Radweg statt Parken: Warum es problematisch ist, Autofahrern den Fahrradhelm überzustülpen

mlzMeinung am Mittwoch

Der Parkstreifen an der Konrad-Adenauer-Straße soll Radweg werden. Der Unmut von Autofahrern ist groß. Ihnen einfach „den Fahrradhelm überzustülpen“, sieht Gastautor Kevin Tigges kritisch.

Lünen

, 18.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Auto stehen lassen und sich lieber auf den Fahrradsattel schwingen: Das Radfahren erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Städte und Kommunen reagieren darauf – und auch in Lünen bewegt sich diesbezüglich etwas.

Die erste Maßnahme betrifft die Konrad-Adenauer-Straße. Dort wird der Abschnitt zwischen der Lippebrücke und der Kreuzung an der Borker Straße saniert. Das soll sich vor allem für die Radfahrer lohnen, denn sie bekommen einen neuen Fahrradweg.

Radweg statt Parken: Warum es problematisch ist, Autofahrern den Fahrradhelm überzustülpen

Gastautor Kevin Tigges. © Quiring-Lategahn

Gastautor Kevin Tigges ist Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“

Damit will Lünen das Radeln attraktiver machen und natürlich auch klimafreundliche Politik betreiben. Der Haken: Der rechte Seitenstreifen – und damit die zahlreichen kostenfreien Parkplätze – muss dafür weichen. Der Unmut der Autofahrer ist verständlicherweise groß. Immerhin ist bereits ein Radweg vorhanden und könnte einfach mitsaniert werden.

Parksituation in Anliegerstraßen verschärft sich

Besonders hart trifft es die Berufstätigen, die dort parken, um zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Es ist zu befürchten, dass sie nun tief ins Portemonnaie greifen müssen, um einen Stellplatz in den umliegenden Parkhäusern zu mieten. Darüber hinaus könnte sich die Parksituation in den umliegenden Straßen verschärfen, was zum Leidwesen der Anwohner geschehen würde. Warum also diese Veränderung? Werden im Gegenzug woanders neue kostenfreie Parkmöglichkeiten geschaffen?

Autos raus aus der Innenstadt

Des Weiteren zieht die Stadt in Erwägung, die Graf-Adolf-Straße zu einer Fahrradstraße zu erklären. Damit will man dafür sorgen, dass die Autos die Innenstadt zukünftig meiden und vermehrt auf die umliegenden Straßen B54 und 236 ausweichen. Doch in Anbetracht der dortigen Verkehrsbelastung ist dies kaum eine Alternative – wenn auch in puncto Ampelschaltung nachgebessert werden soll.

Schließlich plant man auch die nördliche Fußgängerzone zur Fahrradstraße zu erklären. Dort, wo bereits jetzt Fahrradfahrer und Fußgänger immer wieder in Konflikt geraten. Inwiefern die Pläne der Stadt eine Harmonie herbeiführen können, bleibt also abzuwarten.

Umdenken wichtig, doch Autofahrer werden übergangen

Kurzum: Es geht mir nicht darum, die fahrradfreundliche Politik der Stadt zu kritisieren. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach ist es sogar wichtig und richtig, dass sich ein Umdenken vollzieht und mehr Menschen Alternativen nutzen. Und auch dass die Sicherheit für Radfahrer erhöht wird.

Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die große Mehrheit der Lüner aktuell nicht auf das Auto als Hauptverkehrsmittel verzichten will oder kann und sich deshalb übergangen fühlt. Ihnen nun einfach „den Fahrradhelm überzustülpen“, empfinde ich als problematisch.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchngemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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