Richtet Drogen-Verkaufszonen auf der Münsterstraße und im Seepark Horstmar ein!

mlzJetzt mal unter uns

Eine - zugegeben kontroverse - Idee aus Berlin könnte auch in Lünen Schule machen, findet unser Autor. Weil auf diesem Wege gleich eine ganze Reihe von Problemen gelöst würden.

Lünen

, 11.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kurzer Blick nach Berlin, in den Görlitzer Park: Dort haben Politik und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg jahrelang versucht, die Drogendealer zu vertreiben. Dann kam Parkmanager Cengiz Demirci auf eine Idee: Da die Dealer sowieso nicht verschwinden, wies er ihnen mit pinken Markierungen auf dem Asphalt konkrete Aufenthaltszonen zu. Auf diese Weise, so sein Plan, könnten Parkbesucher den Dealern aus dem Weg gehen, wenn sie nicht gerade wegen Stoff-Nachschub in den „Görli“ gekommen sind.

Die Reaktionen waren erwartbar: Die Konservativen und Liberalen, allesamt gerade im Finanz- und Steuersektor ausgewiesene Gerechtigkeits-Fanatiker, sprachen von einer „Einladung zum Rechtsbruch“, und selbst die grüne Bezirksbürgermeisterin möchte über diese Idee lieber erst einmal beraten. Wie Politiker das halt so tun: Gibt es ein Problem, wird kurz drüber gesprochen, danach wird es sich selbst überlassen, bis einer kommt und einfach mal was tut. Den kann man dann in die Schranken weisen, denn für Problemlösungen sind schließlich immer noch die Politiker zuständig.

Praktikabler Ansatz für unkontrollierbares Problem

Ich bin kein Freund von Drogen und Drogenhandel. Aber ich finde die Idee von Cengiz Demirci gut. Aus zweierlei Gründen: Zum einen ist es ein praktikabler Ansatz, um mit Problemen umzugehen, die aufgrund der Ignoranz zuständiger Stellen nicht mehr kontrollierbar geworden sind. Zum anderen ist ein Ausbruch aus den Konventionen, denen unsere Gesellschaft ja folgt (und sich dann aufregt, wenn jemand neue Regeln schaffen will, weil das dann ja Bevormundung wäre). Und deshalb fordere ich mit Blick auf die Situation und die subjektive Wahrnehmung in Lünen: Richtet solche Verkaufszonen für Dealer auch auf der Münsterstraße und am Seepark ein!

Sind wir doch mal ehrlich: Die Polizei behauptet zwar, auf der Münsterstraße präsent zu sein - aber vermutlich nur auf Plakaten. Und wenn jeder weiß, wo und bei wem er seinen Stoff bekommen kann, hat sich auch die Heimlichtuerei in dunklen Ecken erledigt. Mehr noch: Der Kunde könnte aus verschiedenen Angeboten auswählen, es würde eine Art Konkurrenzdruck entstehen, wer das sauberste, wirksamste und günstigste Dope anbietet. Ein besseres Beispiel für den freien Markt kann es doch gar nicht geben. Das Sorgenkind Münsterstraße würde gleichzeitig eine neue Belebung erfahren, niemand müsste mehr Angst haben, da abends allein durchzumüssen.

Und der Seepark: Wer nicht will, macht einen Bogen um die Dealer-Zonen. Für alle anderen könnte man direkt daneben, ähnlich wie auf Bahnhöfen, Konsum-Zonen einrichten. Quasi der Joint to go - und wie wir dank „In a gadda da vida“ von Iron Butterfly wissen, raucht ein guter Joint mindestens 17 Minuten. Also mehr als eine Viertelstunde pro Person, in der sie keine Müll produziert und keinen Lärm macht, sondern einfach entspannt.

All along the watchtower

Natürlich muss das Ganze überwacht werden, damit Handel und Konsum von Drogen nicht unser Land kaputt machen, wie es ja in den Niederlanden der Fall ist, wo der Rechtsstaat, wie es die Drogenbeauftragte der Bundesregierung formulieren würde, kapituliert hat und den Handel mit weichen Drogen duldet. Also, Überwachung muss her. Auf der Münsterstraße könnte das analog zum „Görli“ die Polizei erledigen. Und im Seepark wäre der Bau eines Turms zu erwägen, von dem aus man die ganze Szenerie im Blick hat. Die Ratsmitglieder könnten sich mit der Wache abwechseln. Und im Radio läuft dazu „All along the watchtower“ in der Version von Jimi Hendrix.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus – aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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