Schmuckstück der Stadt wird 100: Warum die Bahn den Cappenberger See erst möglich machte

mlzCappenberger See

Tief ist er nicht, groß auch nicht, und doch: Den Cappenberger See kennt jeder Lüner. In diesem Jahr wird das Gewässer 100. Dass es den See überhaupt gibt, hat einen ungewöhnlichen Grund.

Lünen

, 02.11.2019, 09:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Etwa 450 Meter lang, so um die 150 Meter breit und so etwa zwei Meter tief: Für einen See ist das nicht viel, und dennoch: Lünen ohne Cappenberger See, das wäre, als ginge ein Stück Identität verloren.

Dabei ist es ganz besonderen Umständen zu verdanken, dass es das Gewässer überhaupt gibt. Und noch etwas fällt beim Lesen in den alten Unterlagen auf: Schon damals gab es einen Plan, auf dessen Umsetzung die Lüner noch heute warten.

Schmuckstück der Stadt wird 100: Warum die Bahn den Cappenberger See erst möglich machte

Diese Postkarte von 1943 zeigt das Freibad Cappenberger See. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es auch auch eine Gastronomie am See. © Stadtarchiv Postkarte

Die Geburtsstunde des Sees schlägt im Jahr 1919. Dass alle Lüner ein ganzes Jahrhundert später diesen See kennen, davon konnte man damals nicht unbedingt ausgehen: Denn eigentlich wollte man damals keinen See bauen, sondern eine Eisenbahn.

Das Wasserbecken ist künstlich geschaffen. Es war die Eisenbahnverwaltung, die im Jahr 1919 hier 260.000 Kubikmeter Erdreich ausbaggern ließ. Nicht um einen See zu schaffen, sondern um den Damm der neuen Eisenbahnlinie Lünen-Münster aufzufüllen.

Schmuckstück der Stadt wird 100: Warum die Bahn den Cappenberger See erst möglich machte

Der Bahndamm in Wethmar: Um diesen anzulegen, wurde am Vogelsberg Boden ausgehoben. © Günther Goldstein

Erste Pläne für das Projekt, mit einer Eisenbahn die Industrie rund um Dortmund mit Münster - Hauptstadt der damaligen Provinz Westfalen - zu verbinden, gab es bereits 1902. Allerdings war man sich lange uneins über die Streckenführung. 1913 wurde mit den Arbeiten begonnen. Ein Bestandteil der Planungen lässt noch heute - mehr als ein Jahrhundert später - aufhorchen: Es wurde damals für zwei Gleise geplant. Etwas, auf das die Menschen noch heute warten.

Erster Weltkrieg macht alle Pläne zunichte

Warten mussten aber auch die Menschen damals erst einmal: Der Erste Weltkrieg legte die Arbeiten, wie vieles andere auch, lahm. Man hatte ganz andere Sorgen.

Nach dem Krieg fehlte es an Geld und an Material, um zügig voran zu kommen. Hinzu kam: Die Fertigstellung der Strecke schien der Bahn seinerzeit nicht mehr so dringlich wie vor dem Krieg. Es gab schlichtweg nicht mehr soviel zu transportieren.

Um den Bau der Bahn zu retten, wurde der Unterbau zwar weiterhin zweigleisig, der Oberbau hingegen nur noch eingleisig geplant - mit Folgen bis zum heutigen Tag. Die Bahnstrecke wurde nach weiteren Verzögerungen im Oktober 1928 in Betrieb genommen.

Ausflugsziel, Wasserqualität, „wildes Baden“

Da gab es den See längst. Und der spielte fortan im Leben der Lüner immer wieder eine Rolle: als Ausflugsziel, als Diskussionsobjekt über schlechte Wasserqualität und als Anlass zur Klage über Menschen, die sich nicht zu benehmen wissen.

Ende der 1940er Jahren freut man sich darüber, dass die nötig gewordenen Instandsetzungsarbeiten vorbei sind und damit auch das „wilde Baden“ ein Ende hat. „Es kehrt wieder Ordnung ein“, heißt es. Und: In den letzten Jahren sei es „drunter und drüber“ gegangen: Man bezahlt keinen Eintritt und macht, was man will, heißt es in der Zeitung. Dennoch bleibt der See bis in die 1950er Jahre auch eine Badeanstalt.

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Der Cappenberger See und das benachbarte Freibad aus der Luft betrachtet. © Goldstein

Im Mai 1951 finden Arbeiter im Schilf einen toten Hecht, etwa einen Meter lang und 15 Pfund schwer. Aufregung allenthalben. Es war ein Zufall, dass die Arbeiter ihn entdeckten: Sie waren mit dem Boot unterwegs und es schimmerte weiß aus dem Wasser im Schilf.

Dennoch: Im Mai 1953 schreiben die Ruhr Nachrichten über das „Idyll am Vogelsberg“: Was für den Dortmunder Süden die Hohensyburg, ist für den Norden Dortmunds, für Brambauer, Lünen und Umgebung Cappenberg. Tausende wandern, radeln oder fahren am Wochenende hinaus. Das Loch, das der Bahnstrecke zu verdanken ist, bleibt ein attraktives Ausflugsziel. Auch wenn immer etwas zu tun ist.

Auch in den 50er Jahren ist Handlungsbedarf: Das Ufer des See müsste befestigt werden, am Kopfende des Sees wünscht man sich eine Jugendherberge. Sie wird gebaut, und steht auch heute noch. Ab 1957 wird nicht mehr im See geschwommen, sondern im Freibad nebenan. Eröffnung wird am 18. Mai gefeiert. In den 80er Jahren wurde die Freibadanlage erneuert.

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Badebetrieb im Freibad im Jahr 1982. © Goldstein

Immer wieder droht dem See die Luft auszugehen

Zwischendurch drohte der See immer mal wieder, den Bach hinunter zu gehen: Öfter sorgt man sich um die Wasserqualität, es gibt in den 80ern ein „rätselhaftes Entensterben“, Aale verenden und auch Angler schlagen Alarm, der See „droht zu sterben“, Schlamm, Dreck und Kot nehmen dem See den Sauerstoff.

1990 gibt es schließlich ein „Sofortprogramm zur Stabilisierung des Sees“. Am 2. Oktober 1995 sorgt ein „Bombenfund“ für Aufregung. Einen Tag später entpuppt sich die Bombe allerdings als Tank. Anfang der 2000er wird das Ufer nach ökologischen Gesichtspunkten neu gestaltet.

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Auf der Zufahrt zum See gibt es derzeit eine Reihe von Schlaglöchern. © Goldstein

Dass der See heute das ist was er ist, beweist, dass im Laufe des Jahrhunderts vieles richtig gelaufen ist. Und doch: Zu tun gibt es immer etwas. Derzeit gibt es zum Beispiel auf der Zufahrt zum See viele Schlaglöcher.

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Um diese Leuchten, die derzeit nicht leuchten, geht es. © Goldstein

Außerdem gib es Klagen über eine fehlende Beleuchtung.

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