Schneller Roller und zu Unrecht Geld vom Jobcenter: Lüner vor Gericht

mlzAmtsgericht

Eine „rasante“ Fahrt mit einem zu schnellen Roller und Geld vom Jobcenter, das ihm nicht zustand: Zwei Vorwürfe brachten einen Lüner vor das Amtsgericht. Dort geriet er in Erklärungsnöte.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 16.11.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einem 59-jährigen Lüner wurden gleich zwei Vergehen zur Last gelegt: Eine „rasante“ Fahrt mit einem zu schnellen Roller und Geld vom Jobcenter, das ihm nicht zustand. Das brachte ihn auf die Anklagebank des Amtsgerichts.

Am Nachmittag des 6. Dezember 2019 war der Mann aus Lünen mit seinem Roller auf der Waltroper Straße unterwegs. Offenbar war er so schnell, so dass ein Polizist misstrauisch wurde, sich die Sache näher ansah und feststellte, dass der Fahrer tatsächlich mehr als 25 Stundenkilometer auf dem Tacho hatte. Damit hätte er für den Roller einen Führerschein benötigt – und den besaß er nicht. Kurz darauf wurde dem Lüner ein Strafbefehl zugestellt: 1200 Euro Geldstrafe und drei Monate Fahrverbot. Das wollte er nicht hinnehmen, legte Einspruch ein und so stand die Sache zur Verhandlung an.

Geld vom Jobcenter trotz Arbeit

In der Zwischenzeit stellte sich dann heraus, dass der 59-Jährige im Zeitraum zwischen dem 1. November 2019 und 31. Januar 2020 zu Unrecht knapp 2000 Euro Unterstützung vom Jobcenter erhalten hatte, obwohl er längst wieder in Lohn und Brot stand. Zu dem Fahren ohne Fahrerlaubnis gesellte sich daraufhin noch der Vorwurf des Betrugs hinzu.

Beide Fälle wurden nun vor dem Lüner Strafrichter verhandelt. Was die schnelle Rollerfahrt betraf, beteuerte er, höchstens 30 gefahren zu sein. Ein Fehlverhalten sah er bei sich nicht und die Begründung dafür ließ nicht lange auf sich warten: „Jeder Roller“, so betonte er, „die fahren automatisch etwas mehr.“ Selbst ein Fachmann habe ihm zu dem Thema gesagt, dass sich diese Zweiräder nicht weiter drosseln ließen. „Keine Chance“, versicherte der Lüner im Brustton der Überzeugung.

Hinsichtlich des Jobcenters wusch er seine Hände ebenfalls in Unschuld. Selbstverständlich habe er seinen Arbeitsvertrag ans Amt gefaxt. Gut, einen Sendebericht habe er nicht, weil er für das Gerät keine Druckerpatrone besitze. Aber seine Stieftochter sei Zeugin, dass er das getan habe. Auch habe er damals viel Stress gehabt und deshalb seine Kontostände nicht überprüft. Darüber hinaus werde ihm, der mittlerweile wieder arbeitslos sei, das zu viel erhaltene Geld in Raten von seinen aktuellen Bezügen abgezogen.

Einspruch zurückgenommen

Der Umstand, dass der Schaden bereits reguliert wird und die Tatsache, dass sein Verschulden eher gering ausfiel, weil er billigend in Kauf nahm, dass das Fax nicht ankommen könnte, sorgten für eine Einstellung des Verfahrens gegen 120 Euro Geldbuße. Was die Rollerfahrt betraf, sah er ein, dass es für ihn nicht besser werden konnte. Also nahm er seinen Einspruch gegen den Strafbefehl doch noch zurück.

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