Schulleiter in Lünen fordern verbindliche Corona-Ansagen aus Düsseldorf

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Auch Lüner Schulleiter werden in der Corona-Krise mit E-Mails aus dem Düsseldorfer Schulministerium überschüttet. Deren Inhalt wirft häufig mehr Fragen auf als das er nötige Antworten liefert.

Lünen

, 22.05.2020, 07:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Informationspolitik des Düsseldorfer Schulministeriums in der Corona-Krise stößt bei Lünens Schulleitern auf Kritik. Das gilt sowohl für die Leitungen der Grundschulen als auch für die der weiterführenden Schulen.

„Was absolut irritierend ist, das sind die vielen Mails vom Schulministerium, die wir nahezu täglich erhalten und die sich teilweise auch widersprechen.“ Das sagte Reinhold Bauhus, Sprecher der weiterführenden Schulen in Lünen und Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule (KKG), am Mittwoch (20. Mai) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Reinhold Bauhus ist Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule (KKG) und Sprecher der weiterführenden Schulen in Lünen.

Reinhold Bauhus ist Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule (KKG) und Sprecher der weiterführenden Schulen in Lünen. © Storks (A)

Ins gleiche Horn stieß Mittwoch Matthias Flechtner, Sprecher der Grundschulen und Leiter der katholischen Grundschule „Leoschule Lünen“:

„Wir haben zu Corona seit dem 18. März 22 Schul-Mails bekommen - so viele wie sonst im ganzen Schuljahr.“ Unabhängig davon, dass es eine große Herausforderung sei, die Inhalte der Mails umzusetzen, sei manchmal nicht klar, ob es sich um eine Idee, um einen Vorschlag oder aber um einen Erlass handele, sagte Flechtner weiter:

„Manchmal erfährt man Dinge aber auch erst aus der Presse, ohne vorherige Benachrichtigung aus dem Schulministerium. Wenn wir dann von den Eltern darauf angesprochen werden, können wir nur sagen, dass wir davon ‚offiziell’ nichts wissen.“

Während die Umsetzung der Hygienevorschriften in den Grundschulen und den weiterführenden Schulen nach Angaben von Flechtner und Bauhus auf dem Schulgelände und in der Schule gut klappt, sieht das außerhalb der Schule, auf dem Schulweg, mitunter anders aus. Das erklärte zumindest KKG-Schulleiter Reinhold Bauhus.

„Da werden Zärtlichkeiten ausgetauscht“

„Sie sollten mal sehen, wie die Schüler zur Schule kommen - ohne Maske, in Gruppen. Da wird sich nicht nur abgeklatscht, was das Zeug hält. Da werden auch ‚Zärtlichkeiten’ ausgetauscht.“ Er sei gespannt, wo das am Ende hinführe: „Hoffentlich kriegen wir nicht eine zweite Corona-Welle.“

Das hofft auch Grundschulleiter Matthias Flechtner. „Es ist so schon schwierig genug für das Ministerium, ein langfristiges Schul- und Unterrichtskonzept auf die Beine zu stellen. Kaum vorstellbar, wenn es zu einer zweiten Corona-Welle mit Kontaktsperre und so weiter kommt.“

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So gesehen, habe er schon Verständnis dafür, dass „man in Düsseldorf erst einmal versucht, bis zu den Sommerferien über die Runden zu kommen.“ Was danach komme, bleibe vorerst abzuwarten.

Ein Problem, was beiden Schulleitern auf den Nägeln brennt und das kurzfristig gelöst werden muss, sei, dass es an Lehrkräften mangelt. Und zwar aufgrund der bisherigen Einteilung der Risikogruppen.

„Nur Hälfte der Lehrkräfte einsetzbar“

„Lehrkräfte, die über 60 Jahre alt sind oder diejenigen, die eine Vorerkrankung haben oder schwanger sind, dürfen bisher nicht unterrichten“, sagte KKG-Schulleiter Bauhus. Das führe dazu, dass von den 88 Lehrern und Lehrerinnen an der Gesamtschule nur 42, also weniger als die Hälfte, einsetzbar sind.

Laut Bauhus will sich das Schulministerium bis Ende Mai zur Einteilung der Risikogruppen erneut Gedanken machen. Er sei gespannt, was dabei heraus kommt.

Matthias Flechtner ist Schulleiter der Leoschule und Sprecher der Lüner Grundschulen.

Matthias Flechtner ist Schulleiter der Leoschule und Sprecher der Lüner Grundschulen. © Fiedler (A)

Darauf gespannt ist auch Matthias Flechtner. Der Grundschulleiter bestätigte, dass es auch Grundschulen in der Lippestadt gibt, „an denen die Hälfte der Lehrkräfte nicht zur Verfügung“ steht: „Das macht die Dinge nicht gerade einfacher.“

Die jüngste Corona-Mail aus dem Schulministerium stammt im Übrigen von Dienstag (19. Mai) und findet sich auf dem Bildungsportal für das Land Nordrhein-Westalen. Die Mail ist nicht etwa adressiert an Flechtner oder Bauhus, sondern an die Schulleiterinnen und Schulleiter der Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung (GE) sowie Körperliche und motorische Entwicklung (KME).

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