Radwege, Park, Klimaproteste: Jetzt schaltet alle mal einen Gang runter

mlzKolumne „Jetzt mal unter uns“

Es gibt Themen in Lünen, über die man diskutieren kann. Leider tun das die wenigsten, während sich der Rest mit Beleidigungen überbietet. Nicht mehr nur online, wie unser Autor feststellt.

Lünen

, 28.09.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Soll die Konrad-Adenauer-Straße ihren Parkstreifen behalten oder stattdessen einen breiteren Radweg bekommen? Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil es für beide Lösungen durchaus gute Argumente gibt. Die Politik hat sich mehrheitlich für die Radweg-Lösung entschieden.

Die Reaktionen erfolgten prompt. „Steuergeldverschwendung“ war da noch das harmloseste, was in den Sozialen Netzwerken kommentiert wurde. Wer für den Radweg Partei ergriff, wurde postwendend als Öko-Terrorist abgestempelt, der die hart arbeitende Bevölkerung weiter in den Ruin treibt, weil zusätzlich zu CO2-Steuer und Heizöl-Aus nun auch noch die kostenlosen Parkplätze wegfallen. Anders formuliert: „Armes Deutschland.“

Wie sehr müssen sich Menschen von Schülern bedroht fühlen?

Genau diesen Begriff verwendet eine Kommentatorin auf Facebook, als es um die Proteste am Weltklimatag auf dem Europaplatz ging. Auch hier beginne ich mit einem eher harmlosen Beispiel. Gerade was diese Thematik angeht, haben sich ja in den vergangenen Tagen die Ereignisse auf Facebook überschlagen.

Es ist schon interessant, wie sehr sich manche Menschen von Schülern offenbar ernsthaft bedroht fühlen. Anders sind solche Reaktionen wohl kaum zu erklären. Gesunden Menschenverstand erwartet man in diesen Sphären ja schon lange nicht mehr. Dass jetzt aber auch Lüner Aktivistinnen und Aktivisten sich Beleidigungen übelster Art anhören müssen, zeigt, dass niemand, der sich für eine Sache einsetzt, vor Agressivität und Hass sicher ist.

Beschluss wird zur Grundsatzentscheidung erklärt

Womit wir beim Kleinbecker Park wären. Das Ding ist seit Donnerstag eigentlich durch, aber das hatten Teile des Rates und die Verwaltung im Juli auch schon einmal gedacht. Die Frage „Darf der Grundstücksbesitzer hier bauen oder nicht?“ war von den Gegnern des Beschlusses zu einer Grundsatzentscheidung erklärt worden: „Nimmt Lünen den Klimaschutz ernst oder nicht?“

Entsprechend emotional ging es dann im Rat noch einmal her, es wurden (verbal) Äxte auf den Tisch gelegt, Anstiftung zum Rechtsbruch unterstellt, die Verwaltung als Handlanger von Konzernen bezeichnet. Einige Zuschauer auf der Tribüne reagierten, als ob der Rat ihnen gerade persönlich das Haus weggenommen hätte.

Es geht eben auch anders herum: Wer sich für eine Sache einsetzt und scheitert, kann ebenso austeilen wie jene, die sich durch solche Bewegungen attackiert fühlen. Und das ist ein Problem, weil unser System bisher auf dem Prinzip fußt, dass die Mehrheit entscheidet. Und die Mehrheit waren in diesem Fall nicht die 3100 Unterzeichner einer Petition, sondern die 26 Ratsmitglieder.

Politiker sollten mit gutem Beispiel vorangehen

Das muss einem nicht gefallen, aber man muss es akzeptieren (ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in den vergangenen zwölf Monaten schon geschrieben habe). Und es wäre gut, wenn diese Akzeptanz nicht mit Diffamierungen oder Drohungen einhergehen würde.

Und an dieser Stelle wünsche ich mir, dass die Politik mit gutem Beispiel vorangeht. Die Brüllaffen im Netz sind mit Argumenten ohnehin nur schwer zu erreichen, wenn jetzt auch noch die vermeintlichen Vorbilder durchdrehen, fehlt einem irgendwann jegliche Grundlage für irgendein Gespräch.

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