Das Ensemble der Burghofbühne Dinslaken sucht Input für "Berlin kann jeder. Lünen muss man wollen!" Der erste Versuch auf Facebook schlug fehl. © Martin Büttner
Theaterprojekt

Reaktion auf Lünen-Show: „Was hier passiert ist, war schon echt krass“

Die Burghofbühne Dinslaken möchte für ein interaktives Theaterstück über Lünen Geschichten sammeln. Ein Facebook-Aufruf lief jedoch völlig aus dem Ruder - der Anlass sorgt für Kopfschütteln.

Als eine von vier Landestheater-Bühnen beteiligt sich die Burghofbühne Dinslaken an dem Projekt „Berlin kann jeder, (…) muss man wollen!“. Der Untertitel lautet „Die große Kleinstadtshow“, folglich soll anstelle der drei Punkte im Titel der Name einer anderen Stadt stehen. „Wobei schon die Frage, was man unter Kleinstadt versteht, quasi Teil der Projektidee ist“, sagt Bühnensprecherin Verena Caspers auf Anfrage unserer Redaktion.

So wird die Burghofbühne das Stück auch in Leverkusen (mehr als 160.000 Einwohner) oder in Remscheid (mehr als 100.000 Einwohner) aufführen – definitiv keine klassischen Kleinstädte, aber eben auch keine Metropolen. Das Theaterstück basiert auf dem Ansatz, dass die Einwohner ihre Stadt schätzen und lieben – und will sich deshalb Fragen annähern wie „Was ist Provinz und wie lebt es sich hier?“ oder „Welche Chancen bietet die Kleinstadt und wovon träumen die Gemeinden?“.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat die Burghofbühne in mehreren Städten, die das Stück bereits gebucht haben, Aufrufe über das sogenannte soziale Netzwerk Facebook gestartet: „Wir wollen Geschichten aus und über die jeweilige Stadt hören“, so die Sprecherin.

Beleidigungen statt Tipps

Dazu hatte die Burghofbühne einen allgemeinen Text verfasst, der auf jede Stadt anwendbar ist. Verena Caspers räumt ein, dass einige Reaktionen nicht unbedingt positiv waren – allerdings fühlten sich die jeweiligen Einwohner eher aufgrund der Einstufung als Kleinstadt auf den Schlips getreten. „Diese Diskussionen konnte man noch ganz gut in geordnete Bahnen lenken.“

In Lünen sah die Sache jedoch – im Gegensatz zu den anderen 12 bisher für das Stück gebuchten Städten – anders aus. „Das, was dort passiert ist, war schon echt krass“, sagt die Sprecherin. Ein Ensemblemitglied hatte den Text in zwei Lüner Facebook-Gruppen gepostet – und wütende Kommentare erhalten, die alles andere als sachlich waren. Anstatt Geschichten und Tipps gab es Beleidigungen und wüste Angriffe, die weder mit dem Thema noch mit objektiv guten Umgangsformen etwas zu tun hatten.

Das Seltsame dabei: Es ging nicht um das Theaterprojekt. Sondern um die Tatsache, dass der Text geschlechterneutral geschrieben wurde. Die Nutzung des Gendersternchens brachte einige Lüner Facebook-Nutzer offenbar derart auf die Palme, dass sie den einzigen Ausweg, um ihren Schmerz zu lindern, in Beleidigungen gegen das Ensemble-Mitglied sahen. „Wirklich verstehen kann man das nicht“, so die diplomatische Reaktion der Bühnensprecherin.

Ein Post wurde bereits von der Urheberin gelöscht, ein zweiter Post in einer anderen Gruppe ist weiterhin online. Auch dort drehen sich die Kommentare um den „Gender-Sprech“, das eigentliche Thema der Burghofbühne wird weitestgehend verfehlt. „Diese Erfahrung hat einige Kolleginnen und Kollegen dazu bewogen, solche Aktionen nicht mehr zu machen“, zieht die Sprecherin Bilanz. „Stattdessen wollen wir vielleicht mit einem Aufruf als Burghofbühne einen neuen Versuch starten.“

Aufführung im Frühjahr 2022

Denn aufgeben will man das Projekt für Lünen nicht – zumal das Wandertheater für das Frühjahr 2022 vom Kulturbüro, das als Veranstalter auftritt, gebucht ist und nicht nur das Ensemble hofft, dann auch tatsächlich wieder im Hilpert-Theater auftreten zu können. Geschichten über Lünen dürfen nach wie vor erzählt werden – auch wenn die ersten Eindrücke aus der Lippestadt für die Bühnenmitglieder vielleicht nicht die Besten waren. „Etwas Material war ja schon dabei. Ob und wie wir das nutzen, ist aber noch nicht endgültig klar“, sagt Verena Caspers.

Wer Interesse hat, etwas zur „großen Kleinstadtshow“ beizutragen, kann sich direkt an die Burghofbühne wenden: Tel. (02064) 41100, E-Mail info@burghofbuehne-dinslaken.de.

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Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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