Nahezu leere Klassenzimmer an Lüner Schulen. Nur vereinzelt nehmen die Schüler das Betreuungsangebot wahr. © dpa
Schule zu Coronazeiten

Schulen in Lünen: Manche Kinder sind für Unterricht nicht zu erreichen

Wenige nutzen die Notbetreuung an Lüner Schulen. Technisch hakt es noch stellenweise. An einer Gesamtschule sind etwa fünf Kinder pro Klasse momentan gar nicht für Unterricht zu erreichen.

Die Erfahrungen nach knapp zwei Wochen Distanzunterricht in Lüner Schulen zeigen: Nahezu alle Erst- bis Sechstklässler, für die die Notbetreuung gedacht ist, bleiben zu Hause. Allerdings gibt es an einzelnen Stellen digitale Hürden.

Iris Lüken, Leiterin der Osterfeldschule und Sprecherin der Grundschulleiter, spricht von etwa zehn Prozent der Schüler aller Grundschulen, in der Notbetreuung.

„An der Osterfeldschule erarbeiten unsere drei Sonderpädagogen am Vormittag die Aufgaben mit 22 Kindern, verteilt auf drei Gruppen“, berichtet Lüken. Dabei sei die Zahl an ihrer Schule vergleichsweise hoch: Die jeweiligen Klassenlehrer hatten diejenigen Kinder angesprochen, bei denen sie das Gefühl hatten, sie seien in der Notbetreuung besser aufgehoben. Vor Ort konnte auch jedes Kind mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden.

Für die Kinder, die Zuhause lernen, berichtet die Schulleiterin, hätten sich die Elternhäuser untereinander organisiert. Einzelne Lehrer bieten ihren Unterricht auch digital an. Kinder in der Notbetreuung können bisher daran nicht teilnehmen, obwohl sie technisch ausgestattet sind. „Hier gibt es noch technische Hürden“, so Lüken, „die Firewall der Schule lässt den Digitalunterricht über IServe nicht zu. Aber die IT-Abteilung der Stadt arbeitet an einer Lösung.“ Trotzdem könnten sich die notbetreuten Kinder den Unterrichtsstoff aneignen. Das Digitalangebot sei nur zusätzlich. Grundsätzlich werde der Stoff über die ausgegebenen Materialpakete vermittelt.

Stadt Problem nicht bekannt

Die Stadt Lünen kann das geschilderte Problem mit dem Digitalunterricht in der Osterfeldschule so nicht bestätigen. „Das einzige aktuelle Problem an der Osterfeldschule, von dem wir wissen“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt,, „ist, dass in einem Raum das WLAN nicht einwandfrei funktioniert.“ Für die kommende Woche sei die Untersuchung und Behebung des Problems beauftragt. „Die Osterfeldschule bekommt auf eigene Initiative IT-Support eines Drittanbieters; eventuell kommt die Information und die Lösungszusage von dort“, erklärt Spangardt. Bei einem möglichen IServe-Problem sei die Stadt ohnehin nicht zuständig.

KKG: Fünf Schüler pro Klasse nicht zu erreichen

Von ganz anderen Probleme berichtet Reinhold Bauhus, Leiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule: In Einzelfällen seien Schüler auch dazu aufgefordert worden, in die Notbetreuung zu kommen. Darüber hinaus gäbe es so Bauhus, „eine respektable Anzahl an Schülern, die nicht zu erreichen sind.“ Pro Klasse handele sich um vier bis fünf Schüler. Insgesamt liegt die Zahl der Fünft- und Sechstklässler in der Notbetreuung bei 15: Etwa fünf Prozent der 300 Kinder nutzen das Angebot und werden von drei Sozialarbeitern und einzelnen Lehrer betreut. „Sie wurden situativ mit Endgeräten versorgt“, berichtet Schulleiter Reinhold Bauhus. Jeder der eines brauchte, habe es auch bekommen.

Realschule Altlünen: Drei Kinder in Notbetreuung

An den weiterführenden Schulen ist die Zahl der Kinder aus den Klassen fünf und sechs in der Notbetreuung noch geringer: An der Realschule Altlünen gibt es drei angemeldete Kinder. „Das funktioniert ausgezeichnet“, berichtet Claudia Fellowes, kommissarische Schulleiterin. Dank der Flexibilität des Betreuungspersonals sei die Über-Mittag-Betreuung in den Vormittagsbereich gezogen worden. Und auch die Beschulung laufe hier reibungslos – sowohl Zuhause, als auch vor Ort. „Mit Unterstützung schuleigener Geräte und der schuleigenen Tools ‚EduPage‘ und ‚Cisco Webex‘ als Videosystem funktioniert das bei uns sehr stabil. Bei uns stürzt nichts ab“, so Fellowes.

Schon von Beginn an habe der komplett digitale Unterricht reibungslos funktioniert. Dank verliehener I-Pads, guter Organisation über den Stundenplan, der eigens angeschafften alternativen Computersysteme und als Backup per Post verschickter Materialkopien.

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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier
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