Die Mitglieder der Vintage Radgruppe aus Lünen pflegen ihre teils sehr alten Rennräder, damit sie auch gut erhalten bleiben. © Braun
Club gegründet

Radler aus Lünen und Umgebung leben ihre Liebe zu Vintage-Rennrädern

Schneller, leichter, mehr Gänge - so sehen die Fahrräder heute aus. Eine Gruppe Lüner steigt lieber auf altgediente Rennräder. Sie gründeten einen Club für Vintage-Radler.

Zugegeben, der Name ist ein echter Zungenbrecher. Aber die Gründer des Liunon Cycle Classic Clubs (LCCClub) haben sich natürlich etwas dabei gedacht. Liunon ist die ursprüngliche Schreibweise der Stadt Lünen, wie sie in den Jahren 1082-1096 üblich war. „Hiermit soll dem Vintage-/Retro-Style Ausdruck verliehen werden“, sagt Stephan Braun.

Liebe zu alten Rädern liegt in der DNA

Vor einem Jahr hatte er die Idee, sich mit Gleichgesinnten in einem Club zusammenzutun, die es wie er lieben, mit gut erhaltenen alten Stahl-Rennrädern unterwegs zu sein. „Das liegt einem in der DNA“, hat er inzwischen auch von vielen Mitstreitern erfahren. Statt die immer leichteren Carbon-Räder für ihre Touren zu nehmen, die heute bis zu 22 Gänge aufweisen, radeln sie lieber mit den alten Schätzchen.

Die Mitglieder der Vintage Radgruppe bei ihrem Ausflug nach Fröndenberg. Hier die Spendenübergabe zwischen Bernd Kern (Rennradmuseum) und Stephan Braun (Initiator LCCCLUB).
Die Mitglieder der Vintage Radgruppe bei ihrem Ausflug nach Fröndenberg. Hier die Spendenübergabe zwischen Bernd Kern (Rennradmuseum) und Stephan Braun (Initiator LCCCLUB). © Braun © Braun

Die sind deutlich schwerer – „im Schnitt vier bis fünf Kilo“ – und haben nur sechs bis 14 Gänge. „Die Vintage-Szene wächst enorm“, so Stephan Braun, der auch im Radsportverein Lippe 23 engagiert ist. Mit dem hat aber der LCCClub nichts zu tun, auch wenn einige Mitglieder des Radsport-Vereins auch im Club dabei sind. Die Liebe zu den Vintage-Rädern ist das verbindende Element und der Zulauf werde immer größer.

„Die Räder, die wir nutzen, sind etwa 30 Jahre alt, mindestens“, so Braun. Sein eigenes Zweirad stammt aus dem Jahr 1994. Passend dazu hat er auch ein geschenktes Meister-Radtrikot, das er in Ehren hält. Mit seinem alten Rad und Trikot und anderen Club-Mitgliedern war Braun jetzt im neuen Rennrad-Museum in Fröndenberg.

Offiziell geführte Tour zum Rennradmuseum

Start der Tour war am Cappenberger See – natürlich nur mit Retro-Rennrädern und in entsprechender Kleidung. „Einmal im Jahr bieten wir eine offizielle geführte Tour an.“ Für die Vintage-Radler ist der Weg das Ziel, der Spaß am Radfahren eben nicht mit einem High-Tech-Gefährt oder gar mit einem E-Bike.

Oben angekommen an der Eule. Ein bekanntes Radsportdenkmal in Fröndenberg zu dem ein steiler Anstieg mit bis zu 13 % Steigung führt.
Oben angekommen an der Eule. Ein bekanntes Radsportdenkmal in Fröndenberg zu dem ein steiler Anstieg mit bis zu 13 % Steigung führt. © Braun © Braun

Im Museum, das in der Nähe des Ruhrradweges liegt, bekamen die Club-Mitglieder eine Führung und sahen das Rennrad von Tour-de-France-Teilnehmer Erik Zabel. Aber auch ganz alte Zweiräder, das älteste stammt von 1838, sind dort zu bewundern. Auch ein Rahmenbauer, der unter den Rennradfahrern Kultstatus genießt, spielt in dem Museum eine wichtige Rolle. Der 2011 in seiner Heimatgemeinde Fröndenberg gestorbene Hugo Rickert, der in Dortmund Rahmen für bekannte Rennfahrer baute, wird im Museum gewürdigt.

Hans Kuhn (Rennradmuseum) und Jörg Zweigel (ehemaliger 1 Vorsitzender des RSV Lippe 23 Lünen).
Hans Kuhn (Rennradmuseum) und Jörg Zweigel (ehemaliger 1 Vorsitzender des RSV Lippe 23 Lünen). © Braun © Braun

Da das Museum sich im Aufbau befindet und durch die Corona-Pandemie nicht so viele Besucher wie erhofft kommen konnten, übergab Jörg Zweigel, ehemaliger 1. Vorsitzender des RSV Lippe 23 Lünen, eine Spende an Hans Kuhn für das Rennradmuseum.

Bei ihrer Tour kehrten die Radler auch im Stahlhaufen Rad-Café in Unna ein, passend zu den Rennrädern aus Stahl. Und die Radler bewältigten eine 13-prozentige Steigung hoch zum Eulendenkmal, das viele Radrennfahrer anfahren, eben weil der Weg so steil ist. Braun: „Das ist ein Mekka für Radsportler und mit unseren Rädern war das schon eine kleine Herausforderung.“

Mainstream ist nicht die Sache der radelnden Clubmitglieder. Braun: „Uns geht es darum, an die alten Zeiten zu erinnern und für uns ist der Weg mit den Rädern das Ziel.“ Die erste Tour des Clubs führte übrigens 70 Kilometer durch das Münsterland. Start für die Retro-Rennräder und ihre Fahrer war passenderweise ein historischer Ort – die Schlossmühle in Lippholthausen. Die Fahrer kamen aus Lünen, Waltrop, Dortmund Hamm. Infos zum Club und Fotos von den Touren gibt es im Internet www.lccclub.de

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.