jüngeren beleidigt und von Vergasen gesprochen haben. Nun hatte der Disput ein Nachspiel.

von Sylvia Mönnig

Brambauer

, 14.03.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Parkplatz an der Brechtener Straße wurde am 2. Juli zum Schauplatz einer Auseinandersetzung zwischen einem 70-jährigen Mann aus Waltrop und einem 28-jährigen Lüner. Zu dem, was den Zwist auslöste und was dann geschah, gab es danach zwei Versionen. Dem Rentner wurde nun im Prozess vor dem Lüner Amtsgericht zur Last gelegt, den jüngeren Mann als „Abschaum“ und „Wichser“ tituliert zu haben. Auch, und das wog am schwersten, sollte er geäußert haben: „Die sollte man alle vergasen.“ Auf einem Video, das der Jüngere letztlich mit seinem Handy aufzeichnete, waren gegenseitige Beleidigungen zu vernehmen. Doch die verabscheuungswürdigen Worte zum Thema Vergasen sollte der 70-Jährige bereits zuvor geäußert haben.

Beschuldigter bestreitet Formulierung

Das aber, so beteuerte der Senior jetzt immer wieder, habe er gewiss nicht gesagt. In seiner Version stand der 28-Jährige so in der Einfahrt zum Parkplatz, dass er einen Bogen fahren musste. In dem Moment habe der Mann einen Schritt auf sein Auto zugemacht. Danach sei er hinter ihm hergelaufen. Später, nach einer Runde um den Block, die er in der Hoffnung drehte, der Fremde würde in der Zwischenzeit verschwinden, habe der noch immer dort gestanden, habe gegen den Wagen geklopft und behauptet, er sei ihm über den Fuß gefahren, habe ihm gedroht und ihn beleidigt. Irgendwann habe auch er seine gute Erziehung vergessen, habe ihn beschimpft und dabei unter anderem Wichser gesagt. Das tue ihm leid. Aber von Vergasen sei keine Rede gewesen.

„Ich schwöre darauf, dass er das gesagt hat. Und das hat auch meine Frau am Handy gehört“, versicherte der Jüngere kurz darauf im Zeugenstand. Der 28-Jährige bestätigte, dass ihm der Ältere über den Fuß gefahren und es zum Konflikt gekommen sei. Auch gab er zu, den Rentner ebenfalls beschimpft zu haben – unter anderem als Pfeife. Im Anschluss wurde die Frau des jungen Lüners befragt. Sie, die in dem Moment mit ihrem Mann telefonierte, war sich absolut sicher, die Worte Abschaum und Vergasen gehört zu haben.

Rentner freigesprochen

Es stand Aussage gegen Aussage und Richter Ulrich Oehrle resümierte: „Alle gleichzeitig können nicht die Wahrheit sagen.“ Von wechselseitigen Beleidigungen „zweier Wüteriche“ war er überzeugt, nicht aber davon, dass der Angeklagte den von ihm heftig verurteilten Satz bezüglich des Vergasens äußerte. Deshalb erklärte er den Rentner für straffrei.

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