Rodungen für Stolzenhoff-Neubau: Naturschützer sind „gewaltig verärgert“ über die Stadt

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Weil der Caterer Stolzenhoff neu bauen will, lässt die Stadt Lünen einen Wald an der Wethmarheide roden. Naturschützer beschweren sich: Sie wurden bei den Planungen nicht mit einbezogen.

Lünen

, 18.02.2019, 05:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Mittwoch (13.) lässt die Stadt Lünen eine 2,5 Hektar große Fläche im Gewerbegebiet Wethmarheide roden. Dieses Gelände hatte sie im September 2018 an den Caterer Stolzenhoff verkauft, der dort neu bauen will. Dass die Rodungen beginnen, teilte die Stadt am Dienstag (12.) mit. Auch, dass Ausgleichsmaßnahmen bereits getroffen wurden und alles mit den Fachbehörden - dem Regionalforstamt und der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Unna - abgestimmt worden sei. So haben wir bisher berichtet.

? Um welche Fläche geht‘s überhaupt?

Um die hier:

? Und was sagen die Lüner Naturschützer zu den Rodungen?

Die wurden überhaupt nicht gefragt. Sagt zumindest Friedrich Angerstein, Vorsitzender des Arbeitskreises (AK) für Umwelt und Heimat. „Normalerweise wird unserer Arbeitskreis bei allen Eingriffen in die Natur beteiligt“, sagt er, „das ist indiesem Fall nicht passiert. Alles ist heimlich geschehen.“ Darüber, sagt er, sei der AK „gewaltig verärgert“, und weiter: „Wir fühlen uns total düpiert und brüskiert.“ Angerstein glaubt: „Die Stadt wollte auf keinen Fall riskieren, dass irgendwelche Einwände vom Naturschutz das verhindern könnten.“ Schließlich habe es um den Jahreswechsel herum schon Protestplakate an der Wethmarheide gegeben.

? Wie reagiert die Stadt auf diese Vorwürfe?

Die Stadt bestätigt, dass der AK beteiligt würde, aber nur bei Bauleitplanungen. Die Bauleitplanung für die Fläche an der Wethmarheide habe allerdings schon 1986 geendet - da trat der Bebauungsplan inkraft. Was seitdem geschah - Ersatzaufforstung, Artenschutzprüfung, weitere Maßnahmen - „war unmittelbare Rechtsanwendung unter Beteiligung der Fachbehörden. Eine Beteiligung der Öffentlichkeit oder der Träger öffentlicher Belange ist dabei verfahrensrechtlich nicht mehr vorgesehen“, sagt Benedikt Spangardt, Pressesprecher der Stadt.

? Was hat es denn mit den Ausgleichsflächen auf sich?

Die Stadt hatte berichtet, dass für die 2,5 Hektar große Fläche ein Ersatz von 4,73 Hektar erforderlich sei. Dieser Ersatz sei im Frühjahr 2016 schon gepflanzt worden. Nach der sogenannten „Eingriffs-Ausgleichs-Regelung“ sollen unter anderem durch Ausgleichspflanzungen negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft vermieden werden.

? Und wo ist die Ausgleichsfläche?

In Alstedde, westlich der Heinrich-Imbusch-Straße:

Und so sieht‘s dort aus:

? Was halten die Lüner Naturschützer davon?

„Neupflanzungen von Büschen und Bäumen können nie alte Bewachsung ersetzen“, sagt Angerstein. Es dauere ja häufig ein Menschenleben lang, bis ein Baum auf seine volle Größe anwächst. Spangardt sagt dazu, dass man ein Waldstück natürlich nicht „einfach so“ ersetzen könne. „,Einfach so‘ ist das allerdings an dieser Stelle auch nicht passiert: Wir haben im Vorfeld dieser Maßnahme akribisch gearbeitet, einigen Aufwand betrieben und das Möglichste dafür getan, dass in der Gesamtbilanz der Natur kein Schaden entsteht.“

? Um wie viele Bäume handelt es sich? Wie alt waren die?

Die genaue Anzahl und ihr Alter wurden nicht erfasst, sagt Benedikt Spangardt. Es handele sich aber vor allem um Stieleichen und Pappeln, dazu „gesellschaftstypische Beimischungen aus Hainbuche, Rotbuche, Bergahorn, Esche sowie randlich einige Hybridpappeln“ sowie einige Strauch-Arten.

? Leben dort nicht auch Tiere?

Amphibien wurden laut Stadt nicht gefunden, für Fledermäuse wurden im angrenzenden Waldgebiet Ersatzhabitate angelegt.

Manche Bäume, die noch stehen, sind schon markiert. Sogenannte „Quartierbäume“ werden besonders vorsichtig gefällt.

Manche Bäume, die noch stehen, sind schon markiert. Sogenannte „Quartierbäume“ werden besonders vorsichtig gefällt. © Dieter Menne Dortmund

? Wie geht man sicher, dass in den Bäumen selbst keine Tiere leben?

Alle Bäume werden vorab überprüft, erklärt Spangardt. Kommt einer als sogenannter Quartierbaum infrage, gibt es also beispielsweise Höhlen oder Horste von Vögeln, würden die markiert und nur im Beisein der „Ökologischen Betreuung“ gefällt. „Die Bäume werden vorab mit einem Vorschlaghammer angeschlagen, so dass etwaig vorhandene Tiere gewarnt werden und gegebenenfalls noch fliehen können“, sagt Spangardt. Auch der gefällte Baum wird dann nochmals kontrolliert.

? Aber warum hat die Stadt Ausgleichsflächen angelegt, bevor das Gelände an der Wethmarheide überhaupt verkauft worden war? Und wieso hat das nicht Stolzenhoff übernommen?

Es sei in der Regel so, dass der Verkäufer die Voraussetzungen für einen Verkauf schaffen muss, schreibt Spangardt. Dass es die Ausgleichsflächen schon vor dem Verkauf gab, liege daran, dass schon seit zehn Jahren Gespräche über die Nutzung des Geländes geführt wurden und das Interesse seit 2016 größer wurde.

? Was sagt eigentlich Stolzenhoff dazu?

Das Unternehmen machte dazu auf Anfrage keine Angaben.

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