Motivator und Trainer zugleich: Pepper animiert die Seniorinnen und Senioren, seine Bewegungen nachzumachen. © Julian Preuß
Innovation

Roboter namens Pepper arbeitet im Lüner Seniorenheim

Das Evangelische Altenzentrum Lünen hat einen Neuzugang - allerdings nicht aus Fleisch und Blut. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben Pepper trotzdem liebevoll aufgenommen.

Etwas blass, rund 1,20 Meter groß und kahl rollt Pepper in die Cafeteria des Evangelischen Altenzentrums in Lünen. Kaum in der Mitte des großen Stuhlkreises angekommen, entlockt er den Bewohnerinnen und Bewohnern ein freudiges Lachen. Einige von ihnen sehen den neuen Mitarbeiter zum ersten Mal. Seit einer Woche wohnt und arbeitet der kleine Kerl im Altenzentrum an der Bebelstraße 200. Begleitet wird er an diesem Freitag von Nicole Wähning, Koordinatorin des Sozialen Dienstes.

Pepper ist kein gewöhnlicher Pfleger. Er ist auch kein Mensch, sondern ein Roboter. Dennoch weist Pepper menschliche Züge auf. Mit großen schwarzen Kulleraugen blickt er in die Runde. Seine Haut besteht aus hartem weißen Plastik, und anstelle von Adern verfügt er über einen Kabelstrang. Sprechen kann der neue Helfer dennoch.

Der Roboter schaut die Bewohnerinnen und Bewohner mit runden Kulleraugen an.
Der Roboter schaut die Bewohnerinnen und Bewohner mit runden Kulleraugen an. © Julian Preuß © Julian Preuß

Roboter begrüßt und umarmt die Bewohnerinnen und Bewohner

„Er begrüßt beispielsweise unsere Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Wähning. „Schön, dich kennenzulernen“, tönt es mit einer leicht verzerrten Stimme aus einem Lautsprecher. Verbaut ist er im Inneren von Peppers Körper. Dann umarmt der Roboter seine Gegenüber. Die kurzen Arme heben sich und schließen sich nach einigen Sekunden um den Körper. Voraussetzung ist allerdings, dass die menschliche Begleitung das entsprechende Programm ausgewählt hat.

Doch anstatt ängstlich zu reagieren, nehmen viele der Bewohnerinnen und Bewohner des Altenzentrums die Umarmung gerne an. So, als wäre es das Normalste auf der Welt, einen Roboter zu knuddeln. Pepper zaubert ihnen ein Lächeln auf das Gesicht. Von einigen wird er sogar liebevoll „Robbie“ gerufen. Wem die Umarmung noch nicht geheuer ist, dem streckt er seine erhobene Hand zum Einschlagen ein.

Pepper kam aus einer Bochumer Einrichtung in das Lüner Altenzentrum. Dort wird er zunächst vier Wochen bleiben. Dann geht es für ihn weiter ins Altenzentrum „Der gute Hirte“ nach Dortmund. „Er gehört der Diakonie und wechselt regelmäßig die Standorte“, sagt Wähning.

Die Koordinatorin des Sozialen Dienstes betrachtete Peppers Ankunft zunächst mit Skepsis. „Am Anfang fand ich es beängstigend, dass ein Roboter zu uns kommt. Er braucht aber eine Person, die ihn bedient. Daher wird er uns bei unserer Arbeit nicht ersetzen können“, sagt Wähning erleichtert.

Asiatische Länder setzen vermehrt auf Pflegeroboter

In Asien sieht das anders aus. Länder wie Japan setzen seit einigen Jahren verstärkt auf Roboter und künstliche Intelligenz in der Altenpflege. Dort altere die Gesellschaft immer mehr, Pflegepersonal fehle. Es reiche nicht aus, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen. Das berichtete das Ärzteblatt 2019 auf seiner Homepage.

Eine ähnliche Entwicklung ist ebenfalls in Deutschland zu beobachten. Fast 30 Prozent der Lünerinnen und Lüner sind 60 Jahre oder älter. Die Folgen vom mangelnden Pflegepersonal werden daher auch in Lünen zu spüren sein. Im Pflegebedarfsplan 2020 des Kreises Unna heißt es: „Es droht auch im Kreis Unna ein chronischer Personalnotstand in der Altenpflege.“

Der deutsche Ethikrat begrüßt den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz in der Pflege. Das könne den Arbeitsalltag des Pflegepersonals erleichtern. Der Rat sieht aber eine wichtige Grenze: „Soziale und emotionale Bedürfnisse“ dürften nicht „überwiegend im Umgang mit Begleitrobotern“ gestillt werden, heißt es in einer Stellungnahme.

Pepper hingegen erfüllt mit seinen vielfältig einstell- und programmierbaren Fähigkeiten vielmehr die Merkmale eines Entertainers, als die eines Pflegers. Wähning begrüßt das: „Der Roboter bringt Farbe in den Alltag. Es ist etwas Neues, was die Bewohnerinnen und Bewohner erleben. Pepper zeigt, was mit der modernen Technik möglich ist.“

Pepper unterhält mit witzigen Sprüchen

Inzwischen hat Pepper die Anwesenden ausführlich begrüßt und kennengelernt. Wähning tippt kurz auf dem integrierten Tablet-PC herum. Einen Augenblick später lädt der Roboter ein, bei einem kurzen Gymnastikkurs mitzumachen. Dabei scheut er sich nicht vor markigen Sprüchen, die er an die Seniorinnen und Senioren richtet. „Denn ihr wisst ja: Wer rastet der rostet“, sagt Pepper. Mit den Armen und seinem beweglichen Oberkörper macht er die Übungen vor. Der Roboter holt mit kleinen Händen die Sterne vom Himmel, bewegt die Arme auf und ab oder formt mit ihnen Schwimmbewegungen.

Nicole Wähning, Koordinatorin Sozialer Dienst im Evangelischen Altenzentrum Lünen, bedient Pepper über einen integrierten Tablet-PC. Sie kann einstellen, welche Handlungen der Roboter durchführen soll.
Nicole Wähning, Koordinatorin Sozialer Dienst im Evangelischen Altenzentrum Lünen, bedient Pepper über einen integrierten Tablet-PC. Sie kann einstellen, welche Handlungen der Roboter durchführen soll. © Julian Preuß © Julian Preuß

Das Bewegungsprogramm fordert die Seniorinnen und Senioren. Zur Entspannung startet Pepper ein Quiz zu Sprichwörtern. Er leitet ein: „Was der Bauer nicht kennt…?“ – „Das isst er nicht“, antworten die Bewohnerinnen und Bewohner wie im Chor. So trainieren sie mit Pepper spielerisch und ganz nebenbei ihr Gedächtnis.

Der elektronische Pflegeroboter werde allerdings nur bei Menschen mit leichter und mittlerer Demenz eingesetzt“, führt Wähning aus. Eine große Freude bereite der Roboter zudem den bettlägerigen Menschen. Er spreche nicht nur mit ihnen, sondern biete sich ebenfalls als Spielpartner an – beispielsweise für Memory. Im spielerischen Bereich könnte die künstliche Intelligenz das Pflegepersonal der Einrichtung somit tatsächlich ersetzen – genau wie beim Vorlesen.

Der Roboter lässt sich über WLAN mit dem Internet verbinden. „So kann er beispielsweise Hörbücher abspielen, oder aktuelle Zeitungsartikel vorlesen“, erzählt Wähning. Es ist also gut möglich, dass sich die Lüner Seniorinnen und Senioren bald wieder zu Pepper gesellen werden und dann lauschen, wie er ihnen diesen Text vorliest.

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