Das Amtsgericht Recklinghausen: Hier musste der Lüner auf der Anklagebank Platz nehmen. © Jörn Hartwich
Amtsgericht Recklinghausen

Radfahrer aus Lünen bricht Student die Nase: Jetzt war der Prozess

Ein Radfahrer aus Lünen hat einem Studenten beim Parkfest in Waltrop die Nase gebrochen. Der Fall bleibt jedoch ungeklärt. Jetzt stand der Lüner vor Gericht. So fiel das Urteil aus.

Über zwei Meter groß, kräftige Statur, Gerüstbauer von Beruf: Der Mann aus Lünen, der am Donnerstag (29.7.) auf der Anklagebank des Amtsgerichts Recklinghausen Platz nehmen musste, hinterlässt allein durch sein Aussehen mächtig Eindruck. Die Staatsanwaltschaft hatte anfangs auch keinen Zweifel, dass er der Mann ist, der im August 2019 zum Auftakt des Parkfestes in Waltrop einem Studenten durch wuchtige Faustschläge die Nase gebrochen hat. Beweisen ließ sich das jedoch nicht.

„Ich habe schon geschlafen“

Der Student war damals mit mehreren jungen Frauen auf dem Weg zum Festgelände. Die Gruppe lief auf dem Bürgersteig der Dortmunder Straße, als von hinten plötzlich zwei Radfahrer kamen – ein Mann und eine Frau. Was dann passierte, ist eigentlich kaum zu glauben: Von Seiten der Radfahrer kamen wüste Beleidigungen. Man solle gefälligst Platz machen.

Warum die beiden Radfahrer nicht einfach über den Radweg vorbeigefahren sind, sondern anhielten, ist nicht ganz klar. Ein Mädchen wurde geschubst, schlug sich das Knie auf, das Handy ging kaputt. Als der Student dazwischengehen wollte, hagelte es Faustschläge – direkt ins Gesicht. Ein Auge schwoll zu, die Nase war gebrochen.

Der 32 Jahre alte Angeklagte aus Lünen wollte damit jedoch nichts zu tun haben. „Ich war zu Hause bei meinen Eltern, habe schon geschlafen“, sagte er der Richterin. Was Vater und Stiefmutter im Prozess auch bestätigt haben. „Er musste immer um 22 Uhr zu Hause sein, hatte keinen Schlüssel“, so der Vater.

Strenge Regeln für 32-Jährigen

Was sich im Falle eines 32-Jährigen vielleicht etwas seltsam anhört, hatte jedoch einen ernsten Hintergrund. Der Vater hatte seinen Sohn vor rund 14 Jahren wegen dessen Drogenproblematik aus dem Haus geworfen und ihn gerade erst wieder aufgenommen. „Ich habe davor unter der Brücke geschlafen, war froh wieder einen Schlafplatz zu haben“, so der Angeklagte. Dass er so früh zu Hause sein musste, war eine Bedingung ohne Ausnahme.

Der Lüner hatte sein Leben damals gerade wieder in den Griff bekommen. Er hatte einen Job als Gerüstbauer in Aussicht, den er kurz darauf auch bekommen hat. Inzwischen sei das Vertrauen des Vaters so groß, dass er auch wieder einen Schlüssel habe.

Identifizierung schwierig

„Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich die Anklage bekommen habe“, sagte er der Richterin. Das Problem: Der Student konnte ihn bei seiner Zeugenvernehmung im Prozess nicht eindeutig identifizieren. „Ich glaube, er wars“, so dessen Erklärung. Sicher sei er sich aber nur zu 70 Prozent.

Für Staatsanwaltschaft und Gericht war das für eine Verurteilung allerdings nicht ausreichend. Der 32-Jährige wurde freigesprochen.

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Gerichtsreporter

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