Restaurantbesuch in Lünen: Ein kurioser Corona-Abend im Bella Italia

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Die Restaurants haben endlich wieder geöffnet. Allerdings sorgt die Corona-Krise für manch absurde Situation, wie unser Autor bei seinem ersten Date seit einer gefühlten Ewigkeit feststellt.

Lünen

, 14.05.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Okay, streng genommen ist es ja kein Date, wenn ich mit der schönsten Frau der Welt ausgehe - schließlich bin ich ja seit zehn Jahren mit ihr verheiratet. Dank Corona fühlt es sich aber fast so an: Acht Wochen liegen hinter uns, in denen sich unsere Beziehung hauptsächlich zwischen Home Office, Home Schooling und Gartenarbeit bewegt hat. Jetzt also, endlich, können wir mal wieder ausgehen und einen Abend zu zweit außerhalb der eigenen vier Wände verbringen.

Masken werden zur Not ausgeliehen

Für die „Premiere“ haben wir uns das „Bella Italia“ an der Dortmunder Straße in Lünen ausgesucht. Schon der Weg zum Restaurant fühlt sich irgendwie anders an. Wir sind, bis auf einige Jugendliche (mit Mundschutz) an der Bushaltestelle vor der Sparkassen-Hauptfiliale, die einzigen Menschen auf der Straße. Das „Bella Italia“ liegt etwas unscheinbar an der Kreuzung. Für einen kurzen Moment fragen wir uns, ob wir am falschen Tag hier sind - doch ich bin mir sicher, am Vortag für heute reserviert zu haben. Dann sagt meine Frau erleichtert: „Die Tür steht auf.“

An der Tür selbst kein Schild oder Hinweis auf eine Maskenpflicht. Wir wissen dank der Homepage und dank der Corona-Schutzverordnung, dass wir natürlich eine Maske tragen müssen. „Wir hätten ihnen sonst auch welche geliehen“, sagt Chef Antonio Rizzo, nachdem er uns mit einem lauten „Buona sera!“ begrüßt hat. Er erklärt das Prozedere: „Maske auf, Hände desinfizieren, und dann können Sie am Tisch Platz nehmen - und die Masken sofort wieder abnehmen.“ Wir müssen alle lachen.

Ganz wichtig: Vor dem Betreten des Restaurants die Hände desinfizieren. Danach weisen rote Markeirungen auf dem Boden den Weg.

Ganz wichtig: Vor dem Betreten des Restaurants die Hände desinfizieren. Danach weisen rote Markeirungen auf dem Boden den Weg. © Claeßen

Er geleitet uns zu den Tischen. Auf dem Boden weisen aufgeklebte Pfeile den Weg, aufgetürmte Weinkisten sorgen für eine Trennung von Ein- und Ausgang in den Speiseraum. Einige Tische sind schon besetzt. Antonio zeigt auf einen leeren Vierertisch im Schutz einer hohen Glasvitrine. „Da sitzen Verliebte besonders gern.“ Wie recht er hat.

1,50 Meter Abstand - oder eine Glasscheibe

Nachdem wir uns hingesetzt haben, landen unsere Masken sofort wieder in der Handtasche meiner Frau. Die Leder-Sets an unserem Platz sind mit dicken, roten Papierservietten bedeckt. „Muss sein“, sagt Antonio, der seine Maske so wie der Rest des Personals permanent trägt. Bei allem Verständnis für diese Maßnahmen sind wir uns einig, dass das Ganze eine absurde Situation ist.

Das nächste Pärchen sitzt fünf Sitzgruppen entfernt in einer anderen Ecke. Theoretisch, sagt Antonio, könnte jeder Tisch benutzt werden. „1,50 Meter Abstand sind halt vorgeschrieben. Oder“, der Restaurantchef deutet auf eine Plexiglasscheibe auf einem Nachbartisch, „ich stelle Ihnen die hierhin, dann können direkt neben Ihnen andere Gäste sitzen.“ Wir lehnen dankend ab und fragen stattdessen, ob er uns einen Wein empfehlen kann.

Kann er. „Einschenken dürfen wir leider nicht“, sagt seine Tochter Joséphine, die uns zusätzlich eine Flasche Mineralwasser und zwei Gläser auf den Tisch stellt. Antonio reicht uns Speisekarten: „Jede Seite eingeschweißt, damit ich sie danach gleich abwaschen kann. Ist jetzt Pflicht.“ Gleiches gilt für die Tischkarte, die er neben unseren Weinflaschen platziert.

Und noch etwas legt er dazu: Ein Klemmbrett mit Kugelschreiber. „Hier müssen Sie Namen, Adresse und Telefonnummer eintragen.“ Eine weitere Corona-Auflage. Das Infoblatt auf dem Klemmbrett erläutert, dass die Daten vier Wochen lang aufbewahrt und dann vernichtet werden. Würde bei uns oder einem der anderen Gäste eine Corona-Infektion festgestellt, prüft das Gesundheitsamt anhand dieser Listen, wer alles betroffen sein könnte.

Zum Wein gibt es eine Liste, in die man Namen, Adresse und Telefonnummer eintragen muss.

Zum Wein gibt es eine Liste, in die man Namen, Adresse und Telefonnummer eintragen muss. © Claeßen

Genau wie bei den Masken fühlt sich auch das Eintragen unserer Namen und Adressen komisch an. Nicht, dass wir Familie Rizzo und dem Gesundheitsamt nicht trauen würden. Aber die Praktiken zum Beispiel von Facebook oder Amazon haben dafür gesorgt, dass sich mittlerweile jede, wirklich jede Weitergabe persönlicher Daten wie die Preisgabe intimer Geheimnisse anfühlt. Immerhin, wir müssen die Namen nicht in eine Liste eintragen, die für jeden sichtbar am Eingang liegt, sondern können das privat am Tisch erledigen. So fühlt es sich wenigstens nicht ganz so schlimm an.

Normal ist fast schon was Besonderes

Danach kommen wir endlich zu dem, weswegen wir hier sind: Essen. Und natürlich Trinken. Der Wein schmeckt hervorragend. Allerdings hätte Antonio uns wahrscheinlich auch Saft aus dem Tetrapak in Pappbechern servieren können, an diesem ersten Ausgeh-Abend nach einer gefühlten Ewigkeit wären wir über jeden Tropfen glücklich gewesen. Umso schöner, dass seine Empfehlung gepasst hat.

Auch das Essen verläuft normal, und das ist an diesem Abend ja irgendwie schon etwas Besonderes. Antonio und Joséphine dürfen die Speisen vor uns auf den Tisch stellen, nachdem sie uns weitere Papierservietten gereicht haben. Genau wie der Wein sind auch die Speisen vorzüglich - möglicherweise spielt auch hier die Tatsache eine Rolle, dass es unser erstes „Date“ seit mehr als acht Wochen ist. Freude schmeckt halt auch immer gut.

Und Antonio freut sich über zahlende Kunden. „In den vergangenen zwei Monaten haben wir vielleicht 20 Prozent unseres normalen Umsatzes gemacht.“ Er habe relativ spät angefangen, Speisen zur Abholung anzubieten. Für den Sommer hofft er, durch seinen Biergarten noch mehr Gäste anlocken zu können. „Da haben wir es sicher etwas leichter als kleinere Läden.“

Zum Abschied winkt man sich zu. Ich glaube, in den Augen von Antonio und Joséphine ein Lächeln erkannt zu haben.

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