In diesem Jahr war die Erdbeersaison in der Region alles andere als zufriedenstellend. © Dennis Goerlich
Erdbeersaison 2021

Regen, Hitze, Unwetter: Bauern erleben enorme Pleite bei der Erdbeerernte

Erdbeeren mögen gerne trockenes Wetter und wenig Regen. In diesem Jahr verlief die Saison jedoch anders als geplant. Erdbeerhöfe in Selm, Nordkirchen und Lünen kämpften um jede Frucht.

Schön rot und süß sollen sie sein und am besten gleich in großen Mengen im Pflückkorb landen. Auch für die diesjährige Erdbeersaison wurden in Lünen, Capelle und Selm viele Felder mit den Früchten bepflanzt. Doch die Bilanz für 2021 ist ziemlich durchwachsen.

In ganz Nordrhein-Westfalen gab es enorme Einbußen in der Ernte: Im Freiland sind 34,2 Prozent weniger Erdbeeren als 2020 gepflückt worden, in den geschützteren Tunneln gab es einen Verlust von 17,4 Prozent, heißt es in einer Pressemitteilung des statistischen Landesamtes IT NRW. Die Erdbeerbauern in der Region mussten teilweise um jede Frucht kämpfen und hatten oftmals keine Chance ihre Ernte kompletzu retten.

Schuld war eigentlich nur das Wetter, erklärt Bettina Höfer vom Bauernhof Mertin, der ein Feld zum Selbstpflücken in Lünen hat. Hitze, Fäulnis und viel zu viel Regen, einfach ein schwieriges Erdbeerjahr – so fasst sie die Lage zusammen. Anfang des Jahres habe es überdurchschnittlich warme Tage gegeben, sodass die Früchte so schnell gereift sind, dass sie überhaupt keinen Fruchtzucker entwickeln konnten.

Erdbeersaison konnte erst viel später als sonst starten

Dann kam der Wetterumbruch und viele regnerische Wochen mit starken Unwettern prägten das Bild. Dadurch bekamen die Erdbeeren dann Wasserflecken, erklärt Höfer. „Man war einfach frustriert, da wir gegen das Wetter einfach machtlos sind.“ Landwirte sind es jedoch gewohnt, mit der Natur zu arbeiten und wissen, dass nicht jedes Jahr gleich gute Voraussetzungen bieten kann.

Die Folge des schlechten „Erdbeerwetters“: Die Höfe konnten viel später als sonst mit der Ernte beginnen. Mit 14 Tagen Verzug ging es auf dem Hof Mertin los, für die Pflücker des Hofes Pröbsting in Capelle sogar gut drei Wochen später als sonst. Somit fehlen auch die Einnahmen aus dieser Zeit.

Der Hof Pröbsting in Capelle konnte durch das schlechte Wetter erst viel später mit der Ernte loslegen. © Dennis Goerlich © Dennis Goerlich

In den Tunneln, die vor Regen und Wind geschützt sind, ging es ebenfalls nicht wie geplant los. Dort brauchen Erdbeeren auch genug Wärme, erklärt Anne Pröbsting. „Da es lange Zeit kalte Temperaturen und wenig Sonnenschein gab, konnte auch keine Treibhaus-Situation entstehen.“ Durch die Dürre der vergangenen Jahre, in denen man verfrüht mit der Ernte begonnen hatte, komme es einem aber nur so vor, dass man spät dran sei, findet der Selmer Erdbeerbauer Hubertus Bleckmann.

Hochwasser und Hitze war erneuter Schlag für Erdbeerbauern

Als im Juni plötzlich bis zu 30 Grad auf dem Thermometer standen, verschlechterte sich die Situation erneut, da die Früchte auf den Feldern alle gleichzeitig reif und qualitativ eher weich waren. Die Hochwasserkatastrophe hat den Erdbeer-Höfen dann den letzten Rest gegeben. „Die Bestände konnten nicht trocknen und die Früchte sind nach dem Pflücken nicht mehr so lange haltbar“, erklärt Bleckmann.

Das Wetter hatte auch einen Einfluss auf die Anzahl der Selbstpflücker, die ebenfalls einiges an Einnahmen generieren. „Bei Regen will keiner im matschigen Feld stehen und Erdbeeren pflücken“, so Bettina Höfer. Der Hof von Hubertus Bleckmann hat seine Früchte teilweise überhaupt nicht unter die Leute bekommen, während man 2020 zu wenig Erdbeeren hatte.

Qualität und Quantität in den Tunnel zufriedenstellend

Die Tunnelware hat für viele Erdbeerbauern die Saison gerettet, da der Wettereinfluss dort deutlich geringer als auf den Freilandfeldern ausfällt. Zwar sei der Aufwand viel höher, jedoch gebe es eine hohe Sicherheit viele und gute Erdbeeren zu ernten, erklärt Hubertus Bleckmann.

Trotzdem sind die finanziellen Einbußen in diesem Jahr enorm. Der Hof Mertin konnte nur 30 bis 40 Prozent der Einnahmen aus dem Vorjahr generieren, beim Hof Pröbsting waren es Verluste von 25 Prozent. Was man zu Beginn der Saison durch den verspäteten Start nicht verkauft hat, ist nicht mehr aufzuholen. Denn zum einen endet die Saison Anfang August. Und zum anderen würden die Menschen nicht mehr Erdbeeren kaufen, nur weil sie vorher keine gegessen haben, erläutert Anne Pröbsting das Problem.

Hubertus Bleckmann relativiert die Zahlen jedoch, denn 2020 war ein außergewöhnlich gutes Jahr für Erdbeerbauern. „Im Vergleich zu den Vorjahren müssten die Einbußen wahrscheinlich viel höher sein“, erklärt er.

Ernte hat keinen Einfluss auf Preis und Supermarkt-Auswahl

An den Erdbeerpreisen hat sich auf den drei Höfen durch die schlechte Ernte nicht viel geändert. Die Kilopreise liegen weiterhin zwischen 7,60 Euro (Hof Pröbsting) und 8,50 Euro (Hof Mertin). Bei Hubertus Bleckmann zahlt man 7,90 Euro.

Auf das Angebot in den Supermärkten hatte der Ernteverlust ebenfalls keine Auswirkungen, ganz im Gegenteil. Während in den ersten Sommermonaten noch viele Erdbeeren importiert wurden, wurden Mitte Juni vermehrt heimische Früchte verkauft, erklärt Saskia Wietmann von der Landwirtschaftskammer NRW. Somit kam es auch zu keinen Engpässen.

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