Rückblick auf 210 Kilometer durch die Region

Nico wandert: ein Abspann

So viele Menschen, die mir ein Bett geboten oder etwas zu Essen zubereitet haben. Die Aktion, durch die Region zu wandern, ist beendet. Nach 210 Kilometern in neun Tagen bin ich nach Dortmund zurück gekehrt. Zeit für einen Rückblick. Warum dabei die Fahrt auf dem Datteln-Hamm-Kanal die Stimmung der gesamten Wanderung widerspiegelt.

LÜNEN

von Von Nico Drimecker

, 25.08.2011, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Motor röhrt und blubbert. Gemütlich, und mit 12 km/h langsamer als ein Radfahrer schippert die Käpt’n Kerksiek über den Datteln-Hamm-Kanal. Karlheinz Zöllner sitzt schweigend im Führerhäuschen des Schulungsbootes. Auf der Fahrt von Pöppinghausen nach Datteln genieße ich die ruhigen Minuten. Zeit, über die Menschen nachzudenken, die mich bis zu dem Zeitpunkt unterstützt haben.

Denn geschafft habe ich die Wanderung vor allem durch die Unterstützung vieler Leute. Ob sie mich anderthalb Stunden von einem Ort zu einem anderen fahren – wie Karlheinz Zöllner – oder mit dem Auto „nur“ zehn Minuten Umweg zu machen, so wie Gabi und Peter, die auf Schloss Bladenhorst wohnen und mich zum Yachthafen gebracht haben. Nicht zu vergessen: alle, die mir ein Bett bezogen, etwas zu Essen bereitet, mir spontan Kuchen serviert oder einfach nur ein paar nette Worte mit auf den Weg gegeben haben. Gastfreundlich, fürsorglich, sympathisch waren sie alle. Wie soll man jemanden herauspicken und sagen: „Der hat’s am tollsten gemacht.“? Ein Tomatensalat (vom Team Elsebad in Schwerte) steht der „Feuerfackel“ (von Olli und Anja in Rüdinghausen) in nichts nach – und umgekehrt. Gleichzeitig scheinen mir die Erzählungen aus der Geschichte des Bergbaus und Castrop-Rauxel, von denen Ludger Vollmer zu erzählen weiß, ebenso wertvoll wie die Quiche aus seinem Bioladen oder die von seiner Lebensgefährtin Ulla Greulich vorbereiteten Antipasti. Mit der Organisation des Picknicks war das vielleicht der größte Aufwand. Andererseits: Wenn ich mich bei Berufsköchen der gehobenen Küche für ein Essen bedanke, und Wolfgang Möritz aus der Füchtelner Mühle winkt ab und sagt: „Machen wir doch jeden Tag.“ Ist das dann weniger Aufwand? Zumal das Dreigänge-Menü, das ich serviert bekommen habe, laut Speisekarte ohne Zweifel das teuerste war, das mir serviert wurde. Und ein hausgemachter Kuchen (von Elisabeth Mey) schmeckt einem hungrigen Wanderer mindestens genauso gut. Auch hatte sie ja eigentlich keinen Grund, mich einzuladen. Sie hat’s trotzdem gemacht. Und sie hat es ganz offensichtlich sehr gerne gemacht. Und wenn die Brüder im Kapuziner-Kloster Werne auch jeden anderen Pilger aufnehmen, schmälert das kaum das persönliche Glück eines einzelnen, für eine Nacht ein Bett zu haben. Wehren gegen ein Bett musste ich mich auf Hof Schulze Wethmar, wo Elisabeth und Dirk Schulze Wethmar mich nach einem langen Bio-Grill-Abend nur schweren Herzens ins Zelt ziehen ließen. In Aufwand und Ertrag zu rechnen, geht nicht. Wenn ich das versuche, gelange ich in Gedanken wieder auf die Käpt’n Kerksiek, an dessen Steuerrad Karlheinz Zöllner sitzt. Zehn Minuten bevor wir losgefahren sind, hat er erst von Karl-Heinz Kunzer erfahren, dass er mich bitte nach Datteln fährt. „Das ist doch okay“, sagt er. Bei dem Satz erscheint ein breites Grinsen aus der Tiefe seines sonst ernsten Seefahrer-Blicks – den er vielleicht auch haben muss, denn auch dem friedlichen Wasser muss man als Seemann wohl immer ein gesundes Misstrauen entgegenbringen. Das ist doch okay, findet Karlheinz Zöllner, dass er mich anderthalb Stunden mit einem Fremden den Datteln-Hamm-Kanal hinauf und allein wieder hinunter fährt. Zumal ursprünglich geplant war, per Schiff eine kürzere Strecke zurück zu legen. Doch an diesem Tag plagte mich Schmerz im linken Fuß. So waren es nicht nur meine Füße, die mich ans Ziel gebracht haben, auch Karlheinz Zöllner und Menschen, die hier genannt und nicht genannt werden. Gäbe es einen Abspann mit allen, die auf der Wander-Aktion eine Rolle gespielt haben, wäre er so lang wie der eines Hollywood-Films. Liebe Leute: vielen Dank!

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