Rechter Redner auf Grundgesetz-Demo in Lünen - Organisator schweigt

mlzWilly-Brandt-Platz

In Lünen versammeln sich am Samstag (30.5.) wieder Menschen, um für das Grundgesetz zu meditieren - politisch unabhängig, heißt es. Unter den Rednern der Vorwoche war aber auch ein AfD-Mann.

Lünen

, 27.05.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Peter Pasternak organisiert die Demonstrationen, die seit drei Wochen zunächst auf der Lippebrücke und anschließend auf dem Willy-Brandt-Platz in Lünen stattfinden. Zuletzt um die 50 Menschen trafen sich, um „eine Stunde lang mit dem Grundgesetz in der Hand zu meditieren“, wie der Organisator sagt.

Dabei legt Pasternak Wert darauf, dass die Veranstaltung „parteipolitisch unabhängig“ sei: „Wir fragen niemanden nach seiner Gesinnung, oder seinem Parteibuch. Die Redebeiträge werden nicht kontrolliert und jeder darf bei uns seine Meinung frei vertreten.“

AfD-Redner mit Solidarität für Neonazi

So auch Hans-Otto Dinse, Mitglied der AfD im Kreis Unna und Anhänger des mittlerweile aufgelösten rechtsextremen „Flügels“. Auf seinem Facebook-Profil führt Dinse einen Privatkrieg gegen den Klimawandel, nennt die Partei der Grünen die „Zerstörer der traditionellen Familie“ und erklärt sich solidarisch mit dem Neonazi Andreas Kalbitz, nachdem dessen Mitgliedschaft in der AfD für nichtig erklärt worden war.

Genau wie andere Redner auch konnte Dinse seinen Ansichten auf dem Lüner Marktplatz im Rahmen der Demonstration kundtun. Dass Rechtsextremisten die so genannten „Hygienedemos“ für ihre Zwecke nutzen, hatte sich in Dortmund sowie in anderen Städten bundesweit gezeigt.

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Die Redaktion wollte von Pasternak wissen, in welcher Beziehung er zu Hans-Otto Dinse steht, ob er ihn zu seiner Demo eingeladen habe und ob er Dinses Meinung teile, dass in Deutschland eine „Diktatur heraufziehen“ würde, wie der auf Facebook in einem Post zur Lüner Veranstaltung schreibt. Pasternak beantwortete die Fragen nicht, sondern verwies auf das Ziel seiner Veranstaltung: „Stärkung des Grundgesetzes und der darin enthaltenen Grundrechte mit dem friedlichen Mittel der Meditation.“

Zudem betonte er gegenüber der Redaktion, dass man „ausdrücklich nicht von Ihnen und Ihren Kollegen in die Nähe von ,Corona‘, oder etwaigen parteipolitischen Ränkespielen künstlich herbeigeschrieben zu werden“ wünsche.

Am Samstag wieder im Namen des Grundgesetzes

Den Hinweis, dass der Auftritt des AfD-Mannes real und nicht künstlich geschrieben sei, sowie die erneute Frage, wie er als Verantwortlicher zu den Zielen der AfD stehe, ignorierte Pasternak abermals. Stattdessen warf er der Redaktion Schizophrenie vor und verglich sie mit den Kreuzfahrern, „die in ihrem religiösen Wahn vergessen haben, dass es die Zehn Gebote gibt und das Fünfte ,Du sollst nicht töten‘ lautet.“

Am Samstag (30.5.) werden sich Meditierenden um 15.30 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz aber nicht im Namen der Zehn Gebote, sondern wieder unter Berufung auf das Grundgesetz versammeln.

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