Schlechtes Gewissen verhinderte angeblich Geldautomaten-Sprengung in Lünen

mlzProzessauftakt

Mit Profi-Werkzeug versuchten zwei Männer im Mai 2016, einen Geldautomaten in Lünen zu sprengen. Zu Prozessbeginn in Dortmund beschreibt sich der Angeklagte jedoch eher als Pechvogel.

Lünen

, 22.06.2020, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 33-Jähriger muss sich seit Montag wegen versuchten Diebstahls und einer geplanten Sprengstoffexplosion vor dem Dortmunder Landgericht verantworten. Zusammen mit einem bislang unbekannten Komplizen soll er in der Nacht des 4. Mai 2016 Löcher in einen Geldautomaten der Sparda-Bank an der Bebelstraße gebohrt haben, um anschließend ein Gasgemisch einleiten zu können. Ein lauter Alarm sorgte jedoch laut Anklage dafür, dass beide Männer ohne Beute flüchten mussten.

Angeklagter legt Geständnis ab

Gleich zu Prozessbeginn räumte der Angeklagte ein, einer der beiden Täter zu sein. Wer der andere war, will er nicht verraten. „Ich habe ihn kennengelernt, weiß aber jetzt, dass ich mich besser von ihm ferngehalten hätte“, sagte er den Richtern. „Ich habe Angst um mich und meine Familie, deshalb will ich nichts mehr sagen.“

Komplize soll Haupttäter sein

Geht es nach dem 33-Jährigen, war der unbekannte Komplize sogar die treibende Kraft hinter dem Geldautomaten-Coup. Er selbst habe eigentlich immer brav gearbeitet und nie kriminelle Gedanken gehabt. Nur die Spiel- und Wettsucht habe ihn in die Arme von zwielichtigen Gestalten getrieben. „Irgendwann sind mir die Schulden über den Kopf gewachsen“, sagte der Pole. „Ich wusste mir dann nichts mehr anders zu helfen, als bei der Tat mitzumachen.“

Der Angeklagte beharrt jedoch darauf, dass nicht der Alarm, sondern sein schlechtes Gewissen die tatsächliche Sprengung verhindert habe. „Ich war sehr aufgeregt, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte“, erzählte der 33-Jährige. Irgendwann habe er sich gefragt, ob es das wirklich wert sei und dann für sich entschieden, besser zu gehen. „Von einem Alarm habe ich nichts mitbekommen.“

Versuch freiwillig abgebrochen?

Für die Frage einer möglichen Verurteilung könnte diese Behauptung von entscheidender Bedeutung sein. Ist der Angeklagte nämlich tatsächlich aus freien Stücken von seinem Diebstahls-Versuch zurückgetreten, könnte er eigentlich nicht mehr verurteilt werden. Und dann käme er seinem großen Ziel wieder ein Stück näher. Er will unbedingt nach Hause zurück - er kommt aus Polen.

Pole will nach Hause

Vor acht Jahren ist der gelernte Elektriker aus Polen nach Deutschland gekommen, um hier sein Glück zu finden. Seine Eltern und seine Schwester blieben zurück. „Ich habe bis heute guten Kontakt mit ihnen. Wir telefonieren viel“, sagte er.

Rückblickend muss der 33-Jährige feststellen, dass seit seiner Ankunft so ziemlich alles schief gelaufen ist, was überhaupt schief laufen kann. In keinem Job hielt er es länger als ein Jahr aus. Und dann kam eben die Sache mit dem Glücksspiel und den Sportwetten.

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